Stellen Sie sich vor, Sie sind krank. Für Ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und Ihr Rezept müssen Sie aber nicht die Arztpraxis aufsuchen, sondern Sie können alles entspannt von zu Hause im Bett liegend erledigen.

Nein, das ist keine Vision aus einem Science Fiction Roman, sondern dass soll in ganz naher Zukunft Realität im deutschen Gesundheitssystem werden.

Mit dem DVPMG - Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz - folgt in kurzer Zeit das dritte Digitalisierungsgesetz des Bundesgesundheitsministeriums, nachdem das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) und das Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG) bereits in Kraft sind.

Ziel dieses dritten Digitalisierungsgesetzes ist es, insbesondere neue digitale Anwendungen in der Pflege zu fördern, den Ausbau der Telemedizin voranzutreiben sowie die digitale Kommunikation im Gesundheitswesen schneller und sicherer zu machen. Die Maßnahmen der ersten beiden Gesetze werden weiterentwickelt und ausgebaut. Dies begrüßen wir als TK ausdrücklich, werden doch wichtige und notwendige Weichen in Richtung Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens gestellt.


Dr. Susanne Klein

Dr. Susanne Klein, Leiterin der TK-Landesvertretung Bremen Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Leiterin der TK-Landesvertretung Bremen

Wie wichtig die Digitalisierung für uns alle ist, haben die letzten Monate gezeigt. Die Videosprechstunde mit Ärztinnen und Ärzten boomt, um in Zeiten der Pandemie unnötige Praxisbesuche zu vermeiden. Im Land Bremen ist  z.B. die Anzahl an Videosprechstunden im Bereich der Psychotherapie von 326 im 1. Quartal 2020 auf 2269 im 2. Quartal 2020 gestiegen. In den Gesundheitsämtern, den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern hilft die Digitalisierung Verwaltungsaufwände zu reduzieren und die Kommunikation zu vereinfachen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wenn wir über Digitalisierung sprechen, sprechen wir gleichzeitig auch über Datenschutz und -sicherheit. Schon allein aus diesem Grund sind gesetzliche Weichenstellungen wichtig. Als TK begrüßen wir die Weiterentwicklung der Telematikinfrastruktur, die den Austausch von Daten zwischen Patienten und Ärzten fördert und die notwendig ist für einen flächendeckenden Ausbau der Telemedizin. Die Teilnahme der Praxen an der ePA wird nun verpflichtend und das eRezept wird nicht nur verpflichtend für die Verordnung verschreibungspflichtiger Medikamente (PDSG), sondern kommt auch für die außerklinische Intensivpflege, Heil- und Hilfsmittel sowie für häusliche Pflege.

Auch für die digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) geht es weiter. Das DVG führte die "Apps auf Rezept" ein, nun sind auch digitale Pflegeanwendungen (DiPA) geplant, die neu ins SGB XI aufgenommen werden. Bei diesen Pflegeanwendungen handelt es sich um digitale Helfer auf mobilen Endgeräten oder als browserbasierte Webanwendung. Pflegebedürftige können mit Unterstützung dieser digitalen Helfer durch entsprechende Übungen ihren Gesundheitszustand verbessern. Auch Leistungen von Hebammen und anderen Heilmittelerbringern sollen zukünftig im Rahmen digitaler Gesundheitsanwendungen vergütet werden.

Die im Gesetz geplante Erweiterung der Telematikinfrastruktur (TI) beinhaltet den Ausbau eines sicheren Übermittlungsverfahrens zwischen Versicherten, Leistungserbringern und Krankenkassen. Der geplante Messagingdienst beispielsweise erlaubt es den Versicherten künftig, zeitgemäß mit ihrer Krankenkasse in Kontakt zu treten und Daten einfach und sicher auszutauschen. Hier sehen wir als TK großes Potenzial und schlagen deshalb vor, ihn auch für den Austausch von elektronischen Verwaltungsakten, beispielsweise für das Zustellen von Beitragsbescheiden oder die Bewilligung von Hilfsmitteln, zu nutzen.

Die nächsten Schritte sind nun der Durchgang des Kabinettentwurfs im Bundesrat und die Lesung im Bundesrat. Nach Plan wird das Gesetz im Juni dieses Jahres in Kraft treten. Dann heißt es Ärmel hochkrempeln und die Vision der digitalen Arztpraxis Realität werden lassen in Bremen.