Die zunehmende Digitalisierung im Gesundheitswesen ist kein Selbstzweck. Sie muss Anstoß für die weitere Gestaltung der Versorgung sein, auch im Hinblick auf mehr Patientenorientierung und Transparenz.

Gemeinsam mit dem Gesundheitswirtschaftsnetzwerk BioCon Valley® GmbH organisierte die TK im Nordosten eine Veranstaltung im digitalen Raum, die sich umfänglich den Chancen der digitalen Gesundheitsangebote widmete. Rund 130 Experten aus Politik, Versorgung und Wissenschaft nahmen daran teil. Im Nachgang  haben wir die wichtigsten Aspekte  und Forderungen der Referenten zusammengestellt. 

Referenten der Veranstaltung:

  • Dr. med. Markus Leyck Dieken, Geschäftsführer der gematik GmbH 
  • Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern
  • Dr. med. Marco Krüger, Allgemeinmediziner aus Gnoien
  • Toralf Schnell, Chief Digital Officer an der Universitätsmedizin Greifswald

"Die Telematik Infrastruktur wird erlebbar: ePa & E-Rezept"  

Der Geschäftsführer der gematik GmbH setzte in seinem Beitrag einen starken Impuls für die digitale Aufholjagd im Gesundheitswesen. Aus seiner Sicht kann diese nur gelingen, wenn die Akteure im Gesundheitswesen zukünftig eine Doppelstrategie fahren. Dazu müssen seiner Ansicht nach sowohl regionale Ansätze wie zum Beispiel TeleDermatologie , als auch schnell skalierbare Großprojekten umgesetzt werden. Zentral ist für Dr. Leyck Dieken, dass alle Player der Gesundheitsversorgung an interoperablen Lösungen arbeiten sollten.

Mit Blick auf die elektronische Patientenakte (ePA) erläuterte Leyck Dieken, dass der Begriff „Akte“ einen falschen Assoziationsrahmen setzt. Die ePA ist nicht die digitale Akte über den Patienten, sondern ein Ort, an dem die Daten des Patienten liegen. Die Patientenhoheit steht bei der Konzeption und Umsetzung im Mittelpunkt. Dies ist aus seiner Sicht zentral, um Daten in entsprechend strukturierter Form aufnehmen und ggf. später, mit Zustimmung des Patienten, in anonymisierter Form analysieren zu können.

"Versorgung digital gestalten"

Die Leiterin der TK-Landesvertretung startete mit einem kurzen Exkurs zum Arzt-Patienten-Verhältnis. Wer früher einen Arzt benötigte, musste persönlich in die Praxis gehen. Diagnose, Beratung, Behandlung und Betreuung wurden und werden zum Teil ausschließlich in der Arztpraxis durchgeführt. Teilweise werden Befundinformationen, Patientenaufklärungen und Bilder per Post oder Fax im Anschluss an die Behandlung nach Hause geschickt. Mit dem digitalen Zeitalter und spätestens mit der Corona-Krise hat sich das Verhalten vieler Patienten bereits radikal geändert und es gibt wenige Gründe, warum diese Entwicklung nicht weiter fortschreiten sollte.

Der Wunsch vieler Patienten hin zu einer digitalen Kommunikation und Behandlung wird sich eher noch verstärken. Gleichzeitig können wir es mit dem digitalen Ansatz schaffen, neue Behandlungspfade zu errichten und die gegenwärtig grenzwertig belasteten ärztlichen Kapazitäten zu schonen. Diesen Wandel müssen wir im Sinne einer optimalen Behandlungsqualität und einer noch besseren Patientenbetreuung gestalten, betonte Austenat-Wied.

Als Erfolgsfaktoren der digitalen Transformation des Gesundheitswesens identifizierte die TK-Landeschefin Transparenz, Mehrwerte für Versicherte und die Akteure der Versorgung sowie den verbesserten Datenaustausch, um sektorenübergreifende Behandlungspfade zu ermöglichen.

"Digitalisierung in der Arztpraxis - ein Blick in die nahe Zukunft"

Der niedergelassene Allgemeinmediziner, Dr. med. Marco Krüger, arbeitet in seiner Praxis bereits heute weitestgehend papierlos. Für ihn ist die digitale Praxisorganisation das erste Zwischenziel auf dem Weg zur digitalen Versorgung. Auch die digitale Terminbuchung für die Patienten ist ein weiterer Etappenschritt auf dem Weg zu mehr Zeit und weniger bürokratischem Aufwand.

Die elektronische Kommunikation aller Akteure wird aus seiner Sicht dabei helfen, suprasektorale Versorgung zu ermöglichen. Echte  digitale Gesundheitsversorgung benötigt für ihn zwingend auswertbare Patientendaten. Nur so können aktuelle Gesundheitsentwicklungen des Patienten live analysiert und die Therapien unterstützt werden, erklärte der Hausarzt.

"Bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation - DVG@UMG"

Grundsätzlich wünscht sich Toralf Schnell, Chief Digital Officer (CDO)  der Universitätsmedizin Greifswald stärkere smarte Services im Versorgungsalltag. Denn für ihn können smart devices helfen, Probleme in der Versorgung unkompliziert zu lösen. Die digitale Unterstützung kann von der Diagnostik bis zur Navigation im Krankenhaus reichen. Als Ziel des Digitalisierungsprozesses formulierte Schnell, dass Ärzte und Patienten bestmöglich von den zur Verfügung stehenden digitalen Hilfsmitteln unterstützt werden müssen. Gleichsam appelliert er an alle Akteure im Gesundheitswesen, dass wir uns ein Beispiel an der Innovationskraft der Vorreiter-Märkte nehmen und eigenständig Lösungen für Versorgungsprobleme an den Start bringen sollten. Die aktuelle Gesetzgebung, zum Beispiel die Verlängerung des Innovationsfonds, setzt aus seiner Sicht einen wichtigen Reiz für mehr Innovationen in der (stationären) Versorgung.

Als CDO ist Schnell davon überzeugt, dass bei ausreichender finanzieller und materieller Innovationskraft die Digitalisierung ein voller Erfolg für die Patienten sein wird. Sowohl in den Bereichen der Gesundheitsforschung, als auch im Bereich der digitalen Versorgungsnetzwerke und -leistungen benötigt es aus seiner Sicht allerdings mehr als einzelne Akzente über Modellprojekte, sondern ein Investitions- und Innovationsklima in Mecklenburg-Vorpommern.

Weitere Details und Forderungen finden Sie im ausführlichen Protokoll der Veranstaltung, dass wir für Sie zum Download bereitstellen.