TK spezial: Welche Prozesse sind im Klinikum Darmstadt bereits heute weitestgehend digital?

Clemens Maurer, Geschäftsführer des Klinikums Darmstadt Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Clemens Maurer

Maurer: Als kommunales Krankenhaus sind wir, wie so viele deutsche  Krankenhäuser, derzeit im Stadium vieler paralleler einzelner Digitalleistungen, die in unseren 21 Kliniken und Instituten abgeschlossen sind und gut laufen. Da sind zu nennen teil-digitale Patientenakten, elektronische Arztbrieferstellung, mobile Visiten, digitales Archiv, Online-Terminvergabe oder zum Beispiel die  Labor-Datenabfrage am Patientenbett. Gelebte Praxis sind auch Videokonferenzen in den wöchentlichen Tumorboards mit niedergelassenen Praxen aus dem Odenwald oder in Kooperation mit der Radiologie eines Kreiskrankenhauses. Spezialsoftware ermöglicht da auch in ersten Projekten die sektorenübergreifende verschlüsselte Datenübertragung. Weitere digitale Lösungen helfen Patienten bei Erkrankungen, die zeitkritisch sind: z.B. Schlaganfallnetzwerk Rhein-Main. Auch unsere Krankenhaus-Apotheke ist digital - sie verfügt über eine automatische Medikamentierung entsprechend Rezepteingabe. Und eine 3-D-Visualisierung des Klinikgeländes hilft Bürgern, Patienten und Angehörigen während der Bauzeit den richtigen Eingang ins Klinikum oder zur Ärztlichen Bereitschaftsdienstzentrale zu finden.

Prof. Steffen Gramminger, Geschäftsführer des Klinikums Darmstadt Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Prof. Steffen Gramminger

Gramminger: Die Vorteile dieser Digitalisierungen liegen auf der Hand. Allein für die 40.000 Patientinnen und Patienten, die sich pro Jahr im Klinikum Darmstadt stationär behandeln lassen,  fallen im Durchschnitt je 75 Einzeldokumente an, von denen viele 30 Jahre revisionssicher aufbewahrt werden müssen - da lässt es sich leicht vorstellen, wie viele Regalmeter allein durch dieses Teilprojekt Digitalisierung weggefallen sind. Zum anderen können so die verschiedenen Fachabteilungen, die in einem Krankenhaus zusammen am Patienten arbeiten, alle zeitgleich und gemeinsam auf diese Dokumente zugreifen und haben so auch immer die Einsicht auf vergangene Behandlungsfälle. Ein weiterer Vorteil liegt in der besseren, umfangreicheren und schnelleren Möglichkeit der Auswertung von Leistungs- und Abrechnungszahlen für den Bereich des medizinischen Controllings zur Abrechnung mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen.

Der entscheidende nächste Schritt aber fehlt noch. Damit jeder Mediziner zu jeder Tages- und Nachtzeit auf alle Anamnesen, Befunde, Arztbriefe, OP-Berichte, Bilder und Laborwerte zugreifen kann, müssen alle Systeme ineinandergreifen. Dazu ist zweierlei vonnöten: Ein Ausbau der Digitalisierung, des Datenschutzes und der Datensicherheit. Beides nimmt im Klinikum Darmstadt einen sehr hohen Stellenwert ein. Die Aufgabe ist: Wir müssen in den technischen Ausbau investieren und zugleich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befähigen und auf dem Weg dahin mitnehmen.

Zur Person

Prof. Steffen Gramminger war von 2014 bis 2018 Ärztlicher Geschäftsführer der Klinikum Darmstadt GmbH.  2018 wechselte er als Studiengangsleiter und Professor komplett an die MSH Medical School Hamburg,  wo er bereits zuvor - parallel zu seiner Arbeit in Darmstadt - als Professor für Medical Controlling and Management tätig war. Zum Zeitpunkt des Interviews war Gramminger noch Geschäftsführer des Klinikums Darmstadt.

TK spezial: Wo sehen Sie die größten Chancen für Ihr Haus durch den Gewinn des Wettbewerbs "Digitale Stadt"?

Maurer:  Ganz klar erhoffen wir uns einen Schub für alle Digitalisierungsprojekte, die derzeit laufen und die wir für unser Haus sinnvoll halten. Diesen Schub wollen wir für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für unsere Patienten und für die Darmstädter insgesamt nutzen. Die IT-Sicherheit steht dabei immer im Vordergrund. Wir wollen eine IT-Sicherheit auf allerhöchstem Niveau und die lückenlose Verfügbarkeit aller Daten - ohne Medienbruch.

Gramminger: So erreichen wir nicht nur unser Ziel des papierlosen Krankenhauses, sondern auch die IT-Öffnung nach draußen. Das gelingt aber nur, wenn die Datensicherheit gewährleistet werden kann und wenn der Gesetzgeber die sektorenübergreifende digitale Vernetzung rechtssicher zulässt.

Zur Person

Clemens Maurer ist seit 2013 Kaufmännischer Geschäftsführer der Klinikum Darmstadt GmbH. Zudem ist er Vorstandsmitglied der Hessischen Krankenhausgesellschaft  und stellvertretender Vorsitzender des Klinikverbunds Hessen.

TK spezial: Was wird sich in der gesundheitlichen Versorgung der Darmstädter Patienten durch die Digitalisierung künftig verändern?

Gramminger: Die Vision ist, dass die Digitalstadt Darmstadt - und wir als Teil davon - ihren Bürgern dabei hilft, gesund zu bleiben und zu werden. Wir wollen mithelfen, dass jeder Patient, der dies möchte, mit seinem Smartphone auf seine Gesundheitsdaten jederzeit zugreifen und diese auch weitergeben kann - etwa für die Einholung einer Zweitmeinung durch einen Facharzt.

Denn die Bereitstellung von Gesundheitsdaten auf einer Cloud kann die Patientensicherheit jedes einzelnen enorm erhöhen. Denken Sie an wichtige Notfalldaten wie Allergien. Aber auch eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmachten oder ein Organspendeausweis können dort hinterlegt sein. Verfügbare Bilddaten vermeiden unnötige Doppeluntersuchungen; Medikamentenlisten verhindern gefährliche Unverträglichkeiten. Diese schöne neue Welt macht also vieles einfacher, nachhaltiger und sicherer, wenn der Rahmen stimmt.

Maurer: Vom Online-Check-in ins Klinikum bis zum digitalen Medikamentenlieferservice sind viele niederschwellige und barrierefreie Zugänge möglich und  machbar. Unsere Ziele sind, mehr Service, schnellere Abläufe und maximale Sicherheit. Und das für alle: für die Patienten und unsere  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.