Frankfurt am Main, 31. Oktober 2019. Bei der heutigen HLS Cloud Conference tauschen sich über 100 Teilnehmer aus den Einrichtungen der Suchthilfe, der Selbsthilfe und Experten aus Forschung und Praxis zum Thema künstliche Intelligenz (KI) aus.

Die Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) e. V. hat nach Frankfurt zu der Konferenz eingeladen, unter dem provokanten Titel: Künstliche Intelligenz - ein Traum(@) wird wahr. "KI und Bots sind im Gesundheits- und Suchtbereich zunehmend öfter zu finden und sie eröffnen ganz neue Behandlungsmöglichkeiten. Unsere Fachtagung bietet daher ein wichtiges Forum, in dem sich die Teilnehmenden aus Sucht- und Selbsthilfe dazu austauschen können, wie sie mit den neuen Erkenntnissen und Chancen umgehen", sagt Susanne Schmitt, Geschäftsführerin der HLS.

KI verstehen

Die Veranstaltung, die in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen stattfindet, bietet den Rahmen, sich einen Überblick über Chancen und Risiken von KI in der Suchtberatung zu verschaffen. Es geht darum, KI zu verstehen, Risiken für exzessiven Medienkonsum vorausschauend zu erkennen und mögliche Chancen für das Gesundheitswesen in Therapie und Selbsthilfe zu nutzen.

So referiert beispielsweise Dr. Severin Haug vom Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung über Chatbots zur Frühintervention und Prävention von Substanzgebrauchsstörungen. Er berichtet von seinen Erfahrungen aus der Entwicklung einer App, die er in Kooperation mit Schulen in der Schweiz entwickelt und erprobt hat. Die App "ready4life" dient der Reflexion des eigenen Rauch- oder Trinkverhaltens, beispielsweise durch einen Selbsttest oder indem positive Momente notiert werden, in denen man mit Freunden auch ohne Alkoholkonsum und Zigaretten Spaß hatte. 

Digitale Angebote zur Frühintervention

Haugs Erkenntnisse vermitteln den Eindruck, dass es beispielsweise möglich ist, Menschen mit innovativen digitalen Angeboten so zu begleiten, dass der Griff zum Suchtmittel verhindert oder mindestens reduziert werden kann. Nach Auskunft von Haug, ließe sich das Konzept auch auf andere Bereiche in der Frühintervention von Suchtverhalten übertragen, aktuell arbeite sein Team an einem Modul für internetbezogene Störungen. "Digitale Technologien werden auch im Suchtbereich weiter an Bedeutung gewinnen. Menschliche Zuwendung und Erfahrung bleiben in der Suchthilfe und Suchtselbsthilfe jedoch die bestimmenden Elemente", sagt Schmitt. 

Digitalkompetenz als Schutzfaktor

Darüber hinaus ist es auch ein Tag, um sich mit potentiellen Risiken der KI auseinanderzusetzen. Besonders im Fokus steht das Thema exzessiver Medienkonsum. Dessen Entwicklung kann durch KI begünstigt werden, denn: Algorithmen, die bei KI zum Einsatz kommen und sich im Alltag hinter Sozialen Netzwerken, großen Bestellplattformen oder in Spielen verstecken, beeinflussen das Verhalten der Anwender. So können personalisierte Inhalte, die dem User aufgrund seines Surfverhaltens präsentiert werden, dazu verleiten, mehr Zeit im Netz zu verbringen als es eigentlich gewollt war.

Um dieses Thema geht es unter anderem in der Session von Social-Media-Manager und Suchttherapeut Benjamin Wockenfuß: "Warum weiß Facebook, was ich zum Frühstück mag? Wie Algorithmen uns bestimmen und unser Verhalten beeinflussen." Die Auseinandersetzung und Reflexion zu diesem Thema gehört zu einer bestehenden oder sich entwickelnden Digitalkompetenz. Eine Kompetenz, die im Rahmen der rasanten digitalen Entwicklungen immer wichtiger wird und für die die HLS und die TK in Hessen gemeinsam seit über zehn Jahren eintreten.