Hamburg, 25. November 2020. Anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft diskutieren Experten aus der EU über den Umgang mit Gesundheitsdaten in Europa. Wo stehen wir und was muss sich ändern?

Durch die Digitalisierung werden immer mehr Daten verfügbar, die Forschung und Versorgung im Gesundheitswesen entscheidend beeinflussen können. Allerdings stoßen wir heute im Hinblick auf die Nutzung dieser Gesundheitsdaten an ethische, rechtliche und soziale Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten der EU. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, einen Weg zu entwickeln, der die Nutzung von Gesundheitsdaten in Europa im Sinne unserer europäischen Vorstellungen und Ansprüche ermöglicht.  

Europa darf den Anschluss an die Digitalisierung nicht verlieren
Der Fortschritt in der Medizin wird immer mehr von der Nutzung von Daten bestimmt. Sowohl bei der Bewältigung als auch bei der Prävention von Krankheiten spielt die Analyse großer Datenmengen eine immer wichtigere Rolle.

Im Spannungsfeld zwischen Chancen und Datenschutz 

„Wenn wir in Europa Vorreiter in der Digitalisierung sein wollen, müssen wir uns der Wertediskussion beim Umgang mit Daten stellen“, sagt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse. „Ich glaube, dass für Europa weder der marktorientierte Weg der USA noch der staatlich kontrollierte Weg Chinas ein Vorbild sein dürfen. Wir müssen einen eigenen Weg finden, der den europäischen Werten folgt.“ Langfristig könnten der sensible Umgang mit Daten und die strengeren Datenschutzregelungen der EU sogar ein Wettbewerbsvorteil sein.

Das stellt uns vor grundsätzliche Fragen: Wie können wir Daten für unsere Gesundheit nutzen und gleichzeitig den Datenschutz jedes Einzelnen gewährleisten? Wie muss ein gemeinsamer europäischer Datenraum aussehen? Wie sollte ein Code of Conduct in Europa für einen möglichst einheitlichen Umgang mit Daten gestaltet sein? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Digitale Grundrechte in der EU – ein digitaler Kodex für ein neues Zeitalter” und werden aus unterschiedlichen Perspektiven von Expertinnen und Experten beleuchtet. 

"Die Digitalisierung macht Daten im Gesundheitswesen verfügbar, die europaweit Forschung und Versorgung verbessern können. Die DSGVO hat zwar eine gute Grundlage für Datenschutz und Datennutzung in Europa gelegt, sie wird aber durch die Mitgliedsstaaten unterschiedlich interpretiert", so Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK. "Ein Code of Conduct kann zu einem gemeinsamen Verständnis von Datenschutz und Datennutzung durch die Mitgliedsstaaten führen, damit die Vorteile der Digitalisierung auch überall voll genutzt werden können."

Das Symposium ist Teil des assoziierten Programms des Bundesministeriums für Gesundheit im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft und will dazu beitragen, grenzüberschreitende Probleme zur Förderung der digitalen Transformation im Gesundheitswesen zu thematisieren und zu lösen. Denn dies braucht eine gesellschaftliche Debatte, die jetzt neu und anschließend immer wieder zu führen ist.

Hinweis für die Redaktion

Das Programm und Informationen zum Kongress finden Sie unter: https://eu2020.tk.de/