TK: Liebes oxyhack-Team, beim zweiten Healthhack19 in Braunschweig haben Sie den ersten Platz erzielt. Herzlichen Glückwunsch! Mit welcher visionären Idee haben Sie die Jury überzeugt? Erzählen Sie uns von Ihrem Projekt.

Team oxyhack: Vielen Dank! Wir haben in Braunschweig an einer Lösung für ein Problem gearbeitet, welche so selbstverständlich klingt, dass wir kaum glauben konnten, dass sich noch niemand darum gekümmert hat. Menschen mit unterschiedlichsten Grunderkrankungen benötigen nachts oder am Tag zusätzlichen Sauerstoff. Das heißt, diesen Patienten wird Sauerstoff zur Atemluft gegeben. Meist funktioniert das über einen großen Sauerstofftank, der regelmäßig befüllt wird und von dem sie auch kleinere Tanks für unterwegs befüllen können.

Team oxyhack

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Inken Holldorf, Leiterin der TK-Landesvertretung Niedersachsen mit dem Team oxyhack, Gewinner des Healthhack19

Zu Hause steht der Tank häufig an einem zentralen Punkt in der Wohnung, so dass der Patient über einen Schlauch versorgt wird und sich frei bewegen kann. Ein großes Stück Lebensqualität, was diese Menschen durch diese Versorgung zurückgewinnen. Der Haken an der Sache: Diese Durchflussmenge kann man nur am Ventil direkt an dem Sauerstofftank regeln. Das ist nervig, weil man zum Tank laufen muss, um die Sauerstoffmenge zu ändern. Doch es kann mitunter auch gefährlich werden: Es kann immer wieder dazu kommen, dass es einem akut schlechter geht und man plötzlich mehr Sauerstoff benötigt. Unser Ideengeber Connor berichtete selbst von seinen Erfahrungen. Mitten in der Nacht aufzuwachen und keine Möglichkeit zu haben, aufzustehen und sich mehr Sauerstoff zu geben. Nicht selten bekommt man es dann mit der Panik und Angst zu tun. Ist man dann alleine kann es sehr gefährlich werden.    

Um diese Probleme zu lösen, gab es die Idee, eine Fernsteuerung zu bauen, welche das Ventil an dem Tank antreibt und von überall aus der Wohnung steuerbar ist. In den gut 24 Stunden haben wir einen Prototypen gebaut, mit dem man einfach eine App auf dem Smartphone nutzen kann, um die aktuell benötigte Durchflussmenge des Sauerstoffs einzustellen, ohne zum Tank laufen zu müssen. Ein kleiner Stellmotor treibt das Ventil dann direkt am Tank an und nimmt dem Patienten somit viele Wege ab und er muss nachts keine Angst mehr haben, sollte etwas passieren.

TK: Vor dem Healthhack19 haben Sie sich als Team weder gekannt noch vorher gesehen. Wie entsteht in Kürze eine derart kreative Gruppe? Wie haben Sie so schnell und zudem auch erfolgreich zusammengefunden?

Team oxyhack: Alles fing mit Connors Pitch an. Er hat uns auf die Problematik als Betroffener aufmerksam gemacht, und wir wollten unbedingt an einer Lösung mitarbeiten. So fingen wir nach wenigen Minuten an, Ideen zu sammeln und Pläne an einem Whiteboard zu schmieden. Als wir schon Stunden in unsere Arbeit vertieft waren, fiel einigen auf, dass sie eigentlich gar nicht so richtig wissen mit wem sie da so intensiv zusammenarbeiten, wir haben dann hier und da mal ein kurzes Gespräch der Sorte “Was machst Du eigentlich im echten Leben außerhalb des HealthHacks?” eingeschoben. Ansonsten hat uns aber einfach der Wille zur Erarbeitung einer funktionsfähigen Lösung zusammengeschweißt, und wir haben bis tief in die Nacht zusammen an Quelltext, Platinen und Halterungen gesessen.

TK: Welche Teilnehmer waren in Ihrem Team? Welche Expertise brachten die einzelnen '"Hacker" mit?

Team oxyhack: Wir hatten Glück, so ein breit aufgestelltes Team zu erleben. Connor als Ideengeber und Experte für die Nutzung des Sauerstofftanks konnte alle Anforderungen super definieren und das Endprodukt im Auge behalten. Reto und Nils sind Medizininformatiker an der Uniklinik in Heidelberg und konnten ihre Erfahrungen beim Programmieren des Servers und der Motorsteuerung perfekt einbringen. Christoph und Simon waren unsere begabten Techniker, die es geschafft haben, eine stabile Halterung für unseren Prototypen am Tank zu basteln, unter Verwendung von allem, was sie zwischen die Finger bekamen: Vom 3D-Drucker bis zum obligatorischen Duct Tape. Yannick und Connor sind Informatikstudenten an der TU Braunschweig und haben zusammen die gesamte Android App geschrieben, welche es dem Patienten ermöglicht, die Sauerstoffmenge zu erhöhen oder zu reduzieren.

TK: Wie geht es jetzt - nach der prämierten Idee weiter? Wollen Sie als Team am Thema dranbleiben?

Team oxyhack: Unbedingt! Wir sind absolut überzeugt von unserer Arbeit und würden sie unheimlich gerne in ein breit verfügbares Produkt umsetzen. Aber jetzt müssen wir erstmal alles etwas sortieren. Wir müssen klären, wer sich wirklich dauerhaft für das Projekt comitten kann, wie eine Finanzierung funktionieren könnte und was die nächsten Schritte sind.

Eins können wir aber schon sicher sagen: An guten Ideen mangelt es uns nicht. Wir denken an einfache Fernbedienungen statt Apps für weniger technikaffine Menschen und vor allem auch an eine automatische Regelung der Sauerstoffzufuhr auf Basis von SpO2-Sensoren. Unsere Vision ist, dass ein Patient irgendwann nicht mehr darüber nachdenken muss, ob er jetzt einen Sauerstoffbedarf von 2,5 l/h oder 5 l/h einstellen muss, sondern automatisch immer die passende Menge Sauerstoff bekommt.