Digitalisierung hat das Potential für sehr viel Positives im Gesundheitswesen: Ein schnelles Teilen von Informationen über Sektorengrenzen hinweg, das Einbinden von Sachverstand unabhängig von Ort und Zeit, die Nutzung großer Datenmengen in kürzester Zeit, die Vereinfachung von Routinen - oder ganz konkret die Videosprechstunde.

Baden-Württemberg als digitale Avantgarde in Medizin und Pflege

Bereits 2017 hat die baden-württembergische Landesregierung das Potential erkannt, welches in der Digitalisierung des Gesundheitswesen steckt. Mit docdirekt, dem e-Rezept und der Kompetenzstelle Pflege & Digitalisierung wurde Offenheit für digitale Innovationen bewiesen. Über die Digitalisierungsstrategie "digital@bw" wurden bisher 24 innovative Modellprojekte gefördert und sollen nach positiver Evaluation in die Regelversorgung übertragen werden.

Will Baden-Württemberg digitale Avantgarde bleiben, muss das Land das Ziel einer einheitlichen Datengrundlage unter Einhaltung der europäischen Datenschutz-Standards aktiv unterstützen.

Auf dem Weg der digitalen Transformation

Die Digitalisierung wird eingespielte Behandlungsabläufe verändern. Für alle, die in Heil- und Gesundheitsberufen tätig sind, bedeutet dies ein Umdenken und neues Lernen. Um diese Veränderungen bewältigen zu können und um den Mehrwert der Digitalisierung wirklich nutzen zu können, bedarf es einer hohen digitalen Kompetenz aller Beteiligten.

Die neue Landesregierung hat die Chance, die digitale Transformation in Gesundheit und Pflege endgültig aus der Modellphase herauszuführen und sie bundesweit vorbildlich auszugestalten.

Vorschläge der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg:

  • Baden-Württemberg strebt an, das Land mit der umfassendsten digitalen Durchdringung im Gesundheitswesen zu werden. Grundlage und Kernziel aller Initiativen in Baden-Württemberg ist der Anschluss aller Akteure in der Versorgung an die TI sowie ihre Integration in die ePA. Baden-Württemberg stellt dieses Ziel in den Mittelpunkt seiner Digitalpolitik in Gesundheit und Pflege und setzt in der Förderung entsprechende Anreize.
  • Um die Nutzung und Akzeptanz von TI und ePA voranzutreiben, organisiert Baden-Württemberg über das Forum Gesundheitsstandort einen ständigen Wissenstransfer zu TI und ePA zwischen der gematik und den verschiedensten Akteuren aus Politik, Gesundheitsversorgung, Forschung und Gesundheitswirtschaft.
  • Bei allen Förderprojekten des Landes im Bereich der digital vernetzten Gesundheitsversorgung bzw.
    -forschung wird die Anschlussfähigkeit an die TI zur Fördervoraussetzung gemacht. Dies gilt auch für Projekte des Landes selbst: Rund um die Zentren für Personalisierte Medizin entsteht beispielsweise derzeit ein schnell wachsender Daten- und Kommunikationsraum, der wichtige Erkenntnisse zur besseren Versorgung von Patientinnen und Patienten liefern kann. Auch diese Struktur muss sich nahtlos in die Datenstruktur der ePA und Interoperabilität der TI einfügen.
  • Mit den Mitteln aus dem Krankenhaus-Strukturfonds und dem Krankenhaus-Zukunftsfonds stehen zwischen 2020 und 2023 insgesamt rund eine Milliarde Euro zusätzlich zur regulären Krankenhaus-Förderung zur Verfügung. Ein großer Teil davon wird genutzt, ein von der Landespolitik gestaltetes, umfassendes, sektorenübergreifendes telemedizinisches Versorgungsnetz in Baden-Württemberg zu etablieren. Das gelingt nur mit gemeinsamen technischen, funktionalen Standards innerhalb des Krankenhauses selbst, aber auch zwischen verschiedenen Krankenhäusern und deren Primärsystemen.
  • Der Erwerb von digitalen Kompetenzen wird als zentrales Element in den jeweiligen Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen verankert. Auch die entsprechende Weiterbildung wird über Module des lebenslangen Lernens beständig weiter gefördert. Die für die Fortbildung verantwortlichen Heilberufekammern in Baden-Württemberg werden in diesen Prozess einbezogen.
  • Nach der Landtagswahl erfolgt eine Überprüfung der Strategie "Digitalisierung in Medizin und Pflege" aus dem Jahr 2017. Die im Landeshaushalt bereitgestellten Mittel sind zwar eine starke Unterstützung für die Umsetzung von Modellprojekten. Für nachhaltige und flächendeckende Innovation braucht es allerdings weniger Modelle, sondern stattdessen dauerhaft finanzierte Strukturmaßnahmen. Entsprechende Projektmittel werden umgewandelt.
Position der TK Baden-Württemberg - Digitalisierung (PDF, 451 kB, nicht barrierefrei)