Es geht um: Hebehilfen in der Pflege, einen Patienten, der selbst Herr seiner Daten wird, die elektronische Gesundheitsakte, und es geht hoffentlich auch um die Hilfe bei der ärztlichen Versorgung auf dem Land - mittels Fernbehandlung.

Was sagen die Ärzte im Freistaat zu den Entwicklungen, die inzwischen viel mehr sind als ein Trend? Passen die Vorstellungen der E-Health-Konferenzen und derjenigen, die Innovationen zu Recht kontinuierlich vorantreiben zur Versorgungsrealität in Thüringen? Wir haben mit Dr. Ellen Lundershausen, Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen, darüber gesprochen.

TK: Frau Dr. Lundershausen, Telemedizin, digitale Gesundheit und auch künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen sind in aller Munde. Wie ist die Stimmung dazu in der Thüringer Ärzteschaft? Wie euphorisch sind Sie selbst?

Dr. Lundershausen: Na ja, euphorisch würde ich nicht sagen. Beim Stichwort Digitalisierung fallen mir Vor- und Nachteile sowie Licht- und Schattenseiten ein. Ich denke, meine Kolleginnen und Kollegen werden das je nach Fachgebiet und eigener Arbeitsweise genauso sehen.

TK: Ganz konkret: Auch Thüringer Mediziner und Psychotherapeuten dürfen jetzt bestimmte Patienten ausschließlich online fernbehandeln. Was war und ist das Ziel des Beschlusses?

Dr. Lundershausen: Um es vielleicht nochmal klarzustellen, wir haben mit unserem Beschluss der Kammerversammlung zur Fernbehandlung eine Möglichkeit eröffnet, die deutlich konditioniert ist.

Konkret heißt es im Paragraph 7 der Berufsordnung für Thüringer Ärztinnen und Ärzte: "Ärztinnen und Ärzte beraten und behandeln Patientinnen und Patienten im persönlichen Kontakt. Sie können dabei Kommunikationsmedien unterstützend einsetzen. Eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien ist im Einzelfall erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird und die Patientin oder der Patient auch über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt wird."

Aus meiner Sicht ist der unmittelbare Arzt-Patienten-Kontakt in der Beratung und Behandlung von Patienten nach wie vor Goldstandard.

Insofern möchten wir die Möglichkeit der Fernbehandlung eher als Ergänzung betrachten und wollten uns letztlich neueren Entwicklungen nicht verschließen.

TK: Die Idee hinter dem Ausbau von Videosprechstunde und Co. ist, Versorgungsengpässe auf dem Land abzumildern. Halten Sie das für einen zielführenden Ansatz?

Dr. Lundershausen: "Abmildern" ist vielleicht der richtige Begriff, aber nicht mehr und nicht weniger. Denn trotz Digitalisierung benötigt man am Ende nach wie vor die Kompetenz des Arztes, um zum Beispiel. die übermittelten Werte oder erhobenen Daten einzuschätzen.

Aber auf alle Fälle sind solche Instrumente Bausteine bei der Lösung des Problems Ärztemangel.

Noch besser würde ich allerdings die Erhöhung der Anzahl der Medizinstudienplätze an der Universität Jena finden!

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Dr. Ellen Lundershausen

TK: Haben Sie andere Ideen, wie Digitalisierung im Gesundheitswesen die Patientenversorgung in Thüringen verbessern kann? Was brauchen wir?

Dr. Lundershausen: Zunächst einmal ein flächendeckendes Netz, um die Instrumente, die es bereits gibt, wie Tele-Arzt oder das Schlaganfallprojekt SATELIT, auch vernünftig nutzen zu können. Dann wäre schon viel erreicht!

Zur Person

Dr. med. Ellen Lundershausen ist seit Juni 2015 Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen. Im Mai 2019 wurde sie zur Vizepräsidentin der Bundesärztekammer gewählt. Hauptamtlich praktiziert sie als Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in einer Gemeinschaftspraxis.