TK: Was verbirgt sich hinter dem Projekt "Rettungskette 5G"?

Matthias Wagner: Beim Projekt "Rettungskette 5G" handelt es sich um ein Konzept zur Ausgestaltung der Notfallrettung der Zukunft. Mit Hilfe der Möglichkeiten zur schnellen Datenübertragung mittels 5G-Technologie wollen wir alle Akteure der Lebensrettung miteinander vernetzen. Wichtiges Alleinstellungsmerkmal unseres Konzepts: Wir betrachten die gesamte Rettungskette. Alle Protagonisten - vom Ersthelfer bis zur Notfallaufnahme in den Krankenhäusern - sind direkt miteinander verbunden.

Matthias Wagner

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Kreisgeschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Aalen

Um den Informationsfluss unter den Beteiligten sicherzustellen, ist eine performante, mobile Datenübertragung notwendig. 5G bietet uns hierbei künftig die Plattform für eine sichere und sehr schnelle Datenübertragung. Das Herzstück der Steuerung ist die integrierte Leitstelle. Mit unserem Konzept kombinieren wir zudem auf dem Markt verfügbare telemedizinische Dienstleistungen mit neuen innovativen Technologien, wie Smartphone-Apps, Augmented Reality, Cloud Computing, Künstliche Intelligenz mit Mobile Robotics sowie autonomen Rettungsdrohnen.

Schnelle, lebensrettende Hilfe kann so innerhalb von Minuten organisiert und zielgerichtet gesteuert werden. Das beigefügte Bild stellt die Komplexität der gesamten Rettungskette in Deutschland dar. Mit unserem Projekt wollen wir die im medizinischen Bereich knappen Ressourcen noch effizienter einsetzen - und gleichzeitig die medizinische Versorgung hilfsbedürftiger Menschen weiter optimieren. 

Rettungs­kette 5G

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Projekt des DRK-Kreisverbands Aalen

TK: Sie erhalten Fördermittel vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Was machen Sie mit dem Geld?

Wagner: In der ersten Stufe haben wir mit den genannten Fördermitteln ein Konzept erstellt, das zeigt, welche Vorteile die Rettungskette 5G in der präklinischen Hilfeleistung hat. Das Zusammenwirken von Wissenschaft, Forschung und Praxis wurde in dieser Arbeit verdeutlicht. Sowohl aus der Industrie, aus dem Gesundheits- und Rettungswesen aber auch der Forschung haben wir interessierte Gruppen erreichen können, die an einer nachhaltigen Weiterentwicklung der dargestellten Szenarien interessiert sind. Es besteht die Hoffnung, dass nach der  Entwicklung der "Konzeptidee" nun auch die Umsetzung des Projekts durch das BMVI gefördert wird.

TK: Was erhoffen Sie sich von der assoziierten Mitgliedschaft der TK? 

Wagner: Zunächst sind im Gesundheitswesen die Krankenkassen ein sehr wichtiger Partner für uns als Leistungserbringer. Ohne die gute Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringer und Leistungsträger wäre das Gesundheitswesen in Baden-Württemberg nicht so gut. Aber Innovationen brauchen Mut. Und zusammen mit der Techniker Krankenkassen Baden-Württemberg haben wir einen mutigen Partner gefunden, der die Idee zum Wohle der Patienten unterstützt. Allein der Name Techniker Krankenkasse ist in diesem Fall - Programm.

TK: Wie ist der aktuelle Stand der Digitalisierung des Rettungswesens in Baden-Württemberg generell?

Wagner: Aus meiner Sicht sind wir in den letzten Jahren sehr gut vorangekommen. Heute werden sämtliche Fahrzeuge der Notfallrettung über GPS von den Leitstellen disponiert und gesteuert. Somit ist gewährleistet, dass immer das nächstgelegene Fahrzeug zum Einsatzort alarmiert wird. Das spart wertvolle und lebensrettende Zeit. Auch die Dokumentation der Einsätze erfolgt heute digital. Wichtige Vitaldaten stehen somit den Krankenhäuser frühzeitig zur Verfügung. Mit Hilfe einer Smartphone-App sind wir in der Lage, qualifizierte Ersthelfer zielgerichtet zu alarmieren und damit wiederum sehr schnell an den Einsatzort zu lenken. 

TK: Andere Bundesländer sind schon weiter. Wo sehen Sie hier die größten Hindernisse?

Wagner: In einer föderalen Struktur ist das Ringen um die beste Lösung häufig zeitaufwendig. Die technisch machbaren Konzepte unterliegen einem teilweise langen Evaluationsprozess. Hier wünsche ich mehr Mut zu einer schnellen und flächendeckenden Entscheidung. Sowohl die Kostenträger wie auch die Leistungserbringer müssen künftig enger zusammenarbeiten. Ansätze und Möglichkeiten haben wir in unserem Projekt dargestellt, nun müssen sich alle Beteiligten mit finanziellen und organisatorischen Mitteln einbringen, um die innovativen, technischen Instrumente zum Wohl der Patienten in den nächsten Jahren zu finanzieren und einzusetzen. Wir haben hierfür das notwendige Konzept erstellt.

Zur Person

Matthias Wagner ist seit April 2014 Kreisgeschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Aalen. Der 54-jährige Diplom-Betriebswirt hat zuvor über zehn Jahre den kaufmännischen Bereich beim DRK in Aalen verantwortet.

Hintergrund

Im Dezember 2019 erhielt der Ostalbkreis einen Förderbescheid des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) über 100.000 Euro zur Erstellung eines Konzepts im Rahmen des 5G Innovationswettbewerbs. Ende August hat der Landkreis sein fertiges Konzept unter dem Titel "Rettungskette 5G" beim BMVI eingereicht. Bis Ende des Jahres wird über die ersten fünf 5G-Modellregionen entschieden, im Jahr 2021 sollen fünf weitere Regionen folgen.

Das Projekt soll mit Hilfe der 5G-Mobilfunktechnik innovative Lösungen für eine Verbesserung von Kommunikation und Datenaustausch zwischen Ersthelfern, Rettungsdienst, Leitstelle, und Klinik identifizieren und dadurch einzelne Akteure der Rettungskette - im Sinne besserer Heilungschancen für Notfallpatienten - optimal miteinander vernetzen.

Sofern das vorgelegte Konzept für eine Umsetzungsförderung in Höhe von vier Millionen Euro ausgewählt wird, möchten die Projektpartner die Ideen in den folgenden drei Jahren unter Realbedingungen im Rettungsdienst und in der Notaufnahme des Ostalb-Klinikums erproben.

Weitere Informationen auf der website des Zentrums für Telemedizin (ZTM) in Bad Kissingen. Das ZTM koordiniert das Projekt.