Nach der Geburt sein Baby fest in den Armen halten und es am liebsten gar nicht mehr loslassen: Diesen Wunsch haben die meisten Eltern nach der Geburt ihre Kindes. Doch kommt ein Kind als Frühchen zur Welt, bedeutet dies in der Regel Brutkasten statt auf Mamas Brust zu liegen.

Jedes Jahr kommen in Deutschland rund 60.000 Babys vor dem errechneten Entbindungstermin als Frühchen auf die Welt. Allein in der Lübecker Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) werden jährlich etwa 500 Frühgeborene betreut, darunter 80 mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm. Ein liebevoller Körperkontakt von Frühchen mit ihren Eltern ist nur eingeschränkt möglich, weil sie in den ersten Lebenswochen häufig viel Zeit im Inkubator verbringen.

Damit die Frühgeborenen dennoch die Geborgenheit der Eltern spüren können, testet das UKSH im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie die digital gesteuerte Gelmatratze des Start-ups Babybe. Dadurch haben die Babys auch während der Abwesenheit der Eltern - beispielsweise während die Mutter zu medizinischen Untersuchungen muss - das Gefühl von Körperkontakt.

So funk­tio­niert BABYBE

Bewegung, Atmung und Herzschlag werden auf das Baby übertragen

Durch ein schildkrötenförmiges Modul, das den Eltern auf den Oberkörper gelegt wird, werden Stimme, Herzschlag, Atmung und Körpergeräusche aufgezeichnet und per Funk auf die Gel-Matratze, auf der das Frühchen liegt, übertragen und wieder in Bewegungen und Töne umgesetzt. Mittels kleiner Lautsprecher wirken die Herztöne und die elterlichen Stimmen positiv auf den Säugling, führen sichtbar zu einer Entspannung und unterstützen seine psycho-soziale Entwicklung.

Die TK als Innovationspartner

Die Erkenntnisse erster Erhebungen sind durchaus erfolgsversprechend: Durch den Gebrauch des Systems Babybe werden die Atmung und die Gewichtszunahme der Frühchen positiv beeinflusst. In der angestrebten multizentrischen Studie, an der das UKSH teilnimmt, wird der Nutzen der Methode jetzt in einem größeren Umfang untersucht.

Hintergrundinformationen

Kopf hinter dem Konzept einer bionischen Matratze ist der Diplom-Designer Camilo Anabalon, der im Rahmen seiner Masterthesis 2012 das grundlegende Konzept entwickelte. Gemeinsam mit dem Mechatronik-Ingenieur Raphael Lang gelang ihnen die Weiterentwicklung der Idee in Form eines ersten Prototypen. Beide sind heute die Geschäftsführer des 2013 gegründeten Stuttgarter Start-ups Babybe.