TK: Wie sieht Ihr Klinikalltag aus?

Dr. Ingo Schmehl: Die Schwerpunkte in meinem klinischen Alltag sind zum einen die überregionale Schlaganfallbehandlung im GKV-Bereich und zum anderen die komplexe Diagnostik und Therapie und die neurologische Rehabilitation von verunfallten Arbeitnehmern im Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung. Trotz der aktuell angespannten Lage durch die Pandemie, versorgen wir unsere Patienten in gewohnter Qualität in der Ambulanz und auf den Stationen.

Dr. Ingo Schmehl

Dr. Ingo Schmehl, Direktor der Klinik für Neurologie mit Stroke Unit und Frührehablitation am UKB Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Direktor der Klinik für Neurologie mit Stroke Unit und Frührehablitation am Unfallkrankenhaus Berlin

Wir erweitern sogar das Leistungsspektrum unserer Neurologischen Klinik durch den Neubau einer eigenen Reha-Klinik auf dem Campus. Dadurch stehen für mich Planung, Steuerung und die Betriebswirtschaft im Moment im Fokus. 

TK: Die digitale Transformation des Gesundheitswesens hat durch die Pandemie einen deutlichen Schub erfahren. Wie beurteilen Sie das Potenzial digitaler Therapien?

Dr. Schmehl: Gerade in der aktuellen Pandemiesituation kommen digitale Angebote, wie Physiotherapie per Videokonferenz zur Anwendung. Digitale Therapien stellen eine sehr gute Ergänzung der bereits vorhandenen multiprofessionellen Therapien im stationären sowie auch im ambulanten Setting dar.

Perspektivisch sollten neben den vorhandenen Therapien, wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie, Neurolinguistik auch digitale Angebote, wie zum Beispiel Übungsprogramme per App in die neurologische Rehabilitation eingebunden werden. Damit ist es möglich, Patienten mit Funktionsbeeinträchtigungen gezielt mit neuer Hardware und Software in den Tätigkeiten des alltäglichen Lebens zu trainieren. 

TK: Wo kommen Digitalisierung und KI im Unfallkrankenhaus Berlin konkret zum Einsatz?

Dr. Schmehl: Im Unfallkrankenhaus Berlin haben wir sehr viel Erfahrung mit den Anwendungen der Tele-Radiologie, der Tele-Neurologie und in der telemedizinischen Notfallversorgung auf Windenergieanlagen gesammelt. Im Rahmen des Innovationsfondprojekt ANNOTeM werden beispielsweise neurologische Notfallpatienten zum Bespiel bei einem Schlaganfall, in drei Bundesländern mittels Teleneurologie gemeinsam mit den Kollegen vor Ort diagnostiziert und therapeutische Entscheidungen gemeinsam getroffen.

Gerade begonnen hat der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Routine im Institut für Radiologie und Neuroradiologie des Unfallkrankenhauses Berlin zur Detektion von Hirnblutungen. 

Zur Person

Dr. Ingo Schmehl ist seit 2007 Direktor der Klinik für Neurologie und Stroke Unit mit Frührehabilitation. Die Klinik betreut das gesamte Spektrum neurologischer Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarkes, der peripheren Nerven und der Muskulatur. Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Versorgung von Schlaganfallpatienten, sie erfolgt in einem überregionalen Schlaganfallzentrum.