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TK: Im BarCamp Health-IT haben über 100 Vertreter aus der Gesundheitsbranche, IT-Unternehmen und Wissenschaft Fragen rund um das Thema Virtual Reality und immersive Medien diskutiert. Was wünschen Sie sich für die innovativen Player in der Gesundheitsregion?

Dr. Kai Bindseil: Die Wünsche der Teilnehmer sind natürlich so unterschiedlich wie Ihre Aufgaben in Konzernen, Startups, Krankenkassen und Hochschulen. Einig waren sich aber alle darin, endlich medizinische Daten zu nutzen, um Zusammenhänge aufzuzeigen und Krankheiten und Risiken in Zukunft besser zu erkennen, damit Prävention und Behandlungen frühzeitiger eingeleitet und besser durchgeführt werden können. Entscheidend ist, was mit den Gesundheitsdaten der Bürger geschieht. Alle Akteure sind sich ihrer Verantwortung bewusst und sehen den Patienten im Zentrum der weiteren Entwicklung. Nur er allein entscheidet über seine Daten und deren Verwendung.

Dr. Kai Bindseil ist Prokurist und Abteilungsleiter für Gesundheitswirtschaft/Industrie/Infrastruktur in der Berlin Partner GmbH und seit 2010 Clustermanager Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg (HealthCapital). Dr. Bindseil studierte in Göttingen Chemie und promovierte dort 1993. Nach einem Postdoktorat bei der Ciba-Geigy AG in Basel trat er 1994 in die AnalytiCon AG, Berlin, ein und wurde dort 1997 Bereichsleiter Drug Discovery & Development. Im Jahr 2000 gründete er die AnalytiCon Discovery GmbH in Potsdam und wurde Geschäftsführer mit Verantwortung für Marketing, Business- und Drug-Development. Er leitete von 2001 bis 2013 das Aktionszentrum BioTOP Berlin-Brandenburg und war von 2006 bis 2011 Sprecher des Arbeitskreises deutscher Bioregionen.

TK: Wo sehen Sie die größten Potenziale der Digitalisierung für die Gesundheitswirtschaft?

Dr. Kai Bindseil: Der Trend zu mobilen Anwendungen für Gesunde, wie Apps zur Stärkung der Gesundheitskompetenz sowie für Kontrolle und Monitoring, hält weiter an. Stark zunehmen werden Systemanwendungen innerhalb des Gesundheitssystems zur Erhöhung von Effektivität und Effizienz zum Beispiel bei Dokumentation und Versorgung sowie für die direkte und indirekte Behandlung Erkrankter. Noch ganz am Anfang stehen wir bei Big Data und künstlicher Intelligenz: Anwendungen, die künftig zu ganz neuen Diagnose- und Therapieoptionen führen werden.

TK: Wie gut ist die Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg aufgestellt - wo liegen die Herausforderungen?

Dr. Kai Bindseil: In Deutschland ist die Hauptstadtregion besser aufgestellt als alle Wettbewerber. Nur in Berlin kommen wissenschaftliche Exzellenz in Informatik und Medizin aber auch alle Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Leistungserbringer und Kostenträger, die europaweit stärkste Startup Community und Risikokapital zusammen. Damit wir aus diesem Potenzial etwas machen, brauchen wir dringend ein deutlich innovationsfreundlicheres rechtliches Umfeld, in dem Datensicherheit nicht im Widerspruch zu einem zügigen Weg digitaler Innovationen in die Regelversorgung stehen. Wir müssen uns jetzt entscheiden: Nutzen wir den Datenschatz selbst für Forschung und Entwicklung und dabei die strengen europäischen Datenschutzbestimmungen - oder fließt der digitale Rohstoff in andere Weltregionen ab?

TK: In vielen Branchen der Gesundheitswirtschaft fehlen die Fachkräfte. Wie beurteilen Sie das Problem und was sind mögliche Lösungsansätze?

Dr. Kai Bindseil: Berlin als attraktive, weltoffene Metropole zieht Fachkräfte aus aller Welt an. Insofern geht es uns besser als anderen. Dennoch sind fehlende Fachkräfte in der Tat das Hauptproblem bei der Sicherstellung erstklassiger Versorgung, aber auch bei der Entwicklung neuer Innovationen. Wir brauchen verschiedenste Lösungen: technische und digitale Assistenzsysteme, bessere Bezahlung und moderne Arbeitszeitlösungen für Pflegeberufe, bessere Ausbildung, lebenslanges Lernen für Berufstätige und letztlich Zuzug von Fachkräften aus dem Ausland.