In vier Handlungsfeldern wurden digitale Projekte ins Leben gerufen: Ambulante und stationäre Versorgung, sektorenübergreifende Versorgung, Pflege und personalisierte Medizin.

Herr Vogt, welche Erkenntnisse liefert der erste Digitalisierungsbericht der Landesregierung für das Gesundheitswesen?

Da das Gesundheitswesen bei der Digitalisierung einen großen Nachholbedarf hat, ist es positiv, dass Medizin und Pflege eines der sechs Schwerpunktthemen bildet. Auch von Seiten des Bundesgesundheitsministeriums wird die Digitalisierung nun vehement forciert. Ohne die Unterstützung von politischer Seite tut sich die Selbstverwaltung schwer, zu allgemein anerkannten Regelungen zu kommen, wie die Vergangenheit gezeigt hat.

Andreas Vogt

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Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

In dem Bericht der Landesregierung werden 14 Projekte genannt, die seit November 2017 mit insgesamt rund vier Millionen Euro gefördert werden. Dabei wurde darauf geachtet, dass ambulante und stationäre Versorgung ebenso wie die Pflege und die sektorenübergreifende Versorgung abgedeckt werden. Davon profitieren Patientinnen und Patienten aus allen Altersgruppen: Für Kinder gibt es zum Beispiel das Projekt "Internetbasierte Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen", andere Projekte ermöglichen älteren Personen ein möglichst langes selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden. Interessant ist, dass die personalisiert Medizin ein eigenes Handlungsfeld bildet.

Inwiefern ist die personalisierte Medizin für die TK von besonderer Bedeutung?

Die TK engagiert sich im Bereich der Präzisionsmedizin, die auch zur personalisierten Medizin gehört. Gerade bei der Krebstherapie wird bislang noch zu oft ins Blaue hinein behandelt. Häufig kommen unnötige oder sogar unwirksame Therapien zum Einsatz, weil die Therapie nicht zur Ausprägung der Krebserkrankung passen. Präzisionsmedizin bedeutet, dass die Therapie viel zielgenauer und - wie der Name schon sagt - präziser erfolgen kann. Möglich wird dies, indem bei den Patienten ein umfassender Gen-Panel-Test des Tumorgewebes vorgenommen wird. 

Die TK arbeitet hier mit dem Heidelberger Unternehmen Molecular Health zusammen und hat nun auch eine Vereinbarung mit dem Universitätsklinikum Heidelberg geschlossen, um speziell jungen Krebspatienten eine optimierte Therapie zu ermöglichen. Ähnliche Ansätze der individuellen Krebstherapie sind laut Digitalisierungsbericht nun auch in Baden-Württemberg geplant. Ein vom Wirtschaftsministerium gefördertes Projekt, bei dem führende Krebsspezialisten aus Baden-Württemberg beteiligt sind, steht in den Startlöchern.

Welchen Beitrag kann die TK leisten, um die Digitalisierung in Baden-Württemberg voran zu bringen?

Alle noch so guten Projekte dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass oberstes Ziel der Aufbau einer belastbaren und allgemein anerkannten Telematik-Infrastruktur sein muss. Dafür braucht es eine elektronische Patientenakte, wie Dr. Gottfried Ludewig, Leiter der neu geschaffenen Abteilung Digitalisierung im Bundesgesundheitsministerium, aktuell in einem Interview mit der Ärzte Zeitung bestätigt hat. Mit TK-Safe hat die TK Bewegung in das System gebracht. Wichtig ist dabei, dass die Patienten endlich selbst zum Souverän ihrer Daten werden. 

Zudem baut die TK ihr digitales Angebot kontinuierlich aus. Aktuelles Beispiel ist der neue TK-Pflege-Coach an: Als digitaler Pflegekurs - oder als mobiles Nachschlagewerk - vermittelt der Coach Pflege-Know-how auf lern- und pflegewissenschaftlicher Grundlage. Die Anwendung können Pflegende auf Smartphone, Tablet oder PC nutzen.