Im saarländischen Gesundheitswesen gibt es viele Herausforderungen zu bewältigen. Die Saarländer haben nicht nur eine insgesamt hohe Morbidität, auch der demografische Wandel ist hier deutlich zu spüren. Da die praktizierenden Ärztinnen und Ärzte durchschnittlich ebenfalls im höheren Alter sind und die Nachfolge oft schwierig ist, stellt die Versorgung gerade im ländlichen Raum - zum Beispiel dem Nordsaarland - eine der größten Herausforderungen dar. Hier birgt die Digitalisierung große Chancen. Grundvoraussetzung dafür sind aber die technischen Grundlagen. Denn ohne Breitbandausbau und gute Netzabdeckung sind viele Innovationen praktisch nicht nutzbar. Sind diese Voraussetzungen aber gegeben, ist unserer Meinung nach viel möglich. Wir haben fünf Thesen formuliert, wie die Gesundheitsversorgung im Saarland von der Digitalisierung profitiert.

1. Fernbehandlung wird die medizinische Versorgung im ländlichen Raum verbessern

Durch die Anpassung des Fernbehandlungsverbots ist im Saarland seit vergangenem Jahr auch eine ausschließliche Fernbehandlung möglich. Davon profitieren alle Versicherten. Besonders wichtig ist die Änderung aber für Patienten in eher ländlichen Gegenden - beispielsweise im Nordsaarland. Sie sparen sich oft lange Anfahrtswege und auch die Wartezeiten. Dazu müssen einerseits die Ärzte für eine Fernbehandlung geschult werden, andererseits muss die Fernbehandlung ganzheitlich möglich sein, also mit elektronischer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und elektronischem Rezept. Das erprobt die TK auch schon in einem Pilotprojekt. 

Ein weiterer Vorteil: Die geografischen Grenzen spielen in der Versorgung keine Rolle mehr. Schließlich ist es mit diesem Konzept nicht mehr wichtig, wo sich Arzt und Patient gerade aufhalten. So können Ärzte ihren beruflichen Alltag flexibler gestalten und in manchen Fällen ohne eigene Praxis behandeln - beispielsweise im Ruhestand.

2. Elektronische Patientenakte und TI sorgen für Vernetzung und Transparenz

Ab 1.1.2021 muss jede Krankenkasse ihren Versicherten eine elektronische Patientenakte zur Verfügung stellen. Außerdem soll die Telematikinfrastruktur endlich ins Laufen kommen. Durch diese "Datenautobahn" und die Anbindung der Leistungserbringer ist eine viel stärkere Vernetzung aller Beteiligten möglich. Der Datenaustausch ist dann sicher und schnell. Durch die in der Akte abgelegten Dokumente und Befunde können Doppeluntersuchungen vermieden werden. Außerdem können Medikamenten-Verordnungen besser abgestimmt und so lebensgefährliche Wechselwirkungen verhindert werden.

Aber auch darüber hinaus ergeben sich für die Versicherten selbst neue Möglichkeiten. Sie werden Herr ihrer Daten und haben diese gebündelt an einem Ort. Das sorgt für eine bessere Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Außerdem hat die Akte das Potenzial, die Versicherten bei dem Selbstmanagement ihrer Gesundheit zu unterstützen.

Dass das funktioniert, zeigt unsere elektronische Gesundheitsakte TK-Safe, die wir unseren Versicherten seit Mai 2019 anbieten. Bereits über 250.000 aktive Nutzer verzeichnet die TK - Tendenz weiter steigend. Eine beliebte Funktion ist dabei zum Beispiel der Überblick über Vorsorgetermine und anstehende Impfungen.

3. Smarte Technologien entlasten in der Pflege

Im Saarland wächst die Zahl der Pflegebedürftigen rasant. Um 18,8 Prozent stieg die Zahl der Erstanträge, die die TK verzeichnet hat, 2019 im Vergleich zum Vorjahr an. Häufig ist es der Wunsch der Betroffenen, so lange wie möglich zu Hause wohnen bleiben zu können. Sie fühlen sich zum einen im gewohnten Umfeld viel wohler, zum anderen sind Pflegeplätze schon jetzt so stark nachgefragt, dass es mancherorts zu Engpässen kommt. Einen Lösungsansatz stellen die Möglichkeiten der Digitalisierung dar.
 
Dazu gehören etwa Sensoren, die Aktivitäten oder Stürze melden. In Pflastern integrierte Sensoren, die zusätzliche Parameter wie Hautspannung und Flüssigkeitsbedarf liefern, könnten den Pflegenden oder den Gepflegten Hinweise zur Einnahme von Medikamenten oder zur Flüssigkeitsaufnahme geben. So können im besten Fall Unfälle und somit Krankenhausaufenthalte verhindert werden.

Generell bietet die Digitalisierung das Potenzial, die Autonomie im eigenen Heim zu unterstützen. Daher fordern wir als TK, Smart-Home-Lösungen in den Leistungskatalog der Pflegeversicherung mit aufzunehmen. Schließlich können so auch die pflegenden Angehörigen entlastet werden.

4. Smarte Datenanalyse für bessere Versorgung

Im Gesundheitswesen gibt es riesige Mengen an Routinedaten, die von Krankenkassen im Rahmen ihrer Aufgaben erhoben werden. Die Auswertung dieser Daten ist schon heute ein wichtiger Baustein für Monitoring und Weiterentwicklung von Versorgungsangeboten in der GKV. Das könnte in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen. Denn mit dem Digitale-Versorgungs-Gesetz ist es den Krankenkassen nun möglich, diese Routinedaten für die Entwicklung digitaler Versorgungsinnovationen zu nutzen. Außerdem besteht für die Kassen nun die Möglichkeit, ihre Versicherten - nach deren Einwilligung - über individuelle Versorgungsangebote zu informieren. Von diesen Entwicklungen können das gesamte GKV-System sowie jeder und jede einzelne Versicherte profitieren.

5. KI unterstützt Leistungserbringer bei Diagnose und Therapie

Künstliche Intelligenz bietet der Behandlung von Patienten, der Diagnostik und auch den Universitäten und Hochschulen einen großen Mehrwert. Und der wird in naher Zukunft noch größer werden. Riesige Datenmengen können analysiert und beurteilt werden. So wird es beispielsweise möglich, weltweit Krankheitsverläufe abzugleichen und die besten Behandlungsoptionen zu ermitteln. Daher fordert die TK eine feste Etablierung von  KI im Gesundheitswesen .

Erste Beispiele gibt es schon heute. So werden KI-Technologien genutzt um Bildmaterial auszuwerten. Die Ergebnisse stehen behandelnden Ärzten als Unterstützung zur Verfügung. Das wird in naher Zukunft in vielen Bereichen des Gesundheitswesens der Fall sein. Dabei werden die Technologien den Arzt nie ersetzen, sondern unterstützen. So bleibt die Entscheidungshoheit über Diagnostik und Therapie beim Menschen. Darüber hinaus hebt sich der Arzt in mindestens einem wichtigen Punkt gegenüber der KI ab: Nur er kann menschliche Zuwendung leisten und hat die Erfahrung im Umgang mit den Patienten.


Positionspapier Digitalisierung Saarland

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