Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist im zu Ende gehenden Jahr weiter vorangeschritten. Die Gesundheitspolitik war unter anderem geprägt von den Bestrebungen des BMG, den Wettbewerb der Krankenkassen fairer zu gestalten und den daraus resultierenden Versuchen - gerade aus Baden-Württemberg - dies zu verhindern.

TK: Herr Vogt, vor dem Ausblick auf 2020 der Blick zurück: Was waren aus Ihrer Sicht die "Highlights" des vergangenen Jahres?   

Andreas Vogt: Insgesamt sind wir in Sachen Digitalisierung deutlich vorangekommen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und sein baden-württembergischer Kollege Manne Lucha haben mit vielen Initiativen und Gesetzen dafür gesorgt, dass endlich konkrete Schritte für mehr digitale Durchdringung im Gesundheitswesen unternommen wurden. Als Beispiel sei hier nur die gesetzliche Verpflichtung der Kassen zur Bereitstellung einer elektronischen Patientenakte (ePA) oder die Einführung des e-Rezepts "GERDA" in Baden-Württemberg genannt.   

Andreas Vogt

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Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Ein weiterer Schwerpunkt lag in den Bemühungen um einen fairen Wettbewerb zwischen den gesetzlichen Krankenkassen. Vielfach wurde und wird der Untergang von regionalen Versorgungsangeboten an die Wand gemalt, wenn gleiche Spielregeln für alle Kassen gelten. Mit unserer Kampagne #regionalstark sind wir dem entgegengetreten und haben immer wieder auf die vielen Initiativen der TK in den einzelnen Regionen hingewiesen. Dieses Thema wird uns sicher auch noch im kommenden Jahr beschäftigen.  

Für uns als TK in Baden-Württemberg und auch für mich persönlich war sicher die Veranstaltung "Bessere Medizin? Wie wir KI verantwortlich gestalten", die wir gemeinsam mit der Evangelischen Akademie Bad Boll durchgeführt haben, ein Höhepunkt. Die Anwesenheit des Ministerpräsidenten ist ein Ausdruck dafür, dass von politischer Seite die Digitalisierung und Modernisierung des Gesundheitswesens weit oben auf der Tagesordnung steht.

TK: Wie sehen Ihre Erwartungen für 2020 aus?

Vogt: Nach der Flut von neuen Gesetzen, die im Jahr 2019 auf den Weg gebracht wurden, geht es nun an die Umsetzung. 

Das wird spannend, beispielsweise bei der Ausgliederung des Pflegebudgets im Krankenhaus. Das kommt einerseits der Pflege am Bett zugute, die nun voll bezahlt wird ohne dass dieses Geld für andere Maßnahmen "zweckentfremdet" werden kann. Andererseits besteht dadurch die Gefahr, dass der Drang von Kliniken, Arbeitsabläufe in der Pflege zu modernisieren und zu digitalisieren, deutlich gebremst werden könnte. Das werden wir genau beobachten und nach Möglichkeit gegensteuern.   

Das gilt auch für die Umsetzung der Pflegepersonaluntergrenzen und des Sofortprogramms in der Altenpflege. Und noch eine Vorgabe muss mit Leben erfüllt werden: das Digitale-Versorgung-Gesetz. Ich bin gespannt, welche Apps den Weg in die GKV-finanzierte Versorgung finden.

TK: Wie sieht es mit landesspezifischen Aktivitäten aus?

Vogt: Auch bei einigen Maßnahmen auf Landesebene, die im Jahr 2019 aufs Gleis gesetzt wurden, sollten im neuen Jahr die Früchte erkennbar sein. 

Ein neuer Landeskrankenhausplan soll verabschiedet werden. Darin sollte der Behandlungsbedarf der Menschen im Mittelpunkt stehen und nicht mehr die Zahl der Betten.

Spannend ist für mich auch die Frage, wie sich das "Forum Gesundheitsstandort" entwickeln wird. Das Potenzial der beteiligten Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Versorgung ist riesig, wie eine Veranstaltung im Oktober 2019 gezeigt hat. Doch am Schluss kommt es darauf an, daraus konkrete Angebote zu generieren, die die Versorgung der Patientinnen und Patienten verbessern oder zumindest effektiver machen.