Rezepte für Medikamente digital zu übermitteln statt gedruckte Formulare von Arzt zu Apotheke zu tragen, ist einer der zentralen Schritte in eine digitalere Gesundheitsversorgung. Ab Juli 2021 steht das eRezept zur Verfügung. Die gematik stellt die dazugehörige Datenautobahn und eine App zur Verfügung. Ab Januar 2022 sind Ärzte verpflichtet, Medikamentenverordnungen für gesetzlich Versicherte digital bereitzustellen.

TK: Herr Fink, ab dem 1. Januar 2022 soll das eRezept für alle Patienten flächendeckend in Thüringen und ganz Deutschland zur Verfügung stehen. Ganz allgemein: Was erwarten Sie für die Thüringer Apothekenkunden?

Stefan Fink: Zunächst einmal ist es wichtig, auf eines hinzuweisen: Niemand muss sich wegen der Einführung des eRezeptes Sorgen machen. Man muss nicht unbedingt ein Smartphone dafür haben. Patienten, die das möchten, können sich auch einfach beim Arzt einen Zugangscode ausdrucken lassen, der dann in der Apotheke vor Ort vorgelegt und eingelöst werden kann.

Stefan Fink

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Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbandes

Für alle, die ein Smartphone nutzen, wird es eine App geben, in der alle Apotheken in Thüringen und ganz Deutschland aufgelistet sind. Über die kann man das Rezept dann einfach an die Apotheke seiner Wahl schicken. Das kann als Vorbestellung dienen, um sich Wege zu ersparen. Nach Rücksprache, zum Beispiel im Chat, werden Apotheken auch die Dienstleistung anbieten, die Medikamente im Rahmen des Botendienstes zu liefern.

Man muss nicht unbedingt ein Smartphone haben, um das eRezept zu nutzen.
Stefan Fink, Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbandes

TK: Welche Regionen Thüringens und welche Bevölkerungsgruppen werden Ihrer Auffassung nach besonders vom elektronischen Rezept profitieren? Und wie?

Fink: Durch das eRezept wird die Versorgung insgesamt einfacher, schneller und sicherer. Diese Vorteile sind unabhängig von der Region und/oder der Patientengruppe.

TK: Trotz des Vor-Ort-Apothekenstärkungsgesetzes (VOASG) und des Verbots von kommerziellem Handel mit eRezepten im Patientendatenschutzgesetz (PDSG) gibt es Befürchtungen, dass Apotheken vor Ort mit dem eRezept geschwächt werden. Wie sehen Sie das?

Fink: Es gibt natürlich die Befürchtung, dass mehr Rezepte in den Versandhandel abwandern. Aber man muss auch sehen, dass das eRezept den Apotheken vor Ort neue Chancen eröffnet: Erstens ist das eRezept fälschungssicherer als das Papierrezept. Zweitens bietet es den Apotheken mehr Sicherheit bei der Abrechnung, weil Formfehler, die derzeit manchmal zur Einbehaltung des Apothekerhonorars durch die Krankenkasse führen, dann kaum noch vorkommen können. Drittens, und das ist entscheidend, können Apotheken vor Ort ihre Patienten in der Kombination aus eRezept, telepharmazeutischer Betreuung und Botendienst noch schneller und einfacher betreuen als bisher.

TK: Apotheken gelten als Vorreiter der Digitalisierung. Können Sie uns einen kleinen Einblick geben: Welche Vorbereitungen leisten Thüringer Apotheker derzeit? Werden zum Start der Übergangsphase am 1. Juli dieses Jahres alle Apotheken startklar sein?

Fink: Damit Apotheken eRezepte verarbeiten können, müssen sie an die Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen angebunden sein. Dazu brauchen sie einen Konnektor für die sichere Verbindung und eine Institutionenkarte, mit der sich die Apotheke elektronisch ausweist. Für bestimmte Prozesse ist außerdem der elektronische Heilberufsausweis des Apothekers notwendig. Ein Großteil der Apotheken hat diese Anbindung schon vollzogen. Andere sind gerade noch dabei, sollten aber bis zum 1. Juli so weit sein. Wichtig ist: eRezepte werden grundsätzlich in jeder Apotheke in Thüringen einlösbar sein.

Zur Person

Stefan Fink ist seit 1994 selbstständiger Apothekenleiter in Weimar. Seit 2007 ist er Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbandes. Außerdem ist Fink seit 2013 im geschäftsführenden Vorstand des Deutschen Apothekerverbandes tätig.