Activity Matters ist ein Projekt der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) Landesverband Hamburg und der MS-Tagesklinik des UKE. Finanziert wird Activity Matters durch die Landesvertretung Hamburg der Techniker Krankenkasse (TK) aus Mitteln der Selbsthilfeförderung

Im Interview erläutern Dr. Karin Riemann-Lorenz, Koordinatorin der Studie am UKE, und Andrea Holz, Geschäftsführerin der DMSG Hamburg, für wen das Programm geeignet ist und welche Erfahrungen in den ersten Monaten gemacht wurden. 

TK: Der aktuelle Forschungsstand zeigt, dass Sport und regelmäßige körperliche Aktivität zahlreiche Symptome der MS positiv beeinflussen. Für wen ist das Online-Programm konkret geeignet und wie viele Teilnehmende haben Sie aktuell?

Karin Riemann-Lorenz: Activity Matters ist für MS-Betroffene geeignet, die ihre körperliche Aktivität steigern möchten und sich dabei auch gern digital unterstützen lassen. Es setzt voraus, dass man sich mindestens einmal pro Woche 45 bis 60 Minuten Zeit nimmt, um sich in das webbasierte Programm einzuloggen und die Module zu bearbeiten. Die ersten Teilnehmenden haben im Dezember 2020 mit dem zwölfwöchigen Programm begonnen. Bis Mai 2021 konnten wir insgesamt 49 Teilnehmende gewinnen. 

Andrea Holz: Sport und regelmäßige körperliche Aktivität wirken sich auf jeden Fall positiv auf die MS aus. Den Nutzen erfahren allerdings nur diejenigen, die regelmäßig und langfristig aktiv sind. Und dies stellt häufig eine Hürde dar. Activity Matters richtet sich daher speziell an MS-Betroffene, die noch nicht regelmäßig Sport treiben.

Andrea Holz

Andrea Holz ist Geschäftsführerin der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Landesverband Hamburg e.V. (DMSG Hamburg). Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Geschäftsführerin DMSG Hamburg

Sport und regelmäßige körperliche Aktivität wirken sich auf jeden Fall positiv auf die MS aus. Den Nutzen erfahren allerdings nur diejenigen, die regelmäßig und langfristig aktiv sind. Andrea Holz, Geschäftsführerin DMSG Hamburg

TK: Und wie werden die Teilnehmenden konkret bei der Integration von körperlicher Aktivität in den individuellen Tagesablauf begleitet? 

Riemann-Lorenz: Das Programm vermittelt Informationen über die Vorteile eines körperlich aktiven Lebensstils bei MS, unter anderem in Form von Videos mit Betroffenen sowie Expertinnen und Experten. Daran anschließend werden die Teilnehmenden dabei unterstützt, eine für sich selbst geeignete Trainingsform zu finden, die eigenen Ziele realistisch und konkret festzulegen und die Umsetzung im Alltag zu planen. Jedes Modul endet mit konkreten Aufgaben für die kommende Woche, zum Beispiel eine neue Sportart auszuprobieren, Ziele festzulegen und das Erreichte zu dokumentieren. Basierend auf verhaltenswissenschaftlichen Erkenntnissen erwarten wir, dass Activity Matters den Teilnehmenden dabei helfen kann, mit Barrieren umzugehen und das eigene Verhalten besser zu steuern.

Karin Riemann-Lorenz

Dr. Karin Riemann-Lorenz ist die Koordinatorin von Activity Matters am UKE. Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Studienkoordinatorin von "Activity Matters" am UKE

Die Teilnehmenden werden dabei unterstützt, eine für sich selbst geeignete Trainingsform zu finden, die eigenen Ziele realistisch und konkret festzulegen und die Umsetzung im Alltag zu planen. Jedes Modul endet mit konkreten Aufgaben für die kommende Woche. Karin Riemann-Lorenz, UKE

TK: Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf das Programm und die laufende Studie am UKE?

Riemann-Lorenz: Die Corona-Pandemie hatte großen Einfluss auf die Studie. Alle bisherigen Teilnehmenden haben das Programm durchlaufen, als die Sportmöglichkeiten in Vereinen und Fitnessstudios in Hamburg aufgrund der Corona-Pandemie sehr stark eingeschränkt waren. Wir haben Activity Matters deshalb um Online-Sportangebote für Menschen mit MS erweitert. Es hat sich gezeigt, wie wichtig Online-Programme in so besonderen Zeiten sind, damit man die Betroffenen weiterhin unterstützen kann. Wie gut dies gelungen ist, werden wir erst sehen, wenn die Studie ausgewertet ist. 

TK: Wie sehen die nächsten Schritte im Projekt "Activity Matters - Bewegung ist wichtig" aus? 

Holz: Mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse konnten wir die Studie verlängern und somit auch nach dem Ende des Lockdowns und den damit einhergehenden Einschränkungen der sportlichen Aktivitäten fortführen. Seit Juli 2021 können sich MS-Betroffene daher wieder für Activity Matters einschreiben. 

Riemann-Lorenz: Die Teilnehmenden können Activity Matters nun so durchlaufen, wie es gedacht war: Ein Online-Programm, das Menschen mit MS motiviert und bestärkt, mehr körperliche Aktivität in den Alltag zu integrieren, und gleichzeitig dabei hilft, vor Ort geeignete Sportangebote zu finden, die Spaß machen. Denn das Ziel von Activity Matters ist es, dass Menschen mit MS langfristig aktiver werden und so selbst zu ihrer Gesundheit und ihrem Wohlbefinden beitragen können. 

Hintergrund

Viele weitere Informationen zu der Studie finden Sie auf der Programm-Website. Wenn Sie Interesse haben, an der Studie teilzunehmen, können Sie sich per E-Mail unter activitymatters@uke.de melden.

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Landesverband Hamburg e.V. (DMSG Hamburg) ist eine gemeinnützige Selbsthilfeorganisation und unabhängige Interessenvertretung für Menschen mit Multipler Sklerose. MS-Betroffene und ihre Angehörigen erhalten Orientierung sowie Unterstützung und können sich mit anderen Betroffenen vernetzen. Das sozialpädagogische Team der DMSG Hamburg berät und informiert individuell und vertraulich.