Allein in Rheinland-Pfalz beträgt der Anteil der Gesundheitswirtschaft an der Bruttowertschöpfung 12,6 Prozent. Jeder neunte Arbeitsplatz zählt inzwischen zur medizinischen Versorgung. Wenn wir in diesem Bereich weiter wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen wir neue Impulse setzen und uns ein Stück von der Vorstellung verabschieden, alles bis ins letzte Detail vorausplanen oder absichern zu können.

Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz

Jörn Simon

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Leiter der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz

"Gerade in Rheinland-Pfalz mit seinen vier Millionen Bürgern, von denen ein Drittel weit verteilt auf dem Land lebt und deren Altersdurchschnitt relativ hoch ist, ergeben sich für das Gesundheitswesen besondere Herausforderungen. Besondere Situation erfordern in der Regel auch besondere Maßnahmen."

Anregungen und Empfehlungen der TK für die Digitalisierung des Gesundheitswesens in RLP

1. Fortschritt gestalten

Die Digitalisierung sollte von allen Akteuren im Gesundheitswesen als Chance begriffen und im Interesse der Patienten und Versicherten aktiv mitgestaltet werden. Es ist daher begrüßenswert, dass auch die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz den Beschluss des Deutschen Ärztetags zur Lockerung des Fernbehandlungsverbots umsetzen und die Berufsordnung für die Fernbehandlung ändern will.

Auch mit der verpflichtenden Einführung der elektronischen Gesundheitsakte kommt Fahrt ins deutsche Gesundheitswesen. Der Weg zu einer modernen digitalen patientenorientierten Versorgung ist aber noch lang. Denn zu einem digitalen Gesundheitswesen gehören auch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, eine erweiterte Fernbehandlung via Telemedizin (nach Schweizer Modell), das elektronische Rezept, der elektronische Versandhandel verschreibungspflichtiger Medikamente und eine digitale Überweisung zum Spezialisten.

2. Pflege: Smart-Home Lösungen stärker fördern

Aus Sicht der TK müssen pflegende Angehörige entlastet werden. Eine Möglichkeit wäre der Einsatz smarter Technologien ("Smart Home"), die für Sicherheit bei Pflegebedürftigen und deren Angehörigen sorgen. Dazu gehören etwa Sensoren, die Aktivitäten oder Stürze melden. Der Leistungskatalog der Pflegeversicherung sollte daher angepasst werden.

Die Leistungen für "wohnumfeldverbessernde Maßnahmen" sollten im Bereich der technischen Hilfen im Haushalt auch für technische Assistenz- und Überwachungssysteme eingesetzt werden dürfen, damit Versicherte einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro jährlich auch hierfür in Anspruch nehmen könnten.

3. Das Potential von Games und VR muss genutzt werden

Mit der Gründung der neuen Regionalvertretung des Industrieverbands Game in Rheinland-Pfalz, dem Netzwerk "Game Up!" und der Initiative "GamesDevs Rheinland-Pfalz" verfügt Rheinland-Pfalz über gute Voraussetzungen, um das Potential von Games für den Gesundheitsbereich stärker zu fördern und zu nutzen.

Die Landesregierung könnte bestehende Plattformen oder Initiativen hin zu digitalen "Health-Labs" weiterentwickeln, die als Anlaufstellen für kreative Köpfe dienen und frühzeitig Input liefern. Junge Innovatoren könnten sich hier mit Health-Professionals und Investoren vernetzen, und in Räumen für agile Arbeitsmethoden innovative Ideen Realität werden lassen.

4. Medienkompetenz in den Fokus rücken

Der Bereich Medienkompetenz hat in der Gesundheitsförderung nahezu den gleichen Stellenwert erreicht wie die Themen Ernährung, Stress, Bewegung und Suchtmittelkonsum und sollte daher als fünftes Handlungsfeld im Leitfaden Prävention des GKV-Spitzenverbandes verankert werden.

Das alleine reicht aber noch nicht aus. Medienkompetenz muss ebenfalls integrativer Teil jedes Schulfaches werden. Zudem müssen digitale Medien fest in der Lehrerausbildung verankert werden, damit auch Lehrer digital fit werden und die Potentiale digitaler Medien nutzen und vermitteln können.

5. Datenschutz und IT aufrüsten

Der deutsche Datenschutz muss an aktuelle Entwicklungen angepasst werden, indem die Prinzipen der Datensparsamkeit und Zweckbindung in eine Balance mit den Anforderungen bei riesigen Datenmengen in Zeiten von Big Data gebracht werden. Für sichere Daten muss aber vor allem der Krankenhaussektor in die IT-Infrastruktur investieren.

Hier sind an erster Stelle die Träger in der Verantwortung, für ein Mindestmaß an IT-Sicherheit in ihren Einrichtungen zu sorgen. An zweiter Stelle kommen die Länder, die verpflichtet sind ausreichend Investitionsfördermittel bereitzustellen. Das von der Bundesregierung geplante IT-Sicherheitsgesetz 2.0 und der fortgesetzte Krankenhausstrukturfonds sind weitere Möglichkeiten, um den Krankenhaussektor digital zukunftsfest zu machen.

6. Breitbandausbau: Den Blick nach vorne richten

Es wird noch dauern, bis tatsächlich jedes Haus in Deutschland über einen Glasfaseranschluss verfügt. Der Druck könnte aber kaum höher sein. Es gilt daher von Seiten der Landesregierung darauf zu achten, dass vor allem die Gebiete und Gebäude mit Glasfaser versorgt werden, die für die Grundversorgung ausschlaggebend sind. Neben Schulen und Kitas sollten daher auch Krankenhäuser beim Glasfaserausbau verstärkt berücksichtigt werden. Bayern hat eigens dafür eine Förderrichtlinie erlassen.