Die Digitalisierung erreicht unser Gesundheitswesen und schon zeigen sich die Metropolen der digitalen Gesundheitsinnovationen. Natürlich ist das Silicon Valley zu nennen und Europa glänzt mit Berlin als Hauptstadt der Gründer.

Vorzeige-Start-up aus Jena

Schaut man allerdings genau hin, dann kommen die Ideen, die unsere Gesundheitswelt nachhaltig verändern werden, bei Weitem nicht allein aus den genannten Hotspots. Ein gutes Beispiel ist die Firma Preventicus, die als eines der deutschen Vorzeige-Start-ups gilt. Preventicus kommt aus Jena und hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Diagnostik von Herz- und Kreislauferkrankungen zu revolutionieren, indem sie dem Patienten selbst die Möglichkeit gibt, aktiv zu werden.

Eine Idee, die kaum besser zu Thüringen als Flächenland mit einer besonders im ländlichen Raum alternden Bevölkerung und einem zunehmenden Mangel an Ärzten und anderen medizinischen Fachkräften passen könnte.

Ein Land mit guten Ideen - die Rahmenbedingungen sind ausbaufähig
Dr. Markus Müschenich

Gleichzeitig ist der Anteil von Gesundheitsleistungen am BIP in Thüringen deutlicher höher als in vielen anderen Bundesländern. Und genau hier liefert Preventicus eine Lösung in Form einer zertifizierten medizinischen App, mit der Patienten zu Hause feststellen können, wie gesund ihr Herz ist, ob Herzrhythmusstörungen vorliegen und vor allem, was zu tun ist, wenn ein Problem diagnostiziert wurde.

Erfinder im Land halten: Wirtschaftsförderung, Vernetzung, Selektivverträge

Digitale Medizinprodukte à la Preventicus können natürlich unabhängig vom Ort der Entwicklung eingesetzt werden, denn Ländergrenzen spielen in den Zeiten der digitalen Vernetzung via Internet und Smartphone keine Rolle mehr.

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Dr. Markus Müschenich

Länder und Städte tun allerdings trotzdem gut daran, Gründer mit ihren guten Ideen zu unterstützen und im Land zu halten. Denn so können die innovativen Lösungen schneller vor Ort zum Einsatz kommen und keiner muss warten, bis das Pilotprojekt im fremden Gründerland erfolgreich war.

Das mag einfacher klingen, als es ist, und doch gibt es gute Beispiele, wie es funktionieren kann. Da ist zum einen die Wirtschaftsförderung, die mit vergleichsweise kleinen Beträgen die Gründung von digitalen Medizinunternehmen und die Entwicklung der Produkte gezielt unterstützen kann. Als Zweites ist die Vernetzung mit den Ärzten und Krankenhäusern wichtig, denn hier können die neuen Ideen diskutiert und die Produkte getestet und validiert werden. Hier gilt es, Brücken zu bauen und die Begeisterten zusammenzuführen. Und natürlich spielen die Krankenkassen eine entscheidende Rolle.

Da es bisher noch keine generalisierten Zulassungen von zertifizierte medizinischen Apps gibt, ist die Initiative einzelner Krankenkassen notwendig, die über Selektivverträge die neuen Technologien zu ihren Versicherten bringen. Im Idealfall setzt sich einer an die Spitze. In den Ländern, in denen das die Landespolitik tut, scheint es die besten Ergebnisse zu geben.

Zur Person

Dr. Markus Müschenich ist Kinderarzt und Gesundheitswissenschaftler. Er war mehr als 10 Jahre Vorstand freigemeinnütziger und privater Krankenhauskonzerne und ist Gründungsmitglied und Vorstand des Bundesverbandes Internetmedizin. Müschenich ist Managing Partner von Flying Health einem exklusiven Netzwerk, in dem Unternehmen der Gesundheitswirtschaft digitale Strategien entwickeln und diese gemeinsam mit nationalen und internationalen Digital Health Startups umsetzen.