Krebskranke Kinder können oftmals wochenlang nicht in die Schule gehen, fehlen auf Geburtstagsfeiern oder bei Sportturnieren. Sie fühlen sich ausgeschlossen, die soziale Isolation kann sogar ihren Gesundheitszustand verschlimmern. Die Techniker Krankenkasse unterstützt daher das Projekt "Mittendrin!" der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft. Mit Hilfe eines kleinen Avatars bekommen die Betroffenen eine Art Stellvertreter, der Augen, Ohren und Stimme für die Kinder ist. 

Der Telepräsenzroboter AV1 der norwegischen Firma "No Isolation" kann von den Freunden mit zum Sportturnier, auf eine Feier oder sogar mit in die Schule genommen werden, sodass der Patient trotz Krankheit überall dabei sein kann. Dazu verbindet sich das betroffene Kind zu Hause oder im Krankenhaus per App mit dem Avatar. Eine eingebaute Kamera, Mikrofon und Lautsprecher machen es möglich, seine Freunde und Klassenkameraden zu sehen, zu hören und mit ihnen zu sprechen. Mithilfe des Einweg-Videostreams und Zweiwege-Audiostreams kann der Nutzer alles sehen und hören, was im Blickfeld des Avatars passiert – selbst aber nicht gesehen werden. 

"Gerade weil es erkrankten Schülerinnen und Schülern so hilft, im Kontakt mit ihrer Klasse zu bleiben, freue ich mich, dass wir nun erstmals den Einsatz der Avatare in Schleswig-Holstein testen können."Bildungsministerin Karin Prien

Durch einfache Handbewegungen auf dem Smartphone oder Tablet kann der Kopf des Avatars um 360° gedreht und nach oben bzw. unten geneigt werden. Außerdem ist es für den Nutzer möglich, zu signalisieren, wenn er etwas sagen möchte oder wenn er zu müde ist, um aufmerksam dem Geschehen zu folgen. 

Interessierte Familien können sich ab sofort bei der Krebsgesellschaft melden, um einen Avatar zur kostenfreien Nutzung zu erhalten. 

Projektkoordinatorin: 
Wienke Voß
Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft 
Telefon 04 31 - 800 10 85
voss@krebsgesellschaft-sh.de

FAQs 

1. Für wen eignet sich die Nutzung des Avatars?

Das Projekt richtet sich an Kinder und Jugendliche aus Schleswig-Holstein, die an einer Krebserkrankung leiden. Sie können den kleinen Avatar als eine Art Stellvertreter nutzen, um am gesellschaftlichen und schulischen Leben teilzuhaben. Voraussetzung ist, dass der Nutzer in Schleswig-Holstein gemeldet ist und ein eigenes Smartphone oder Tablet für die Zeit der Ausleihe des Avatars zur Verfügung hat. Die Nutzung in der Schule ist ab der 7. Klasse möglich. 

2. Muss mein Kind bei der Techniker Krankenkasse versichert sein, um an dem Projekt teilnehmen zu können?

Nein, das Projekt steht jedem offen. Voraussetzung ist nur, dass die an Krebs Erkrankten in Schleswig-Holstein wohnen. 

3. Was kostet mich der Avatar?

Die Kosten für die Nutzung des Avatars übernimmt die Techniker Krankenkasse. Die finanziellen Mittel werden im Rahmen der Selbsthilfeförderung bereitgestellt. 

4. Wie wird der Datenschutz gewährleistet?

Der Nutzer muss bei jeder Anmeldung ein Passwort eingeben, damit kein Zweifel besteht, wer den Avatar benutzt. Durch das Passwort wird sichergestellt, dass nur ein Nutzer den Avatar verwendet. Es ist nicht möglich, mit dem Avatar Video- und Audiodateien aufzuzeichnen oder zu speichern. Die Verwendung erfolgt nur in Echtzeit. Weder die Hersteller von "No Isolation" noch irgendjemand anderes kann auf die Video- und Audioübertragung zwischen Kind und Avatar zugreifen. Alle Daten werden verschlüsselt zwischen der App und dem Avatar gesendet. Auch eine Spiegelung der Übertragung auf andere Geräte ist nicht möglich. 

5. Was ist der Vorteil eines Avatars gegenüber Videotelefonie via Smartphone oder Tablet?

Die an Krebs erkrankten Kinder bekommen eine Art Stellvertreter. Der kleine Telepräsenzroboter ist dabei viel anschaulicher und greifbarer als ein Tablet oder Smartphone. Durch seine Eigenschaft als Stellvertreter kann das jeweilige Kind selbst bestimmen, wann es etwas miterleben möchte - und braucht keinen Grund, seine Freunde anzurufen, wie es beim Smartphone üblich ist. Das Kind schaltet den Avatar einfach per Tablet oder Smartphone ein und wird zum Teil des Geschehens. 

Weiterer Vorteil: Die Kinder können durch den Avatar ihre Freunde auf dem Bildschirm sehen - andersherum ist dies aber nicht möglich. Liegt ein Kind zum Beispiel gerade im Krankenhaus, ist seine Privatsphäre dort geschützt. Weiter bringt der Avatar zusätzliche Funktionen mit sich: Beispielsweise kann das Kind mit Freunden flüstern oder signalisieren, dass es nur zusehen und zuhören aber nicht sprechen mag. Der Kopf des Avatars leuchtet dann blau.  

6. Wie oft muss ich den Avatar nutzen?

Der Einsatz von AV1 als Stellvertreter ist nur ein Angebot – kein Zwang. Er soll den Nutzern Freude bereiten und eine Teilhabe ermöglichen, wenn diese aufgrund des Gesundheitszustandes eingeschränkt ist. Die Therapien und Medikamente, die eine Krebserkrankung mit sich bringen, machen häufig müde und erschöpft. Deshalb kann jeder Nutzer selber entscheiden, wann, wie oft und wie lange er sich mit seinem Avatar verbindet. 

7. Wie bekomme ich einen Avatar?

Die Federführung des Projektes liegt bei der Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft. Ansprechpartnerin ist Wienke Voß. Anfragen für einen Avatar werden per Mail an voss@krebsgesellschaft.de oder telefonisch unter 04 31 - 800 10 85 entgegen genommen.