Mit Hilfe von "Wart's Ab" können Patienten die Zeit bis zu ihrem Termin außerhalb der Praxis verbringen. Die App informiert die Patienten rechtzeitig, wann sie an der Reihe sind. Es handelt sich dabei um ein gemeinsames Projekt der TK in Hessen, des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration und der MyEPA UG, einem Start-Up, in dem Studierende, Mitarbeitende und Professoren der der Technischen Hochschule (TH) Mittelhessen zusammenarbeiten.

Kai Klose

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Minister für Soziales und Integration in Hessen, ©HMSI

"Die App informiert, wann der Termin real stattfinden kann, damit die Patientinnen und Patienten rechtzeitig in der Praxis sein können. Mit ihrer Hilfe gehören lange Wartezeiten in Gesundheitseinrichtungen der Vergangenheit an", erklärt Hessens Sozialminister Kai Klose.

Das System funktioniert simpel: Der Patient ruft in der Praxis an und bittet um einen Termin. Das Praxisteam erzeugt mit der "Wart's Ab"-Praxis-App einen Zahlencode, den der Patient in die Patienten-Version der App eingibt. Auf seinem Smartphone gibt der Patient dann an, wie viele Minuten er von der Praxis entfernt ist. Diese Angabe braucht die Praxis, um für sich den Abfolge der Behandlungen optimal planen zu können. Ist der Patient an der Reihe, erhält er via App eine Nachricht vom Praxis-Team und kann sich auf den Weg in die Praxis machen. 

Dr. Barbara Voß

Barbara Voß, Leiterin TK-Landesvertretung Hessen Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen

"Die Patienten reduzieren so nicht nur die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer, sondern können die Wartezeit flexibel nutzen, z.B. um sich bis unmittelbar vor dem Arzttermin zuhause im Bett ausruhen oder im Home-Office weiterzuarbeiten", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen. 

Im Rahmen eines Pilotprojektes sollen 60 Praxen in Mittelhessen und im Rhein-Main-Gebiet mit dem System ausgestattet werden. 

Die Interaktion zwischen der Patienten- und Praxis-App läuft völlig anonym ab. Das heißt, es werden keinerlei persönliche Daten zwischen dem Handy des Patienten und der Arztpraxis hin- und hergeschickt. 

Prof. Thomas Friedl

Portrait von Prof. Thomas Friedl Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Projektleiter "Wart's Ab" an der Technischen Hochschule Mittelhessen

"Wir wissen, wie sensibel Daten sind, die zeigen welcher Patient in welche Praxis geht. Daher sind wir stolz darauf, dass unser Wart's Ab Server diese Angaben nicht braucht. Auch wir als Betreiber des Systems könnten nie erfahren, wer, wann, warum und wohin geht" so sagt Projektleiter Prof. Thomas Friedl von der TH Mittelhessen.

"Wart's Ab" ist vor allem dann eine Hilfe, wenn es um ungeplante, kurzfristige Arzttermine geht. Seit der Verabschiedung des Terminservice- und Versorgungsgesetzes 2018 müssen Arztpraxen mindestens fünf Stunden wöchentlich als "offene Sprechstunden" anbieten - das heißt, sie müssen Behandlungszeiträume für Patienten freihalten, die spontan vorstellig werden. An dieser Stelle kann "Wart's Ab" über die Pandemie hinaus eine Unterstützung sein.

Wird das Warten auf den Arzt nicht mehr als unnötige Zeitverschwendung wahrgenommen, sind die Patienten entspannter und zufriedener. Das entlastet  auch das Praxispersonal.
Dr. Barbara Voß

Bis Ende April werden 60 Pilot-Praxen das "Wart's Ab"-System austesten. Danach erfolgt eine wissenschaftliche Evaluation des Projektes durch die TH Mittelhessen. Parallel arbeitet das Team von Prof. Friedl bereits an einer Variante des Systems, bei der keine Tablet-Computer mehr in den Praxen benötigt würden. Auf diese Weise könne das Projekt nach Ablauf der Pilot-Phase weiteren Praxen zur Verfügung gestellt werden.

Noch sind nicht alle Plätze in der Pilotphase von "Wart's Ab" vergeben. Arztpraxen aus dem Raum Mittelhessen und dem Rhein-Main-Gebiet, die an dem Projekt teilnehmen möchten, können sich auf der Webseite https://www.warts-ab.org/ weiter informieren und für eine Teilnahme bewerben.

In der schmerztherapeutischen Praxis von Dr. Edgar Pinkowski, Präsident der Landesärztekammer Hessen, ist "Wart's Ab" seit Anfang Dezember im Einsatz. Im Interview berichtet er von seinen bisherigen Erfahrungen.