Es ist schon irgendwie seltsam. Sie können mit Ihrem Smartphone oder Ihrem Tablet eine Weltreise buchen, Ihre Bankgeschäfte erledigen, eine Fahrkarte, ein Flugticket oder einen Parkschein lösen, amtliche Anträge stellen, alle mögliche Dinge kaufen, aber an Ihre eigenen Gesundheits- oder Krankheitsdaten kommen Sie nicht heran. Das muss verwundern, wo doch der „mündige Versicherte“ und der „mündige Patient“ seit vielen Jahren schon zu den unvermeidlichen Versatzstücken politischer Verlautbarungen gehören.

Was nützt Ihnen Ihre elektronische Gesundheitskarte (eGK), wenn Sie Ihre eigenen dort gespeicherten Gesundheitsdaten ohne spezielles Lesegerät nicht lesen können? Diese Technik ist von vorgestern. 

Jetzt hat der Bundesgesundheitsminister gehandelt: In einem Ende Juli vorgelegten Gesetzentwurf ist vorgesehen, dass zukünftig alle Versicherten auch ohne Einsatz ihrer eGK mit mobilen Endgeräten (Smartphone, Tablet) auf alle Daten ihrer elektronischen Patientenakte (ePA) zugreifen können. Die Krankenkassen werden in dem Gesetzentwurf verpflichtet, spätestens ab dem 1. Januar 2021 eine ePA zur Verfügung zu stellen.

TK-Safe schon in Beta-Testverfahren

Die TK ist in diesem Bereich bereits tätig geworden. Sie hat gemeinsam mit IBM Deutschland TK-Safe entwickelt. Zurzeit läuft ein Beta-Testverfahren und schon bald soll die Gesundheitsakte für alle TK-Versicherte geöffnet werden. Selbstverständlich ist, dass die Versicherten Herr bzw. Herrin über die in der ePA gespeicherten Daten sind und dass niemand anderes ohne Zustimmung des Dateninhabers sie einsehen, nutzen oder verarbeiten darf.

Die Vorteile dieses modernen Datenzugangs liegen auf der Hand: Wer schon mal als Notfall ins Krankenhaus gekommen ist, kann sich an die unvermeidlichen Fragen bei der Patientenaufnahme erinnern, welche Arzneimittel regelmäßig eingenommen werden, ob Unverträglichkeiten bestehen usw. Im Stress einer Notfallaufnahme hat man diese ganzen Daten nicht parat und der alte oder verwirrte Patient erst recht nicht.

Ärzte müssen neue Wege gehen 

Modernisieren müssen sich aber auch die Kommunikationswege zwischen Patienten und Ärzten. Bei einer Erkältung oder einem Hexenschuss ist doch der Gang in eine überfüllte Arztpraxis mit der Aussicht einer „längeren“ Wartezeit eine echte Herausforderung. Ein einfacher Telefonkontakt mit dem Hausarzt meines Vertrauens würde schneller und auf weniger belastende Weise helfen. Das Problem ist nur, dass das ärztliche Berufsrecht die Fernbehandlung bislang verbietet.

Nun hat nach langer und kontrovers geführter Diskussion der diesjährige Deutsche Ärztetag den Landesärztekammern empfohlen, das Verbot der ausschließlichen Fernbehandlung aufzuheben. An diesem Beschluss war der saarländische Kammerpräsident Dr. Josef Mischo maßgeblich beteiligt. Es ist daher zu hoffen, dass die Ärztekammer des Saarlandes diese Empfehlung unverzüglich umsetzt. Um die Sache „rund“ zu machen, müsste aber auch die Ausstellung einer Krankschreibung oder eines Arzneimittelrezepts nach erfolgter Fernbehandlung möglich sein. Das aber können die Ärztekammern rechtlich nicht beschließen, dafür sind gesetzliche Änderungen im Sozialversicherungs- und im Arzneimittelrecht erforderlich.

Warten wir mal ab, ob bei der weiteren Beratung des Spahn’schen Gesetzentwurfs in Bundestag und Bundesrat diese Gedanken aufgegriffen werden.