Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, wirft im Interview einen Blick zurück auf das vergangene Jahr und gibt gleichzeitig einen Ausblick, was im kommenden Jahr wichtig wird. 

TK: Frau Puttfarcken, die Corona-Pandemie war das vorherrschende Thema des Jahres 2020. Was haben wir aus der Zeit gelernt?

Maren Puttfarcken: Das ist eine spannende Frage, die man zurzeit noch gar nicht abschließend beantworten kann - wir sind ja noch mittendrin. Was man bisher festhalten kann, ist, dass wir wirklich ein sehr gutes Gesundheitssystem in Deutschland haben, mit dem wir bisher vergleichsweise gut durch die Corona-Pandemie gekommen sind. Mich hat vor allem in der ersten Welle beeindruckt, wie wir gemeinsam mit allen Akteuren schnell und pragmatisch gute Lösungen gefunden haben. Das ist bei anderen Themen doch manchmal etwas zäher. 
Dann hat 2020 mit Sicherheit gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen endlich vorankommen. Eine Video-Sprechstunde mit dem Arzt, eine elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung oder auch das elektronische Rezept sind gerade jetzt für häufige Beschwerden wie Erkältungen oder Magen-Darm-Erkrankungen eine gute Alternative. Ich bin froh, dass wir hier einen Schub erlebt haben und im nächsten Jahr weitere Schritte gehen werden.

Maren Puttfarcken

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

TK: Und was war darüber hinaus wichtig im Jahr 2020?

Puttfarcken: Auch wenn die Corona-Pandemie das vorherrschende Thema war und ist, gab es auch sonst viel Bewegung im Gesundheitswesen und in der Gesundheitspolitik. Der Start des neuen Senats in Hamburg nach der Bürgerschaftswahl Ende Februar verzögerte sich ja bis kurz vor den Sommerferien. Hinzu kommt, dass die bisherige Gesundheitsbehörde nun Teil der Sozialbehörde ist und einige Bereiche auch in andere Behörden verlagert worden sind. Eine große Herausforderung - auch vor dem Hintergrund der andauernden Pandemie. Trotz der schwierigen Situation ist es beispielsweise aber gelungen, an Themen wie der digitalen Vernetzung im Gesundheitswesen durch Projekte wie H3 weiterzuarbeiten. 
Bundespolitisch gab es eine ganze Reihe an Gesetzesvorhaben, die sich auf uns als Krankenkasse, aber auch auf das Gesundheitswesen insgesamt stark auswirken. Vor allem im Bereich Digitalisierung. Das Patientendaten-Schutzgesetz etwa regelt das weitere Vorgehen für die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Und mit dem Krankenhauszukunftsgesetz wird der Grad an Digitalisierung in den Kliniken nochmal zunehmen - auch wenn Hamburg hier im bundesweiten Vergleich bereits jetzt gut aufgestellt ist. 

TK: Im kommenden Jahr wird uns die Corona-Pandemie voraussichtlich weiterhin stark beschäftigen. Aber es steht auch der Start der elektronischen Patientenakte (ePA) an. Wie blicken Sie auf das Jahr 2021?

Puttfarcken: In erster Linie bin ich hoffnungsvoll! Die Vorbereitungen für eine Impfung gegen das Corona-Virus sind ja in vollem Gange. Das macht Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität, auch wenn das ein langer Weg sein wird. Ich hoffe, dass wir aus der Corona-Pandemie lernen, uns zwischen den Sektoren besser zu vernetzen und zusammenzuarbeiten, zum Beispiel bei der Notfallversorgung. Hier steht eine Reform ja schon länger auf der bundesweiten To-do-Liste. 

Der Start der elektronischen Patientenakte wird sicherlich ein Meilenstein für das Gesundheitswesen. Auch wenn sie zunächst mit nur wenigen Funktionen startet. Doch der schrittweise Ausbau der Vernetzung wird die Versorgung insgesamt qualitativ verbessern, davon bin ich überzeugt. 

Der schrittweise Ausbau der digitalen Vernetzung wird die Versorgung insgesamt qualitativ verbessern, davon bin ich überzeugt. Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

Drängend ist auch die Reform der Pflegeversicherung. Wir müssen die Rahmenbedingungen in der Pflege nachhaltig verbessern. Dazu zählt für mich: Die Finanzierung muss auf zukunftsfähige Füße gestellt werden. Wir brauchen neue Wege in der Entlastung für Pflegekräfte und pflegende Angehörige, zum Beispiel durch digitale Unterstützung. Und wir müssen die Arbeitsbedingungen in der Pflege attraktiver machen. 

2021 wird aber auch ein spannendes Jahr. Denn im September wählen wir einen neuen Bundestag, und es ist ja noch völlig offen, wie dann die Mehrheiten sein werden. Sicher ist nur:  Bis dahin  werden noch einige Gesetze aus dem Hause Spahn auf der Agenda stehen. 

Hintergrund

Das Projekt "Hamburg Health Harbour" (H3) soll die unterschiedlichen Akteure im Gesundheitswesen untereinander besser vernetzen. Ziel ist es, eine Plattform zu entwickeln, über die eine sektorenübergreifende Kommunikation ermöglicht wird. Darüber hinaus sollen Patienten im Umgang mit digitalen Hilfsangeboten geschult werden. Schirmherrin ist die Behörde für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration (BAGSFI).