Das Projekt zum eRezept der TK ist so überzeugend, dass große Softwaredienstleister und andere Ersatzkassen einsteigen. Täglich melden sich Apotheken, die mit dabei sein möchten.

TK: Herr Vogt, warum macht die TK überhaupt ein eigenes Projekt zum eRezept. Ab dem kommenden Jahr muss es doch per Gesetz flächendeckend angeboten werden?

Andreas Vogt: Wir sind schon Anfang 2019 mit dem Projekt eRezept gestartet, damals regional auf Hamburg begrenzt. Wir wollten damit zeigen, welche Vorteile die elektronische Verordnung für Patienten, Ärzte und Apotheker hat und auch die technische Umsetzbarkeit unter Beweis stellen. Wir waren von Anfang an überzeugt, dass das eRezept ein fester Bestandteil der Versorgung werden wird.

Andreas Vogt

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Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Anderthalb Jahre später sind nun die Softwaredienstleister medatixx und Medisoftware mit im Boot. Außerdem sind die Ersatzkassen BARMER, DAK-Gesundheit, Hanseatische Krankenkasse (HEK) und die Innungskrankenkasse BIG direkt gesund dem Projekt der TK beigetreten. Durch den Beitritt der vier Kassen können nun insgesamt etwa 26 Millionen Versicherte - darunter rund drei Millionen aus Baden-Württemberg - von den Vorteilen der elektronischen Verordnung profitieren.

Wir sind der festen Überzeugung, dass die gematik bei der Einführung des bundesweiten eRezeptes ab 2021 aus unseren Erfahrungen lernen kann und stehen da auch im Austausch. Denn ab 2022 soll das eRezept ja bereits Standard sein.

TK: Wie erhalten Patientinnen und Patienten ein eRezept und wie können sie es einlösen?

Vogt: Um ein elektronisches Rezept einzulösen, zeigen Versicherte einen QR-Code auf dem Smartphone vor, den sie über die Arztpraxis erhalten haben. In der Apotheke wird der Code gescannt, dann kann das Medikament ausgegeben werden.

Der Übertragungsweg ist Ende-zu-Ende verschlüsselt und die Rezeptdaten liegen dezentral in der Arztpraxis, bis sie in der Apotheke abgerufen werden. Ein großer Vorteil für die Patienten besteht darin, dass sie ihre Folgerezepte - etwa für Insulin - direkt von der Praxis direkt auf ihr Smartphone geschickt bekommen und dann entscheiden können, wo sie die Verschreibung einlösen.

TK: Wie ist die Bereitschaft von Ärzten und Apothekern, sich an dem Projekt zu beteiligen?

Vogt: Wir haben bisher sehr positive Rückmeldungen zur elektronischen Verordnung bekommen, ob von Versicherten, Ärzten oder Apothekern. Durch Kooperationen mit den Softwaredienstleistern medatixx und Medisoftware können künftig bundesweit rund 40.000 niedergelassene Ärzte elektronische Verordnungen ausstellen.

Damit die eRezepte eingelöst werden können, hat die TK eine gemeinsame Schnittstelle mit den Apothekendienstleistern Noventi, NARZ/AVN, ARZ Haan, DRZ sowie Pharmatechnik geschaffen, durch die derzeit bundesweit mehr als 1.000 Apotheken technisch angebunden werden. 

Zudem sind dem Versorgungsnetz mit DocMorris und der Nordbahnhof-Apotheke Stuttgart auch die ersten beiden Versandhändler beigetreten. Täglich melden sich Apotheken bei uns, die ebenfalls mit dabei sein möchten.

TK: Wie schätzen Sie die Bereitschaft der Versicherten ein, sich auf das eRezept einzulassen? Ist das vielen nicht zu unsicher?

Vogt: Ein großer Vorteil des eRezepts ist gerade die hohe Arzneimittelsicherheit. Denn die digitalen Rezepte sind eindeutig zuzuordnen, klar lesbar und können nur einmal eingelöst werden. 

Die meisten Menschen in Baden-Württemberg stehen dem eRezept aufgeschlossen gegenüber. In einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der TK vom Mai 2020 haben mit 62 Prozent fast zwei Drittel der Befragten in Baden-Württemberg angegeben, dass sie das eRezept bestimmt oder wahrscheinlich nutzen würden. Das entspricht genau dem bundesweiten Ergebnis.

Die Zahlen zeigen eindrucksvoll, dass die Menschen längst für solche digitalen Lösungen im Gesundheitswesen bereit sind. Wir müssen sie nun umsetzen. Es ist absurd, dass wir elektronische Daten derzeit auf Papier drucken, um sie anschließend wieder per Scanner zu digitalisieren.

TK: Baden-Württemberg ist mit dem Projekt GERDA (geschützter eRezept-Dienst der Apotheken) vor zwei Jahren an den Start gegangen. Baut das TK-Projekt darauf auf?  

Vogt: Wir haben als TK das Projekt GERDA unterstützt. GERDA ist allerdings an das Telemedizin-Projekt docdirekt der KV Baden-Württemberg angebunden, das derzeit neu organisiert wird. Erkenntnisse aus GERDA sind in das TK-Projekt eingeflossen, doch eine Verknüpfung besteht nicht.