Für die Zukunft setzt die TK auf eine schnelle Umsetzung einer flächendeckenden Telematikinfrastruktur, die Gewährleistung einer umfassenden Interoperabilität zwischen den Akteuren und die größtmögliche Einsichtnahme und Partizipation durch die Patienten. Hieraus ergeben sich Lösungsansätze für bestehende Problemfelder, die eine Digitalisierung notwendig machen. Neben der demographischen Entwicklung hin zu einer immer älter werdenden Bevölkerung, die einen Anstieg chronischer Erkrankungen sowie Multimorbidität bedingt, kommen Probleme wie Fachkräftemangel und eine drohende Unterversorgung in ländlichen Bereichen und auf den Inseln hinzu.

E-Health-Gesetz als Rahmen

Das E-Health-Gesetz schafft die Rahmenbedingungen für die Implementierung technischer Informations- und Kommunikationssysteme in eine moderne Patientenversorgung.
Die Anwendung sicherer digitaler Kommunikationswege unter Nutzung einer einheitlichen, sektorenübergreifenden Plattform stellt ein wichtiges Element für ein zukunftsorientiertes Gesundheitswesen dar. Die TK unterstützt den Ansatz, die Telematikinfrastruktur als gemeinsames, zentrales Vernetzungsinstrument im Gesundheitswesen zu etablieren. Die schnellstmögliche Umsetzung dieses flächendeckenden Netzwerkes sollte oberste Priorität haben, da dies die Grundvoraussetzung für alle weiteren Anwendungen darstellt.

Ein Ziel des Gesetzes ist es, die Telemedizin zu fördern und weiterzuentwickeln. Sinnvolle und evaluierte telemedizinische Anwendungen stellen eine wertvolle Ergänzung in der Patientenversorgung dar, nicht nur für Menschen, die in ländlichen Regionen leben und künftig auf ergänzende Versorgungsstrukturen angewiesen sind.

Unter Einsatz sicherer digitaler Technologien sollen etwa konsiliarische Befundungen von Röntgenaufnahmen oder Bildern telemedizinisch möglich werden. Damit kann zum Beispiel die Beratung beim Zweitmeinungsverfahren erleichtert werden oder auch die fachärztliche Unterstützung der Behandlung beim Hausarzt.

Telemedizin hat Zukunft

Insbesondere für Schleswig-Holstein können telematische Angebote dabei hilfreich sein, die medizinische Versorgung zukunftssicher zu gestalten. In fünf Jahren sind Online-Videosprechstunden, wie sie die TK bereits mit Dermatologen und HNO-Ärzten anbietet, wahrscheinlich weit verbreitet. Auch die regelmäßige Übermittlung von Vitaldaten, zum Beispiel bei einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, wird dann die Regel sein. Wenn es gelingt, mit Telemedizin zum Beispiel Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, ist das für alle gut: für die Patienten, weil sich ihre Krankheit nicht verschlimmert und sie in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können, aber auch für die Solidargemeinschaft, weil die gesparten Kosten für andere Leistungen verwendet werden können.

Aber auch die Kommunikation zwischen verschiedenen Versorgungspartnern kann mit Telemedizin deutlich verbessert werden. Der Spezialist in einem Krankenhaus der Maximalversorgung kann über moderne Medien aktiv an der Versorgung zum Beispiel in einem kleineren Krankenhaus oder im ländlichen Raum mitwirken.

Damit Patienten, Ärzte und Kliniken in Schleswig-Holstein die digitalen Behandlungsangebote nutzen können, sind aus Sicht der TK zwei Dinge wichtig: Patienten und alle an der medizinischen Versorgung Beteiligten müssen sich den neuen Möglichkeiten öffnen. Darüber hinaus muss das Internet so ausgebaut werden, dass moderne Technik auch überall nutzbar wird. Wir begrüßen deshalb das Ziel der Landesregierung, bis spätestens 2030 flächendeckend Glasfasernetze in den schleswig-holsteinischen Haushalten und Gebäuden verfügbar zu haben. Die Telematik erlaubt den unkomplizierten Austausch von Informationen im Gesundheitswesen, verbessert den Wissens- und Informationstransfer und muss deshalb möglichst rasch flächendeckend umgesetzt werden.

"Fernbehandlungsverbot" lockern

Die TK in Schleswig-Holstein plädiert schon länger für eine Lockerung der Regelungen zur sogenannten "Fernbehandlung" in der ärztlichen Berufsordnung. Damit können mehr telemedizinische Leistungen möglich werden, zum Beispiel auch ein Erstkontakt online oder per Telefon zwischen Arzt und Patient. Für diese Konstellation sieht die ärztliche Berufsordnung in Schleswig-Holstein bisher ein Verbot vor - das sogenannte Fernbehandlungsverbot. Es sollte die Möglichkeit geben - im kontrollierten Rahmen - neue telemedizinische Angebote auszuprobieren. Sinnvolle und evaluierte telemedizinische Anwendungen können künftig einen wertvollen Beitrag in der Patientenversorgung leisten - vor allem in ländlichen Regionen. Derzeit ist die Berufsordnung noch so formuliert, dass der Arzt einen unmittelbaren Kontakt zu seinem Patienten (physischer Kontakt) gewährleisten muss.

Telemedizin-Projekte sind schon jetzt erfolgreich

Digitale Technologien haben sich längst etabliert - auch bei Patienten. Die TK ist mit ihrem Online-Terminservice einem Verbraucherwunsch bereits nachgekommen. Auch Telemedizin-Projekte für Herz- und COPD-Patienten, Online-Sprechstunden beim Dermatologen, Teletherapie gegen Stottern und chronische Kopfschmerzen, das TK-Diabetes-Tagebuch oder Apps zur Unterstützung bei Pollenallergie oder Tinnitus zeigen, dass digitale Versorgung bereits jetzt funktioniert und dem Patienten Vorteile bringt.

Das Behandlungsangebot der TK für epilepsiekranke Kinder und Jugendliche in Kooperation mit dem Norddeutschen Epilepsienetz in Raisdorf bei Kiel ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie wichtige Informationen zum Gesundheitszustand schnell an den Arzt übermittelt werden können und eine Kommunikation von zuhause aus möglich ist. Das reduziert nicht nur die Zahl der Arztbesuche, sondern erhöht auch die Sicherheit für den Patienten.

Die TK wird ihre Innovationsoffensive zum Ausbau der digitalen Medizin - seien es Online-Sprechstunden, medizinische Apps oder Kommunikationsverbesserungen zwischen medizinischen Behandlern - schon jetzt aktiv umsetzen.