Schwerin, 14. März 2019. "Ich begrüße sehr, dass heute in der Landtagssitzung über den Einsatz von telemedizinischen Möglichkeiten debattiert wird. Das so genannte Fernbehandlungsverbot ist einfach nicht mehr zeitgemäß", erklärt Manon Austenat-Wied, Landesvertretungsleiterin der Techniker Krankenkasse (TK) in Mecklenburg-Vorpommern. "Es schränkt uns ein, mit weiteren Angeboten die Versorgungsprobleme in der ländlichen Region zu beseitigen." 

Die Nachbarn machen uns vor, wie es geht: Nachdem im letzten Jahr die ausschließliche Fernbehandlung in bestimmten Fällen durch eine Änderung in der Berufsordnung der Bundesärztekammer ermöglicht wurde, haben die Landesärztekammern in Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein gleich nachgezogen. "Ich fordere die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern auf, ebenso zu entscheiden", so die Kassenchefin. Und weiter: "Um das Potential telematischer Angebote wirklich nutzen zu können, muss die ärztliche Musterberufsordnung sowie die Berufsordnungen auch im Nordosten für Fernbehandlungsangebote geöffnet werden." 

In Deutschland dürfen Ärzte nur Folgebehandlungen per Videosprechstunde anbieten, wenn sie den Patienten bereits in ihrer Praxis behandelt haben. Bereits  neun Landesärztekammern lockerten ihre Berufsordnung für Fernbehandlung. In definierten Fällen ist eine Fernbehandlung ohne persönlichen Erstkontakt möglich. Das eröffnet in der Versorgung ganz neue Möglichkeiten. 

Im Nordosten hat sich bislang noch nichts getan. Die Ärztekammerversammlung Mecklenburg-Vorpommern hat im Dezember 2018 den Beschluss zur Änderung der Berufsordnung in die Ausschüsse Ambulantes Gesundheitswesen und Berufsordnung gegeben. Danach wird erneut beraten. 

In einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern könnten vor allem ältere und mobil eingeschränkte Menschen von einer Fernbehandlung profitieren, da ihnen der weite Weg in die Praxis erspart bleibt. Ältere oder Pflegebedürftige, für die der Weg zum Arzt oft eine besondere Hürde ist oder Eltern mit fiebernden Kind - ihnen allen wären mit diesem zusätzlichen Angebot geholfen. 

Austenat-Wied betont: "Eine Fernbehandlung (Videosprechstunde) wird den Arztbesuch nie vollständig ersetzen können. Sie kann jedoch in vielen Fällen, sowohl für den Patienten als auch für die Arztpraxis, eine sinnvolle Ergänzung sein."