Frankfurt am Main, 1. Oktober 2021. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in Papierform hat bald ausgedient. Seit heute, 1. Oktober, müssen Versicherte Krankmeldungen nicht mehr selbst bei ihrer Krankenkasse einreichen. Die elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen - kurz eAU - können auf digitalem Weg direkt von den Arztpraxen an die gesetzlichen Krankenkassen übermittelt werden. In Hessen nehmen nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung bereits 1.730 Ärztinnen und Ärzte an dem digitalen Verfahren teil. Das ist fast jede und jeder fünfte der insgesamt 9.500 Ärztinnen und Ärzte in Hessen.

eAU spart Zeit und ist zudem nachhaltig

"Die Digitalisierung in unserem Gesundheitswesen wird nur dann angenommen und gelebt, wenn die Menschen darin einen Vorteil erkennen. Das ist bei der eAU der Fall. Sie spart Zeit, reduziert Bürokratie und ist zudem nachhaltig, weil Papier und Postweg entfallen", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen. Ein weiterer Vorteil für TK-Versicherten ist: Sie finden in ihrer TK-App eine Übersicht aller Krankmeldungen und können dort verfolgen, dass die eAU bei ihrer Kasse angekommen ist.

Digitale Behandlungskette

Aus Sicht der TK in Hessen ist die eAU ein weiterer wichtiger Schritt zur fälligen Digitalisierung des Gesundheitswesens. "Die eAU wird künftig Teil einer digitalen Behandlungskette sein, zu der die Videosprechstunde und ggf. auch ein elektronisches Rezept ganz selbstverständlich mit dazugehören", so Voß. Seit Beginn der Corona-Pandemie setzen sowohl Arztpraxen als auch die Patientinnen und Patienten stärker denn je auf die digitalen Möglichkeiten. Das zeigt auch die Inanspruchnahme von telemedizinischen Angeboten wie der Videosprechstunde, die vor der Pandemie lediglich von einzelnen Praxen in Hessen angeboten wurde. Heute nutzen bereits mehr als 3.240 der insgesamt rund 10.300 ärztlichen bzw. psychotherapeutischen Praxen in Hessen die Videosprechstunde, das ist fast jede dritte Praxis (31,4 Prozent). 

Ab Januar 2022 ist die eAU Pflicht

Die Arztpraxen haben noch bis Ende des Jahres Zeit, ihre Prozesse auf die digitale Übermittlung der Krankmeldung umzustellen. Ab Januar 2022 ist sie dann aber Pflicht. Hierfür müssen alle Praxen am digitalen Kommunikationsdienst KIM teilnehmen - die Abkürzung steht für "Kommunikation im Medizinwesen". Ganz ohne Papier geht es im ersten Schritt dann aber doch noch nicht: Die Krankschreibung für den Arbeitgeber müssen die Patientinnen und Patienten zunächst noch in Papierform übermitteln. Ab Juli nächsten Jahres wird aber auch dieses Papier digital übermittelt.

Hinweis an die Redaktion:

Die Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen zur Zahl der Ärzte, die an das KIM-System zur Übermittlung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) angeschlossen sind, und zur Zahl der Praxen, die eine Videosprechstunde anbieten, beziehen sich jeweils auf das 2. Quartal 2021. Hintergrundinformationen zur digitalen Krankschreibung gibt es unter tk.de (Suchwort 2114222).