Kiel, 9. Februar 2022. Immer wieder hat der Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) gezeigt: Schleswig-Holstein hat "Rücken". Für die meisten Erkrankten ist dann die Physiotherapie der Weg zur Schmerzbehandlung. Doch diese stellt für viele Betroffene eine Herausforderung dar, weil sie mit Krücken zur Physiopraxis fahren müssen und Übungen eigenständig von zu Hause aus durchführen sollen.
Wie hingegen die Physiotherapie patientenorientiert und erfolgversprechend gestaltet sein kann, zeigen die TK und das Mare Aktiv aus Kronshagen mit dem Projekt Virtual Training  seit März 2021. Während das Angebot vorerst bei Schulter- oder Knie-Operationen erprobt wurde, geht das Projekt nun in die nächste Runde und ist damit auch für Rückenpatientinnen und -patienten zugänglich. 

"Die bislang gesammelten Erfahrungen mit Virtual Training haben uns ermutigt, die digitale Physiotherapie auch um Rückenerkrankungen zu erweitern. Ziel des Projektes ist es, Menschen mit Rückenleiden eine ebenso erfolgversprechende Physiotherapie zu ermöglichen wie Menschen mit Verletzungen an Knie oder Schulter", erklärt Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein.

Hybride Physiotherapie auch für Rückenpatientinnen und -patienten

Um die Physiotherapie möglichst komfortabel und erfolgversprechend zu gestalten, erweitert Virtual Training die klassische Physiotherapie um sinnvolle digitale Elemente. So finden die Präsenztermine weiterhin in der Physiopraxis statt, allerdings über einen längeren Zeitraum gestreckt. In der Zwischenzeit führen die Patientinnen und Patienten ihre Trainingsübungen von zu Hause aus durch. Dabei werden Sie über die Virtual Training-App vom therapeutischen Personal begleitet. "Damit setzt die hybride Form der Physiotherapie da an, wo der Behandlungserfolg oft scheitert: die eigenständige und kontinuierliche Durchführung von Trainingsübungen", erklärt Dr. Philip Lübke, Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie sowie Spezialist für Wirbelsäulenchirurgie am Mare Klinikum. "Insbesondere für Rückenerkrankte ist ein kontinuierliches Training für den Behandlungserfolg ausschlaggebend", so weiter Dr. Lübke.

Positive Bilanz der bisherigen Projektlaufzeit

Seit Projektstart haben bereits über 70 Patientinnen und Patienten das Angebot von Virtual Training im Mare Aktiv wahrgenommen bzw. nehmen derzeit teil. Laut Tim Höper, Geschäftsführer des Mare Aktivs und Physiotherapeut, fällt die Bilanz positiv aus: "Es zeigt sich, dass Virtual Training die Patientinnen und Patienten erfolgreich motiviert, langfristig an ihrem eigenen Behandlungserfolg mitzuwirken. Deutschlandweit ist diese Form der begleiteten Physiotherapie einzigartig."

So funktioniert Physiotherapie in den eigenen vier Wänden und in der Praxis

Das Handling für das therapeutische Personal und die Erkrankten ist einfach: Über die Virtual Training-App können die Patientinnen und Patienten auf ihren individuellen Trainingsplan zugreifen. Mithilfe professioneller Videoanleitungen werden die Betroffenen durch die Übungen geführt und können anschließend direktes Feedback an das therapeutische Personal senden - und das alles bequem von zu Hause aus. Das therapeutische Personal wird dann automatisch informiert, wie etwa auch wenn der Trainingsplan nicht eingehalten wird. Die persönlichen Termine finden auch weiterhin im Mare Aktiv statt, allerdings in größeren zeitlichen Abständen. Damit werden den Betroffenen regelmäßige Anfahrten in die Praxis erspart und der Behandlungserfolg verstetigt.

Ausweitung des Angebots

Die Kombination von digitalem Training und Präsenzterminen ist deutschlandweit einzigartig. Sollte das Pilotprojekt in Schleswig-Holstein erfolgreich sein, könnte es nach der Testphase auch deutschlandweit angeboten werden.