TK: Die Krebsgesellschaft Schleswig-Holstein möchte mit dem Projekt " Mittendrin " gemeinsam mit der TK die Isolation krebskranker Kinder verhindern und mehr Teilhabe möglich machen. Dank Ihrer Unterstützung ist der Einsatz der Stellvertreter-Avatare nun auch in Schulen möglich. Warum befürworten Sie das Projekt?

Karin Prien: In Schleswig-Holstein sind wir grundsätzlich offen für neue Technologien, die Menschen helfen. Das Projekt Avatar, fand ich von Beginn an spannend, weil es länger erkrankten Kindern hilft, Kontakt zu ihren Mitschülerinnen und Mitschülern zu halten. Als Ministerium betreiben wir die Avatare nicht, aber wir versuchen den Rahmen zu schaffen, um der Krebsgesellschaft Schleswig-Holstein diesen Testlauf zu ermöglichen.

Karin Prien

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TK: Wie werden mögliche Bedenken von Lehrern und Mitschülern ausgeräumt?

Prien: Datenschutz ist ein wichtiges Thema für uns. Nicht jeder fühlt sich wohl bei dem Gedanken, dass irgendwo in einem Krankenzimmer jemand einem quasi "über die Schulter schaut". Deshalb ist es so wichtig, dass die Teilnahme am Projekt freiwillig ist.

TK: Der Avatar kann nur von Schülern ab der siebten Klassenstufe genutzt werden. Welchen Hintergrund hat das Mindestalter der Nutzer?

Prien: Schule ist ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche besonders geschützt werden. Eltern geben die Kinder in unsere Obhut und wir sind für sie verantwortlich. Die jüngsten Schülerinnen und Schüler können manchmal selbst noch gar nicht erfassen, was so ein Gerät im Unterricht bedeutet.

TK: Betroffene Schüler können dank ihres Stellvertreters am Unterricht teilnehmen. Sehen Sie auch einen Nutzen für die Mitschüler im Klassenzimmer?

Prien: Mich beeindruckt besonders die Möglichkeit, soziale Bindung aufrecht zu erhalten. Davon haben alle Kinder etwas. Außerdem darf man nicht vergessen, dass Schule nicht nur Wissen, sondern auch Empathie und Menschlichkeit vermittelt. Die Möglichkeit, einer schwer kranken Mitschülerin oder einem Mitschüler auf diesem Wege Trost und Freundschaft zu vermitteln, kann auch für die Schülerinnen und Schüler im Klassenzimmer einen positiven Effekt haben.

Zur Person

Karin Prien, 1965 in Amsterdam geboren, studierte Rechtswissenschaften in Bonn und arbeitete viele Jahre als Rechtsanwältin im Wirtschaftsrecht, bevor sie 2011 zum ersten Mal für die CDU in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt wurde. Die Mutter von drei Söhnen war sechs Jahre Mitglied der Bürgerschaft und dort unter anderem Sprecherin für die Schulpolitik. 2017 wurde Karin Prien Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein.