Stuttgart, 30. September 2021. Mit dem 1. Oktober wird das Ende der gelben Scheine bei der Krankmeldung eingeläutet. Dann startet nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) das Verfahren der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) in den Arztpraxen. Die Übermittlung an die gesetzlichen Krankenkassen geschieht in Zukunft digital, direkt aus der Software der Arztpraxen. "Das ist ein weiterer Schritt zur Digitalisierung des Gesundheitswesens, der Bürokratie vereinfacht und Papiermüll reduziert", sagt Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. 

In Baden-Württemberg kann jede vierte Praxis Nachrichten sicher versenden

Der Versand an die Krankenkassen erfolgt über "KIM", den Kommunikationsdienst im Medizinwesen. Damit können Nachrichten zwischen den Gesundheitsberufen sicher und digital verschlüsselt übermittelt werden. Derzeit sind in Baden-Württemberg laut Kassenärztlicher Vereinigung (KVBW) rund 2.200 Praxen an "KIM" angeschlossen, das entspricht etwa 25 Prozent. Aufgrund einer Übergangsregelung haben die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte noch bis Ende des Jahres Zeit, das Verfahren in ihrer Praxis zu etablieren.

Info an die Arbeitgeber ab Juli 2022 digital

Bisher läuft es im Krankheitsfall so ab: Die Beschäftigten bekommen von der Arztpraxis eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in dreifacher Ausführung - zur Vorlage bei der Krankenkasse, beim Arbeitgeber und für die eigenen Unterlagen. Die Benachrichtigung der Arbeitgeber wird ebenfalls digitalisiert. Dies wird ab Juli 2022 durch die Krankenkassen erfolgen. Bis dahin müssen das noch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf herkömmliche Weise erledigen.

Digitale Behandlungskette: Von der Videosprechstunde bis zum E-Rezept

Aus Sicht der TK wird die eAU zunehmend Teil einer digitalen Behandlungskette sein, die mit einer Videosprechstunde beginnt und bei Bedarf auch das Ausstellen eines elektronischen Rezepts (E-Rezept) beinhaltet. Ab Januar 2022 werden die bisherigen Rezepte bei der Verordnung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln von E-Rezepten abgelöst. Derzeit bieten in Baden-Württemberg laut TK rund 7.500 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte Videosprechstunden an.