TK: Sie haben mit #DIGITALGEGENCORONA einen Wettbewerb für "originelle und wertvolle digitale Anwendungen" im Land gestartet. Haben sich Ihre Erwartungen an den Ideenreichtum der Sachsen-Anhalter erfüllt und wie zahlreich wurden Beiträge eingereicht? 

Thomas Wünsch

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Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt

Thomas Wünsch: Unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Die Corona-Pandemie hat - bei allen negativen Auswirkungen - nicht nur die Solidarität im Land gestärkt, sondern auch den Digitalisierungs-Geist. Insgesamt wurden 70 Bewerbungen eingereicht. Sie zeigen, wie kreativ die Menschen in Sachsen-Anhalt auf die teils riesigen Einschränkungen des öffentlichen Lebens reagiert haben. Dazu gehört unter anderem ein Krankenhaus, das Patientinnen und Patienten wegen des Besuchsverbots Videoanrufe ermöglicht hat, oder eine Lehrfilm-Datenbank für benachteiligte Jugendliche in Quarantäne.

Diese und andere Projekte wurden während der Pandemie umgesetzt und haben teilweise schon jetzt enormen Erfolg. Sie werfen ein spannendes Schlaglicht auf den steigenden Stellenwert und die großen Chancen des digitalen Wandels. Mit Blick auf die vielen wertvollen Bewerbungen lässt sich festhalten: Der Wettbewerb hat sich gelohnt. Das gilt umso mehr, als viele Projekte davon geprägt sind, den sozialen Zusammenhalt in der Bevölkerung zu stärken.

TK: In einer Kategorie spielte auch das Thema Gesundheit eine Rolle. Wie stark vertreten war dieser Bereich im Vergleich zu den übrigen Gebieten? 

Wünsch: Die insgesamt 70 Bewerbungen verteilen sich annähernd gleichmäßig auf unsere vier Kategorien. Auch der Bereich "Soziales, Gesundheit und Sport" war sehr gut vertreten - mit zwölf direkt dort verorteten Projekten sowie vier Vorhaben, die Schnittstellen zur Gesundheit haben. Die meisten Bewerbungen kamen aus dem Bereich "Kunst, Kultur und Freizeit". Hier konnte die Jury aus 22 Bewerbungen die drei Siegerprojekte auswählen. Insgesamt ist unser Preis übrigens mit 21.000 Euro dotiert. Herausragendes digitales Engagement "made in Sachsen-Anhalt“ lohnt sich also gleich mehrfach.

TK: Worin genau sehen Sie das Potenzial digitaler Projekte gerade in einem Flächenland wie Sachsen-Anhalt? Können die eingereichten digitalen Ideen unser Bundesland nachhaltig digital nach vorn bringen?

Wünsch: Auch in Sachsen-Anhalt hat sich das Leben durch Corona verstärkt in den virtuellen Raum verlagert. Die Pandemie bietet daher auch die Chance, einen großen Schritt in die digitale Zukunft zu machen. Sicher werden nicht alle Projekte in der Nach-Corona-Zeit noch genauso gefragt sein. Ein digitaler Marathon ersetzt eben kein echtes Lauf-Erlebnis und Künstler wollen nicht dauerhaft ohne Publikum online im Wohnzimmer auftreten.

Aber ein Video-Konferenz-System im Krankenhaus kann auch nach der Pandemie sehr nützlich sein, indem es etwa virtuelle Besuche von Angehörigen ermöglicht, die eben nicht vor Ort sein können. Unabhängig von diesen einzelnen Projekten profitieren wir aber auch als Gesellschaft insgesamt. So sind Berührungsängste gewichen und unsere digitale Kompetenz hat durch die Bewältigung der Corona-Auswirkungen einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht.

Zur Person

Thomas Wünsch wurde 1969 in Schönebeck (Elbe) geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Halle (Saale) begann Wünsch seine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter und war ab 2004 Leiter des Prüfungsamtes der Juristischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Von 2008 bis 2016 war Wünsch im Justizministerium des Landes Sachsen-Anhalt tätig, zuletzt ab 2012 als Staatssekretär. Seit dem 27. April 2016 ist er Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt. Wünsch ist verheiratet und hat zwei Töchter.