Im März 2019 reichten die Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) und das Jenaer Universitätsklinikum eine gemeinsame Bewerbung beim Innovationswettbewerb "Künstliche Intelligenz als Treiber für volkswirtschaftlich relevante Ökosysteme" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ein. Mit der Zusage für die Wettbewerbsphase begann anschließend das Projekt JeCaTh, das für "Jena eHealth Centre for Cancer Therapies" steht. Ziel ist es, neue Technologien zu nutzen und Daten effektiver auszuwerten, um die Behandlung besser an die Patienten anzupassen. Konkret beziehen sich die Projektelemente auf Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren: Von der Früherkennung über die Diagnose und die Behandlung bis hin zur Nachsorge sollen alle Schritte durch neue Technologien verbessert werden. 

JeCaThon

Neben den eigentlichen Pilotprojekten rund um das Thema Krebsforschung, wurde die Öffentlichkeit unter anderem in Form eines Hackathons eingebunden. Vom 19. bis zum 21. September fand der erste E-Health-Hackathon Thüringens statt.

Maximilian Silchmüller studiert Medizin und Angewandte Informatik an der FSU und hat den Hackathon nicht nur als Teilnehmer erlebt, sondern auch - gemeinsam mit seinem Team "Unscharf" - gewonnen. Im Interview schildert er seine Eindrücke:

TK: Herr Silchmüller, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum 1. Platz beim JeCaThon! Ihr Team ist mit dem Namen "Unscharf" angetreten - was steckt dahinter? Mit welcher Aufgabe haben Sie sich beschäftigt?

Maximilian Silchmüller: Vielen Dank! Den Namen haben wir uns eigentlich als selbstironischen Witz überlegt. Zu dem Zeitpunkt hatten wir auch nicht damit gerechnet, dass wir gewinnen könnten. Unser Thema war ein Problem in der Gewebsuntersuchung. Wenn Schnittpräparate von Medizingeräten gescannt werden, können Fehler in Form von unscharfen Bereichen in den Bildern auftreten, die die Diagnosezeit unnötig verlängern oder den Arzt viel Zeit kosten. Als Team entwickelten wir ein Programm, welches solche unscharfen Stellen erkennt und sie kennzeichnet.

Maxi­mi­lian Silchmüller

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Zur Person

Maximilian Silchmüller, 22 Jahre, geboren in Friedrichroda, studierte zunächst Chemie in Hannover und wechselte dann nach Jena, wo er aktuell Medizin im 7. Semester und Angewandte Informatik studiert. Sein Ziel ist es, an der Schnittstelle zwischen Medizin und Informatik zu forschen.

TK: Haben Sie zuvor schon einmal an einem Hackathon teilgenommen? Was ist Ihnen beim JeCaThon besonders positiv oder negativ aufgefallen?

Silchmüller: Das war mein erster Hackathon und ich war ehrlich gesagt auch ziemlich aufgeregt. Es war sehr imposant, was die Veranstalter aus dem Foyer des Unigebäudes gemacht haben. Von einem Tag auf den anderen wurde eine große Bühne, Arbeitsbereich, Chill-Ecke und Buffet aufgebaut. Es war wirklich alles da, um rund um die Uhr konzentriert arbeiten zu können. Auch wenn man es an mancher Stelle übertrieben hat. Selbst wenn man gemeinhin denkt, dass Hacker und Nerds nur von Süßem und Energydrinks leben, waren drei Kühlschränke randvoll mit dem Zeug doch etwas zu viel (lacht).

Es gab außerdem viel fachliche Unterstützung von den Veranstaltern und Sponsoren. Als Team hatten wir beim Arbeiten jedenfalls eine Menge Spaß!

TK: Direkt nach der Preisverleihung haben Sie geäußert, dass Sie Ihre Ergebnisse gerne weiter ausarbeiten und in der Praxis nutzbar machen wollen. Gibt es bereits erste Schritte in diese Richtung?

Silchmüller: Aus dem ursprünglichen Team Unscharf ist unser "PuzzleWeb" entstanden - eine Interessengruppe von Studenten und Wissenschaftlern, die gemeinsam weiter an E-Health-Problemen arbeiten. Unser Team beim Hackathon war schon interdisziplinär, aber das haben wir noch ausgebaut. In unserer Gruppe versammeln sich Motivierte aus der Informatik (Gregor Zweig und unser Mentor Dr. Torsten Bölke), Mathematik (Stefan Perko), dem Ingenieurwesen (Sam Eberl), der Psychologie (Alexia Dalski) und mit mir aus der Medizin. Der JeCaThon war für uns der Impuls, uns noch weiter mit dem neuen Feld der digitalen Medizin zu beschäftigen.

Grup­pen­foto PuzzleWeb

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Beim JeCaThon gewann das Team den 1. Preis

Info

PuzzleWeb ist eine interdisziplinäre Gruppe aus motivierten Studierenden und Wissenschaftlern, die sich zusammengeschlossen hat, um digitale Lösungen für Probleme im Gesundheitswesen zu finden.

Da wir unser angefangenes Projekt vom JeCaThon fertiggestellt haben, sind wir momentan auf der Suche nach neuen Problemstellungen aus der Praxis und nach Kooperationspartnern. Daher stehen wir bereits in Kontakt mit dem Fraunhofer Institut, Nucleus Jena und verschiedenen Kliniken. Mein ganz persönliches Anliegen ist es, einfache Lösungen für alltägliche Probleme der Pfleger/Pflegerinnen und Ärzte/Ärztinnen zu finden. Denn genau die kosten Zeit, die am Ende beim Patienten fehlt! Ich bin sehr froh, jetzt in einer Gruppe sein zu können, die diese Vision teilt und mit Spaß und Motivation zusammenarbeitet. Zum Beispiel interessiert es uns, wie durch Machine Learning die Auswertung von grafischen  Patientendaten erleichtert werden kann.

TK: Wie schätzen Sie den Wert des JeCaThons für die Region ein? Sind Veranstaltungen wie diese Ihrer Meinung nach geeignet, um eine bessere Vernetzung zu erreichen und das Thema E-Health stärker in Thüringen zu verankern? 

Silchmüller: Thüringen, und insbesondere Jena als "Science City", ist ein wichtiger Standort für das Thema E-Health. Hier sind Mediziner, Techniker, Informatiker und all die anderen wichtigen Akteure, die das Potenzial haben, gemeinsam  Lösungen für Probleme in unserem Gesundheitssystem zu entwickeln. Es ist erschreckend, wie schlecht die Kommunikation zwischen manchen Teilbereichen ist und wie viele Hürden allein deswegen entstehen. Daher sind Veranstaltungen wie der JeCaThon eine tolle Möglichkeit, Experten aus verschiedenen Bereichen zusammen-zubringen und die Grenzen im Denken zu öffnen. Wir als Gruppe sind der Meinung, dass die Zukunft der Medizin in der gesunden Zusammenarbeit aller wichtigen Disziplinen liegt. Also ja, ich wünsche mir auf jeden Fall mehr solcher Projekte für die Zukunft in Thüringen.