Frankfurt am Main, 17. September 2018. Jede zehnte Frau und jeder 20. Mann in Hessen leidet häufig oder dauerhaft unter Kopfschmerzen oder Migräne. Für die Betroffenen gibt es mittlerweile auch erfolgversprechende digitale Hilfsmittel, wie die Migräne-App der Techniker Krankenkasse (TK).

Patienten, die sie nutzen, haben im Durchschnitt ein Viertel weniger Kopfschmerztage und müssen dadurch weniger Akutmedikamente einnehmen. Es fällt ihnen mit Hilfe der App leichter, einen vom Arzt erstellten Behandlungsplan und die Kopfschmerztherapie einzuhalten. Sie haben im Schnitt etwa zehn statt 13,3 Kopfschmerztage im Monat. Das zeigt eine Befragung von fast 1.500 Nutzern der Migräne-App. Kopfschmerz- und Migränepatienten können sich mit Hilfe der App mit rund 30 Schmerztherapeuten unterschiedlicher Fachrichtungen aus Hessen vernetzen, die auf die fachübergreifende Versorgung von Patienten mit schweren chronischen Kopfschmerzen spezialisiert sind.

Potential digitaler Versorgungsangebote

Die Befragungsergebnisse zeigen aus Sicht der TK das hohe Potential digitaler Versorgungsangebote. "Migräne ist eine besonders heftige Form des Kopfschmerzes, die die Betroffenen einem hohen Leidensdruck aussetzt und im beruflichen und privaten Alltag stark einschränkt. Dass sich durch die digitale Verlaufs- und Erfolgskontrolle Kopfschmerztage reduzieren lassen, bedeutet für sie eine enorme Erleichterung", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen. Die App ermöglicht den Nutzern, eine aktive Rolle bei der Vorbeugung und Behandlung ihrer Beschwerden zu übernehmen. "Viele unserer Patienten senden uns die Daten aus ihrem digitalen Kopfschmerztagebuch im Vorfeld ihres Termins zu. Aus den Einträgen können wir ablesen, wie sich die Beschwerden entwickeln, wie erfolgreich die Therapie ist und ob die Behandlung ggf. noch nachhaltiger gestaltet werden muss", sagt Dr. Susanne Urban, Schmerztherapeutin im Schmerzzentrum Frankfurt. Sie ist eine Schmerzexpertin des bundesweiten Kopfschmerz-Netzwerks, das die TK gemeinsam mit der Schmerzklinik Kiel aufgebaut hat.

Ganzheitlicher Behandlungsansatz

Die Frankfurter Ärztin empfiehlt allen Migräne-Patienten, die App zu nutzen, und weist insbesondere auf die in der App enthaltene sogenannte Triptanschwelle hin. "Ein Fragenkatalog hilft bei der Entscheidung, ab wann es sinnvoll ist, anstatt eines herkömmlichen Schmerzmittels ein Triptan-haltiges Medikament einzunehmen und trägt dazu bei, die Medikamenteneinnahme zu reduzieren. Auch die progressive Muskelentspannung, die über die App genutzt werden kann, führt bei vielen Patienten zu einer Verbesserung der chronischen Kopfschmerzen", so die Ärztin. Die Migräne-App unterstützt Patienten auch, ihren Krankheitsverlauf zu kontrollieren. Wird beispielsweise die erlaubte Akutmedikation von maximal neun Tagen im Monat überschritten, sendet sie einen Warnhinweis.

Die am bundesweiten Kopfschmerz-Netzwerk beteiligten Ärztinnen und Ärzte verfolgen im Rahmen eines besonderen Versorgungsangebots der TK einen ganzheitlichen Behandlungsansatz. Dazu gehören medikamentöse und nichtmedikamentöse Strategien wie etwa einzel- und gruppentherapeutische verhaltensmedizinische Ansätze. Patienten, die am Versorgungsangebot teilnehmen, bekommen eine etwa ein Jahr dauernde Langzeittherapie, bei der Spezialisten der Schmerzklinik mit den weiteren behandelnden Ärzten eng zusammenarbeiten. In einem nächsten Schritt soll die Migräne-App mit der elektronischen Gesundheitsakte "TK Safe" verknüpft werden.

Studie zur Migräne-App

Für die aktuelle Studie wurden 1.464 aktive Nutzer der Migräne-App der TK online befragt. Die Befragten nutzen die App durchschnittlich seit rund 13 Monaten, sind im Schnitt rund 47 Jahre alt und leiden seit durchschnittlich 27 Jahren an Kopfschmerzen. Die Migräne-App wurde von Schmerzexperten der Schmerzklinik Kiel gemeinsam mit Wissenschaftlern und Versorgungsexperten der TK sowie Selbsthilfegruppen entwickelt. Die Anwendung ist kostenlos zur Installation für iOS und Android verfügbar und wurde bereits rund 136.000 Mal heruntergeladen (Stand Juli 2018).