Ist ein virtuelles Krankenhaus in Bremen denkbar? Sollte Bremen hier Vorreiter sein oder lieber abwarten? Das waren die Eingangsfragen der TK Fachveranstaltung, die diesmal in einem reinen Onlineformat stattgefunden hat. Mehr als 80 Prozent der Veranstaltungsteilnehmer waren sich einig: Es wäre gut, wenn das Land Bremen beim Thema virtuelles Krankenhaus eine Vorreiterrolle einnehmen würde.

Dr. Susanne Klein, Leiterin der TK-Landesvertretung Bremen, machte den Auftakt des Abends und begrüßte rund 80 Gäste im virtuellen Raum: "Wir reden heute nicht nur über Digitalisierung, wir sind digital. Wir wollen unser Wissen miteinander teilen, Ideen austauschen und diese in die reale Welt mitnehmen und dort weiterentwickeln." Sie lud die Gäste ein, ungezwungen zu diskutieren. "Auch beim virtuellen Krankenhaus geht es um das Teilen von Wissen. Es geht um die Vernetzung von Krankenhäusern, um den fachlichen Austausch miteinander und es geht vor allem darum, das Know How zu den Patienten zu bringen und nicht andersherum."

Spannende Impulse  

Lutz Stroppe, Mitglied des "Gründungsausschusses Virtuelles Krankenhaus (VKH) NRW" führte mit seiner Keynote "Digitalisierung des Gesundheitswesens = Demokratisierung der Spitzenmedizin?" in die Thematik ein. Denn bereits im  April dieses Jahres begann das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) die Vorstufe eines virtuellen Krankenhauses aufzubauen. Die Unikliniken in Aachen und Münster hatten durch die Nähe zu verschiedenen Corona-Hotspots schneller umfangreiche Erfahrungen in der Behandlung von Covid19-Patienten gesammelt, als andere Krankenhäuser. Ziel war es nun, so berichtete Stroppe, auch den anderen Krankenhäusern in NRW die Möglichkeit zu geben an diesem Wissen teilzuhaben. In Zahlen zusammengefasst wurden in der Zeit der ersten Coronawelle rund 150 Patienten auf Intensivstationen in den Krankenhäusern vor Ort und über 1000 Telekonsile mit den Universitätskliniken behandelt. Nur zwölf der 150 Erkrankten mussten in eines der beiden Universitätskliniken verlegt werden.

Die Vernetzung der Krankenhäuser geschieht dabei über die Plattform "Virtuelles Krankenhaus gGmbH". Über 40 Kliniken haben sich bereits auf dieser Plattform der angemeldet.                          

Wissen spezialisiert sich immer mehr                                               

Das Wissen um bestimmte Entwicklungen in der Medizin wird sich immer weiter spezialisieren und zu einer verstärkten Bildung von Zentren führen. Stroppe: "Den einzelnen Patienten steht die Expertise häufig nicht vor der Haustür zur Verfügung. Menschen gehen insbesondere bei elektiven Eingriffen dorthin, wo sie glauben, dass sie eine besondere Expertise erhalten. Hier setzt das virtuelle Krankenhaus an: Dort wo es nicht möglich ist, sich zum Know How zu begeben, bedarf es einer neuen Form, das Wissen zur Verfügung zu stellen." Dies geschieht zurzeit in vier Universitätskliniken (Aachen, Münster, Essen und Bad Oeynhausen) und für fünf Indikationen (Intensivmedizin, Herzinsuffizienz, Krebserkrankungen, Infektiologie und seltene Erkrankungen).

Es ist noch längst nicht alles geregelt. Viele Fragen sind noch offen, beispielsweise wie Konsile abgehalten und finanziert oder Fallakten weitergegeben werden. Niedergelassene Ärzte können und müssen beteiligt werden. Perspektivisch ist es zudem das Ziel, dass die Plattform über Strukturen von Künstlicher Intelligenz verfügt. Das virtuelle Krankenhaus wird aber auch zukünftig den Facharzt nicht ersetzen und auch den Versorgungauftrag der Kliniken nicht ändern, so Stroppe auf entsprechende Fragen aus dem Publikum.

Warum ein virtuelles Krankenhaus einer Demokratisierung der Spitzenmedizin gleichzusetzen ist, begründete Stroppe damit, dass man durch Teilhabe auch Demokratisierung erreichen kann. "Teilhabe aller an allen Erfahrungen, an dem Wissen der Spitzenmedizin", so Stroppe. 

Dr. Heidrun Gitter, Präsidentin der Ärztekammer Bremen und Uwe Zimmer, Geschäftsführer der Bremer Krankenhausgesellschaft, brachten die Bremer Perspektive in die Diskussion ein.

 "Ärztinnen und Ärzte sind Fallkonferenzen und Konsile gewohnt und nutzen diese gerne, daher warten sie geradezu auf die Schaffung einer geeigneten Plattform, um dies virtuell und damit unter leichteren und standardisierten Bedingungen und Sektor übergreifend tun zu können. Moderne Technik wird aber auch moderne rechtliche Rahmenbedingungen einschließlich Datenschutz und neue Finanzierungsmodelle benötigen", brachte Gitter ein.

 "Die Krankenhäuser im Land Bremen sind mit Hochdruck unterwegs, den nächsten Level in der Digitalisierung zu erreichen. Insbesondere an den Schnittstellen der Versorgung, z.B. mit den niedergelassenen Ärzten, wird in absehbarer Zeit mehr digital und weniger analog kommuniziert werden. Vor diesem Hintergrund bietet das Modellprojekt in NRW wertvolle Hinweise für die weitere Umsetzung", beschrieb Zimmer die Bremer Situation.

Fragen über Chat

Jeder Gast, der sich aktiv beteiligten wollte, konnte sich über eine Fragenfunktion im Chat einbringen. Dies wurde auch gern genutzt: Wie verändert sich die Krankenhausplanung? Bedeutet das virtuelle Krankenhaus eine Stärkung der Bremer Krankenhäuser? Und wie erfolgt der Austausch zwischen den Häusern bzw. mit dem ambulanten Bereich bisher, waren nur einige der Fragen.

Als Fazit des Abends lässt sich festhalten: Ein virtuelles Krankenhaus bietet große Chancen für die Patientenversorgung. Bremen sollte am Thema und in der Diskussion bleiben.

Über den Abend hinweg begleiteten wir die Veranstaltung medial auf Twitter unter #Bremengoesdigital.