Aktuell ist das Thema Künstliche Intelligenz (KI) in aller Munde. Auch die Bundesregierung hat sich Mitte des Jahres in einem Eckpunktpapier geäußert und die KI als eine wichtige Säule der Digitalisierungsinitiative und zukünftiger Wertschöpfungsketten identifiziert. In vielen Geschäftsbereichen, z.B. Onlinehandel, Soziale Netzwerke oder Suchmaschinen, wird Künstliche Intelligenz bereits erfolgreich eingesetzt, in anderen Bereichen, wie autonome Fahrzeuge, Versicherungen oder Banken, arbeitet man mit Hochdruck daran intelligente Systeme einzuführen.

Die Medizin stellt bei diesem Trend keine Ausnahme dar. Und wie bei allen neuen Technologien ist die Unsicherheit der Betroffenen - in diesem Fall bei Ärzten und Patienten - hoch. Übertriebene Werbeversprechen, aber auch überzogene, auf Hollywood-Filmen basierende Vorstellungen tun das ihre dazu, Ängste und Unsicherheit zu verstärken.

Die drängendsten Fragen sind zum einen, ob wir in Zukunft von einem Roboter-Arzt behandelt werden und zum anderen, ob intelligente Systeme in der Lage sein werden, bessere Behandlungsmethoden zu entwickeln als ihre menschlichen Kollegen. Meines Erachtens kann die Antwort auf beide Fragen nur ein ganz klares Nein sein, insbesondere unter Berücksichtigung ethischer und moralischer Aspekte.

Verbesserter Zugang zu Informationen

Die Künstliche Intelligenz liefert in jüngster Zeit Verfahren und Systeme mit enormer Leistungsfähigkeit. Insbesondere ist es möglich Systeme zu entwickeln, die Aufgaben übernehmen, die bisher klar dem Menschen vorbehalten waren. Hierunter zählen das Verstehen von Text und Sprache, das Erkennen von Zusammenhängen, das Interpretieren von Bildinhalten, das Beantworten von Fragen, das Spielen komplizierter Spiele und viele mehr.

Es scheint, als wären diese Algorithmen tatsächlich intelligent und es wäre nur eine Sache der Zeit bis Computer mit dem Menschen gleichziehen oder ihn sogar übertrumpfen. Dies ist jedoch nicht der Fall und Sorgen in dieser Richtung sind unbegründet.

Auf der anderen Seite bietet uns die Künstliche Intelligenz Optionen, die wir nicht vergeuden sollten. Sie wird uns einen viel natürlicheren Zugang zu Computersystemen erlauben und damit auch einen wesentlich verbesserten Zugang zu Information und Informationsverarbeitung. Auch werden Maschinen wesentlich natürlicher operieren und können deshalb besser und nahtloser in unseren Alltag und in Arbeitsprozesse integriert werden. Viele bisher nicht automatisierbare Aufgaben werden von Maschinen unterstützt oder sogar übernommen werden können. Im selben Maße werden komplexere Aufgaben geschaffen.

Künstliche Intelligenz wird nicht den Arzt ersetzen

In der Medizin wird die Künstliche Intelligenz hauptsächlich als ein überaus vielseitiges Werkzeug eingesetzt werden, welches Forschung, Management, Ärzte und Patienten in vielen Belangen unterstützen kann. Es wird erwartet, dass die Qualität des Gesundheitswesens eine wesentliche Verbesserung erfahren wird, zum Beispiel durch eine individuell angepasste Behandlung. Auch kann die Verfügbarkeit medizinischer Versorgung in strukturschwachen Gebieten deutlich profitieren.

Die Künstliche Intelligenz wird aber nicht den Arzt des Vertrauens ersetzen oder gar eine Behandlung festlegen. Hier wird weiter der Mensch agieren (müssen), alleine schon aus dem Grund, dass eine Maschine keine Verantwortung übernehmen kann.

Gastrbeitrag von Dr. Gerd Reis (PDF, 70 kB)

Zur Person

Dr. Gerd Reis studierte Informatik und Elektrotechnik an der technischen Universität Kaiserslautern und promovierte im Bereich bildgebender Systeme zum Thema 4D kardiologischer Ultraschall. Seit 2001 ist er Mitarbeiter am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, zunächst im Forschungsbereich Intelligente Visualisierung und Simulation, aktuell als stellvertretender Direktor des Forschungsbereichs Augmented Vision. Er forscht unter anderem an intelligenten medizinischen Systemen zur Prozessüberwachung und Diagnoseunterstützung. Er ist Advisor im internationalen Parametric Human Projekt.