An dem gewohnten Ort - dem Grand Elysée Hotel in Hamburg - mit reduzierter Teilnehmerzahl bot sich die Gelegenheit, nach eineinhalb Jahren Corona-bedingter Zwangspause das Netzwerken im Gesundheitswesen vor Ort wieder aufzunehmen. Neben dem persönlichen Austausch standen auch in diesem Jahr wieder große gesundheitspolitische Themen im Fokus der Vorträge, Diskussionen und Gespräche: die Finanzierung des Gesundheitssystems, die Digitalisierung und die Krankenhauslandschaft in Deutschland. 

Maren Puttfarcken, Leiterin der Landesvertretung Hamburg der Techniker Krankenkasse (TK), berichtet im aktuellen "Zur Sache" vom Gesundheitswirtschaftskongress und darüber, welchen individuellen Eindruck sie in diesem Jahr mitgenommen hat. 

TK: Frau Puttfarcken, der Gesundheitswirtschaftskongress bietet mit zwei Tagen vollem Programm viele inhaltliche Schwerpunkte. Was ist Ihnen in diesem Jahr besonders aufgefallen?

Maren Puttfarcken: In diesem Jahr habe ich viel Aufbruchsstimmung gespürt. Auch wenn die meisten Themen an sich nicht neu waren, hat die Pandemie die Entwicklung beschleunigt und die großen Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen nochmal verdeutlicht.  Neben vielen "altbekannten" Gesichtern und Namen waren diesmal auch viele neue und jüngere Referentinnen und Referenten dabei - darunter auch deutlich mehr Frauen. Das hat der Diskussion gut getan. Der Zeitpunkt kurz vor den Wahlen war gut gewählt - so wurden natürlich auch viele Hoffnungen mit Blick auf die Bundestagswahl formuliert. 

In diesem Jahr habe ich viel Aufbruchsstimmung gespürt. Auch wenn die meisten Themen an sich nicht neu waren, hat die Pandemie die Entwicklung beschleunigt und die großen Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen nochmal verdeutlicht. Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg  

Ein großes Thema waren die Diskussionen rund um die Zukunft der stationären Versorgung. Die Lösungsvorschläge sind hier natürlich sehr unterschiedlich, aber es gab in vielen Panels einen Konsens, dass eine Reform der Krankenhauslandschaft und -finanzierung ganz oben auf die politische Agenda gehört. In einer Diskussion um das Krankenhauszukunftsgesetz wurde deutlich, dass für das digitale Update der Krankenhäuser viel Geld zur Verfügung steht. Doch es gibt große Herausforderungen und Hürden für die Krankenhäuser und Akteure im Gesundheitswesen. Das wird uns sicherlich in naher Zukunft noch stark begleiten. Überhaupt war die Digitalisierung des Gesundheitswesens - auch im ambulanten Bereich - eines der absoluten Top-Themen des Kongresses.

Maren Puttfarcken

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

TK: Sie selbst haben die elektronische Patientenakte (ePA) "TK-Safe" vorgestellt. Wie war das Feedback?

Puttfarcken: Als TK sind wir ja schon lange mit dem Thema Digitalisierung und TK-Safe unterwegs. Erst als freiwillige elektronische Gesundheitsakte und nun als persönliche Patientenakte. Wir haben zum Thema "Medizin innovativ - ePA forciert digitale Transformation" viele spannende Präsentationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln erleben dürfen. Es gab auch kritische, aber vor allem konstruktive Fragen rund um die ePA. Wir sind davon überzeugt, dass die ePA das Herzstück der digitalen Versorgung werden muss. Nach und nach werden weitere Funktionen dazukommen, die der ePA hoffentlich weitere Schübe ermöglichen. Vorausgesetzt, auch die künftige Bundesregierung setzt den bisherigen Kurs in Sachen ePA konsequent fort. 

Gleichzeitig bleibt auch noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten - sowohl bei den Patientinnen und Patienten, aber auch den Leistungserbringern. Ärztinnen und Ärzte müssen in der ePA einen Vorteil für die Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten sehen und diese müssen einen Nutzen aus der ePA ziehen. Nur so kann ein Arzt-Patientenverhältnis mit gemeinsamer Nutzung der ePA auf Augenhöhe entstehen. 

TK: Nach eineinhalb Jahren Coronapandemie - Welches Fazit ziehen Sie persönlich von einem Gesundheitswirtschaftskongress in Präsenz?

Puttfarcken: Es war schön! Natürlich konnte man in der Coronapandemie dank digitaler Formate die Kommunikation aufrecht erhalten. Aber es war schon etwas ganz anderes,  nach so langer Zeit vor dem Bildschirm in Videokonferenzen endlich wieder viele Menschen persönlich zu treffen und sich auszutauschen. Dieses Bedürfnis habe ich bei sehr vielen Teilnehmenden gespürt. Plötzlich konnte man sich mal wieder "am Rande einer Veranstaltung" sehen, ohne sich extra verabreden zu müssen. Viele Themen lassen sich in einem Gespräch, in dem man sich in die Augen schauen kann, viel schneller lösen als online oder am Telefon. Dazu braucht es Vertrauen und menschliche Nähe. Der Gesundheitswirtschaftskongress bietet dafür immer eine gute Plattform. Ich habe mich sehr gefreut, dass uns viele alte Bekannte, aber auch neue Kontakte an unserem TK-Stand besucht haben. 

Zum Schluss möchte ich mich auch noch bei den Organisatorinnen und Organisatoren bedanken, die den Kongress trotz der unsicheren Zeiten möglich gemacht haben.

Hintergrund

Weitere Eindrücke vom 16. Gesundheitswirtschaftskongress in Hamburg gibt es auf Twitter unter dem Hashtag #GWK21 oder im Twitter-Moment @TKinHH vor Ort