Stuttgart, 9. Mai 2019. Immer mehr Schlaganfall-Patienten in Baden-Württemberg werden nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) telemedizinisch behandelt. Zwischen 2015 und 2017 hat sich die Zahl von 556 auf 2172 fast vervierfacht. 

"Der Südwesten holt bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen mächtig auf", sagte Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg anlässlich des Tages gegen Schlaganfall am 10. Mai. Die Zahlen beruhen auf Angaben des Statistischen Bundesamtes.

Die telemedizinische Behandlung läuft über sogenannte neurologische Telekonsile, wie sie beispielsweise das Universitätsklinikum Freiburg als Schlaganfall-Zentrum (Stroke-Unit) für derzeit elf Kliniken in Baden-Württemberg anbietet. Kommt ein Patient mit akutem Schlaganfall in ein lokales Krankenhaus, wird ein Arzt im Zentrum zugeschaltet, so dass sich Arzt und Patient gegenseitig sehen. 

Zudem werden klinische Daten übertragen wie etwa die Ergebnisse einer Computertomographie (CT). Ähnliche Netzwerke werden von der Uniklinik Heidelberg mit sieben Kliniken aus der Region Rhein-Neckar und dem Klinikum Karlsruhe mit fünf Krankenhäusern aus dem Umland koordiniert.  

Die erfahrenen Spezialisten im Schlaganfall-Zentrum entscheiden dann, wie weiter zu verfahren ist - zum Beispiel mit einer Operation im nächstgelegenen Krankenhaus, das als regionale Schlaganfalleinheit ausgewiesen ist. Die Telekonsiliarärzte in der Stroke Unit müssen bestimmte Qualifikationen nachweisen und rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Sie dürfen in dieser Zeit keine anderen Patienten behandeln.

"Gerade für Patienten in ländlichen Regionen ist mit Hilfe der Telekonsile eine schnelle und qualitativ hochwertige Schlaganfall-Versorgung möglich - bei einem effizienten Einsatz von Ressourcen", betonte Vogt. Trotz der rasanten Fortschritte sieht er auch in Baden-Württemberg noch deutlichen Optimierungsbedarf: "Der Blick nach Bayern zeigt, dass wir noch lange nicht am Ziel sind. Dort werden rund doppelt so viele Schlaganfall-Patienten telemedizinisch behandelt wie in Baden-Württemberg. Nur Kliniken, die bereit sind zur digitalen Vernetzung, sollten in Zukunft noch vom Land finanziell gefördert werden."

Hintergrund:

In Baden-Württemberg erleiden pro Jahr rund 40.000 Menschen einen Schlaganfall. Nach der Schlaganfall-Konzeption des Landes Baden-Württemberg sollen sie in dafür vorgesehenen Kliniken - sogenannten Schlaganfalleinheiten - behandelt werden. Zu den Schlaganfalleinheiten gehören derzeit 12 Schlaganfallzentren (Stroke Units), 21 regionale Schlaganfallschwerpunkte und 17 lokale Schlaganfallstationen. Laut Konzeption sollten alle Schlaganfalleinheiten eine "enge Zusammenarbeit" via Telemedizin" anstreben.

Schlaganfallkonzeption Baden-Württemberg (Stand März 2019).