Das Angebot von telemedizinischen Leistungen durch Ärzte ist heute jedoch durch die Musterberufsordnung für Ärzte und die jeweiligen Berufsordnungen der Landesärztekammern deutlich eingeschränkt (Fernbehandlungsverbot). Die Musterberufsordnung schließt eine telemedizinische Behandlung ohne vorherigen persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient aus (sog. ausschließliche Fernbehandlung).

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat im Juli 2016 beschlossen die Berufsordnung so zu erweitern, dass Ärzte - wenn auch erst im Rahmen von Modellprojekten - Patienten ausschließlich telemedizinisch behandeln können. Der Gesetzgeber hingegen trifft uneinheitliche Beschlüsse zur Fernbehandlung. Während einerseits das E-Health-Gesetz eine Erstattungsfähigkeit von Online-Videosprechstunden vorsieht, wird andererseits in einer Novelle des Arzneimittelgesetzes das Verbot der Medikamenten-Fernverschreibungen beschlossen.

Te­le­me­di­zin in Nie­der­sach­sen ausbauen

Neue digitale, telemedizinische Ansätze können zukünftig einen wertvollen Beitrag in der Patientenversorgung in Niedersachsen leisten. Insbesondere Telemedizin kann helfen, Defizite bei Über- und Unterversorgung im Land auszugleichen und Effizienzpotenziale zu realisieren. Um diese Möglichkeiten zu nutzen ist es aus Sicht der Techniker Krankenkasse notwendig, dass die Ärztekammer Musterberufsordnungen und Landesberufsordnungen nach dem Vorbild der baden-württembergischen Landesberufsordnung für eine ausschließliche Fernbehandlung öffnet. Ebenso ist eine Anpassung von Berufsordnungen der Psychotherapeutenkammer und ggf. anderer Heilberufe nach dem Muster der Öffnung der Berufsordnung für Ärzte durchzuführen. Das Land Niedersachsen sollte diesen Entwicklungsprozess verstärken, indem es die Landesärztekammer zu einer klaren Regulierung der Fernbehandlung auffordert.