Das Jahresende ist traditionell die Zeit, um zurückzublicken, Resümee zu ziehen und vor allem auch eine Vorausschau in die Zukunft zu wagen. Nach monatelangem Ringen richtet sich für 2018 die Erwartung an die Politik, endlich eine Regierung zu bilden, um wieder handlungsfähig zu werden. Die politische Hängepartie nach der Wahl im September ist bereits jetzt die längste Regierungsbildung seit Gründung der Bundesrepublik. Dringend notwendige Reformen können nicht in Angriff genommen werden. Ein lähmender Stillstand, der nicht zuletzt auch ein großes Problem für die Gesetzliche Krankenversicherung darstellt.

Dr. Jens Baas

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Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse

Dabei haben die gescheiterten Sondierungsgespräche gezeigt, dass trotz grundsätzlicher politischer Uneinigkeit und atmosphärischer Spannungen durchaus Konsens in Kernpunkten bestand. So war etwa das Thema Digitalisierung unstrittig. Hier attestierten alle Parteien, dass Deutschland verglichen mit europäischen Nachbarländern massiven Nachholbedarf hat - das gilt besonders auch für das Gesundheitswesen. Im Gegensatz zu anderen Branchen fehlen im Gesundheitssystem noch immer die technischen Voraussetzungen für eine umfassende Vernetzung. Viele Strukturen haben sich in den letzten 30 Jahren nicht grundlegend geändert. Obwohl sich in Praxen und Krankenhäusern die digitale Datenverarbeitung längst durchgesetzt hat, läuft die Übermittlung der Daten nach wie vor in der Regel analog. Briefe und Faxgeräte sind in Arztpraxen und Krankenhäusern noch immer Alltag.

Was muss die Politik 2018 verändern?

Viele Strukturen im Gesundheitswesen passen schon lange nicht mehr zur Lebenswirklichkeit der Patienten. Während in allen anderen Lebensbereichen das Smartphone und digitale Anwendungen analoge Dienstleistungen längst ersetzt haben, arbeitet das Gesundheitswesen noch mit überholter Technik. Wir benötigen dringend ein neues e-Health-Gesetz, das es ermöglicht, die Strukturen im Gesundheitssystem an die digitale Realität der Patienten anzuknüpfen. Patienten erwarten, dass ihnen ihre medizinischen Daten ohne bürokratische Hürden rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Das muss ohne Sicherheitsbedenken möglich sein. Deshalb brauchen wir dringend eine digitale Vernetzung der Akteure im Gesundheitswesen.


Als TK entwickeln wir seit Beginn des Jahres gemeinsam mit IBM Deutschland eine elektronische Gesundheitsakte (eGA), die nächstes Jahr an den Start gehen wird. Der Versicherte bekommt damit die Möglichkeit, seine Gesundheitsdaten gebündelt und sicher an einer zentralen Stelle zu speichern. Unabhängig von einer Arztpraxis hat er so jederzeit Zugriff auf seine Daten. Und jeder Einzelne entscheidet für sich, ob nur er selbst Einblick bekommt oder die Informationen auch einem Arzt zur Verfügung gestellt werden. Die eGA ist ein Novum im deutschen Gesundheitssystem. Somit haben Patienten Transparenz über ihre Daten und sind über Diagnose und Therapie umfassend informiert. Sie bekommen mit der eGA ein Tool an die Hand, das es ihnen ermöglicht, gemeinsam mit dem Arzt selbstbestimmte Entscheidungen für ihre Gesundheit zu treffen.

Patient muss im Mittelpunkt stehen

Bei der eGA geht es also nicht um eine neue Funktion auf dem Smartphone. Vielmehr läutet sie ein Umdenken in der Versorgung ein. Historisch gewachsen ist das Verhältnis zwischen Patient und Arzt noch immer paternalistisch geprägt. Patienten sind in den Entscheidungsprozess über ihre eigene Gesundheit oft nicht ausreichend eingebunden. Indem wir die Möglichkeiten der Digitalisierung für unsere Versicherten nutzen, rückt der Patient in den Mittelpunkt. Er wird aktiv in den eigenen Behandlungsverlauf eingebunden. So erreichen wir endlich eine moderne Versorgung. Der Versicherte hat schließlich das größte Interesse an seiner eigenen Gesundheit und deshalb ein Recht darauf, involviert zu sein. Ich bin der Überzeugung, dass der Versicherte die Souveränität über seine Daten, seine eigene Gesundheit, haben muss und freue mich, dass wir mit der eGA einen entscheidenden Schritt in diese Richtung gehen.

Mit freundlicher Genehmigung der Leo Schütze GmbH.