TK: Als Forschungsdirektor des Zentrums für Sozialforschung e. V. (ZSH) an der Martin-Luther-Universität haben Sie in Personalunion die Gesamtprojektleitung des Kompetenzzentrums Soziale Innovation Sachsen-Anhalt inne. Was sind die Kernaufgaben des Zentrums? 

Prof. Everhard Holtmann: Das KomZ beruht auf der Grundidee, die - häufig getrennt verlaufenden - Entwicklungsstränge der technischen und sozialen Innovationen zusammenzuführen. Dabei sind vier Themenfelder, nämlich Arbeit, Alter, Gesundheit und sozialer Zusammenhalt, Gegenstand unserer Arbeit. Uns geht es darum, Anstöße dafür zu geben, im Zusammenwirken von Technologie und deren gesellschaftlicher Bewältigung innovative Verbundlösungen zu entwickeln. Ein konkretes Beispiel hierfür ist das technische Assistenzsystem AWELA, das wir gemeinsam mit ambulanter Geriatrie, Kassenärztlicher Vereinigung und dem Fraunhofer-Institut voranbringen. 

Prof. Ever­hard Holt­mann

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TK: Der Nachwuchspreis "SOZIAL PHÄNOMENAL" für hervorragende wissenschaftliche Abschlussarbeiten auf dem Gebiet Arbeit und soziale Innovation wurde erstmals im vergangenen Jahr ausgeschrieben und damit jetzt zum zweiten Mal vergeben. Wie kam es dazu und wer genau konnte sich bewerben?

Prof. Holtmann: Das KomZ widmet sich bewusst auch der Nachwuchsförderung. Denn hier wachsen die Ideen für die Innovation von morgen. Das Erschließen dieser Ressourcen ist für unser Land wichtig. Bewerben bzw. vorgeschlagen werden können sich Absolventen von Bachelor- und Master-Studiengängen aller Hochschulen mit ihren Abschlussarbeiten. 

Zur Person

Prof. Everhard Holtmann ist Politikwissenschaftler und hatte von 1992 bis 2012 die Professur für Systemanalyse und Vergleichende Politik am Institut für Politikwissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg inne. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen unter anderem in der Transformationsforschung, der Parteienforschung und der lokalen Politikforschung. Seit 2012 leitet er als Forschungsdirektor das Zentrum für Sozialforschung e. V. (ZSH) an der Martin-Luther-Universität. In Personalunion nimmt er seit 2017 die Gesamtprojektleitung des Kompetenzzentrums Soziale Innovation Sachsen-Anhalt wahr. Wichtig ist ihm, seine Forschungsergebnisse, beziehungsweise die des von ihm geleiteten Zentrums in den gesellschaftlichen Bereich zu übersetzen. Damit verbindet er die Hoffnung, dass von einem solchen Wissenstransfer möglichst viele Menschen einen Nutzen haben.

TK: In diesem Jahr war die Ehrung für die beste Abschlussarbeit in drei verschiedenen Kategorien ausgeschrieben. Nach welchen Kriterien erfolgte deren Auswahl und wie beurteilen Sie insgesamt das Niveau der eingereichten Arbeiten?

Prof. Holtmann: Die Auswahl erfolgt auf der Basis mit eingereichter Fachgutachten sowie eines Kriterienkatalogs, in welchen Bewertungen unter anderem zum innovativen Ansatz sowie zur Qualität der forschungspraktischen Durchführung und verständlichen Formulierung eingehen. Das wissenschaftliche Niveau der eingereichten Arbeiten ist durchwegs beachtlich. Entsprechend den erreichten  Punkte-Zahlen werden die Preise von der Jury, die sich aus Vertrer_innen des KomZ und der Sponsoren zusammensetzt, vergeben.

TK: Gibt es seitens des Kompetenzzentrums aktuell konkrete Forschungsprojekte, die das Gesundheitswesen in Sachsen-Anhalt betreffen?

Prof. Holtmann: Das KomZ hat auftragsgemäß insgesamt vier Pilotprojekte an externe Anbieter vergeben. Zwei davon sind im Bereich des Gesundheitswesens angesiedelt. Beide bearbeiten das Thema Pflege im Quartier. Einmal geht es um die Bildung von Gesundheits- und Pflegebündnissen, im anderen Projekt um die Entwicklung eines Handlungsleitfadens. Für den ersteren "Piloten" zeichnet das Pflegenetzwerk Stendal, für den zweiten ein Projektteam der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg verantwortlich.

Kompetenzzentrum Soziale Innovation Sachsen-Anhalt 

Tamer Stock im Interview , Student an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und Gewinner des Nachwuchspreises "SOZIAL PHÄNOMENAL SACHSEN-ANHALT“