Kiel, 18. Februar 2019. Krebskranke Kinder sind oftmals wochenlang ans Bett gefesselt und müssen viel Zeit im Krankenhaus oder zu Hause verbringen. Sie fehlen auf Geburtstagsfeiern, bei Sportturnieren, im Freundeskreis und in der Familie. Die soziale Isolation und Einsamkeit können ihren Gesundheitszustand verschlimmern und sogar zu Depressionen führen. Mit ihrem neuen Projekt "Mittendrin! " bietet die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse (TK) Unterstützung. Gemeinsam wollen sie krebskranken Kindern mithilfe des kleinen Telepräsenzroboters AV1 des norwegischen Start-Ups No Isolation soziale Teilhabe trotz schwerer Krankheit ermöglichen. Ab sofort können betroffene Schleswig-Holsteiner den Avatar kostenfrei nutzen. 

Prof. Dr. Peter Dohrmann vom Vorstand der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft betont die Wichtigkeit des Projekts: "Neben der ohnehin schon bedrohlichen Erkrankung werden die Kinder aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen. Die Angst vor Ausgrenzung kann zu psychischen Problemen führen. Genau hier kann AV1 ansetzen." Auch Familie und Freunden werde durch das Projekt geholfen. "Das Umfeld hat häufig Hemmungen, Kontakt mit den erkrankten Kindern aufzunehmen und aufrechtzuerhalten - meist aus Unsicherheit und Angst. Diese Hemmschwelle wollen wir abbauen", so Dohrmann.

Auge, Ohr und Stimme für krebskranke Kinder

Mit dem Avatar bekommen die Betroffenen eine Art Stellvertreter, der Augen, Ohren und Stimme für sie ist. Der zirka 20 Zentimeter große Roboter kann von den Freunden zu Ausflügen, auf eine Feier oder zu Treffen mitgenommen werden, sodass die kleinen Patienten trotz Krankheit überall dabei sind. Dazu verbindet sich das betroffene Kind zu Hause oder im Krankenhaus per App mit dem Avatar. Eine eingebaute Kamera, Mikrofon und Lautsprecher machen es möglich, Freunde und Familie zu sehen und mit ihnen zu sprechen. Auf Wunsch der ersten Anwender können die Nutzer selbst jedoch nicht gesehen werden. Während also die Kinder alles sehen und hören, was der AV1 erlebt, müssen sie sich keine Gedanken machen, wie sie gerade aussehen und können sich ganz auf ihre Genesung konzentrieren.

Techniker Krankenkasse finanziert das Projekt

Die TK in Schleswig-Holstein finanziert das Projekt im Rahmen der Selbsthilfeförderung. Zunächst stehen fünf Avatare für zwei Jahre zur Verfügung. "Wir verstehen uns als Vorreiter in der digitalen Gesundheit. Projekte wie dieses sind uns dabei ein besonderes Anliegen. Wir müssen es schaffen, die Digitalisierung gezielt und sinnvoll für die Gesundheit der Menschen einzusetzen. Mit dem kleinen Avatar haben wir genau das geschafft“, sagt Dr. Johann Brunkhorst, Leiter der TK in Schleswig-Holstein. "Daher appellieren wir auch an die Mitglieder des Bundestags von der geplanten Abschaffung solcher kassenindividuellen Selbsthilfeprojekte über das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) abzusehen." Die TK plädiere für eine Beibehaltung der bisherigen Selbsthilfeförderpraxis, um solche innovativen Projekte nicht einzuschränken.

Datenschutz wird gewährleistet 

In Großbritannien, Norwegen und den Niederlanden werden die Avatare bereits erfolgreich eingesetzt - auch in Schulen. "800 Avatare werden derzeit genutzt. Dabei haben wir in allen Ländern durchweg positive Erfahrungen gemacht", sagt Christian Matzen, Partnership Manager bei No Isolation. Die Frage nach dem Datenschutz sei meist die größte Hürde. Matzen: "Die Übertragung vom Avatar zum Tablet oder Smartphone ist komplett verschlüsselt. Wir nutzen dafür ähnliche Systeme, wie sie beim Online-Banking eingesetzt werden." Damit niemals Zweifel bestehen, wer mit dem Avatar verbunden ist, gibt es einen persönlichen Pin für die Anmeldung. Zudem ist es nicht möglich, mit dem Avatar Video- und Audiodateien aufzuzeichnen oder zu speichern. Die Übertragung erfolgt nur in Echtzeit - ähnlich wie bei einem Livestream. Ein von den Projektverantwortlichen angeregter Einsatz auch an Schulen in Schleswig-Holstein wird zur Zeit noch aus schul- und datenschutzrechtlicher Sicht vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur unter enger Einbeziehung des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) geprüft.

Interessierte Familien gesucht

Der erste Avatar in Schleswig-Holstein ist bereits im Einsatz. Die Dauer der Nutzung ist dabei flexibel und steht Versicherten aller Krankenkassen offen. Weitere interessierte Familien können sich bei der Projektkoordinatorin melden:

Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft e.V.
Wienke Voß    
Tel. 0431/800 10 85
voss@krebsgesellschaft-sh.de