Gefördert durch das Ministerium für Soziales und Integration (MSI) soll in den Modellregionen Stuttgart und Tuttlingen das e-Rezept ab dem 1. November diesen Jahres getestet werden. Bis dahin sind jedoch noch einige Fragen zu klären. Die TK hat bereits ein eigenes Pilotprojekt in Hamburg gestartet.

TK: Herr Vogt, noch immer werden in Deutschland jedes Jahr 700 Millionen Papierrezepte für Medikamente ausgestellt. Wann wird sich das ändern?

Andreas Vogt

Andreas Vogt, Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Andreas Vogt: Leider können wir das noch nicht sicher sagen. Derzeit wird auf Bundesebene von Ärzten und Apothekern mit Hochdruck daran gearbeitet, den Prozess und die Standards für das künftige elektronische Rezept deutschlandweit zu definieren. Umstritten ist zum Beispiel, ob es das e-Rezept zunächst zusätzlich zum Papierrezept geben wird, und ab wann für Notfälle und Hausbesuche auf die Papierform verzichtet werden kann.

Für die Patienten ist wichtig, dass sie weiterhin alle Informationen zum verordneten Medikament haben und auch alle Freiheiten behalten, wo und wie sie das Rezept einlösen wollen. Aus Sicht der Ärzteschaft kommt es darauf an, dass die Ausstellung eines e-Rezeptes nicht den Praxisablauf stört, etwa durch zu lange Antwortzeiten oder zu häufig erforderliche elektronische Authentifizierung des Arztes. Es sind also noch viele Fragen offen.

TK: Baden-Württemberg will auch in dieser Frage Vorreiter sein. Was ist geplant?

Andreas Vogt: Mit Förderung des Ministeriums für Soziales und Integration soll in den Modellregionen Stuttgart und Tuttlingen das e-Rezept bereits zum 1. November diesen Jahres starten. Das gilt allerdings nur für Patienten, die sich im Fernbehandlungsangebot der Kassenärztlichen Vereinigung "docdirekt" behandeln lassen und dafür die entsprechende App nutzen.

Gerade bei der Fernbehandlung ist die Ergänzung um die elektronische Verordnung von Medikamenten besonders wichtig, weil sich ja der ganze Vorteil der Fernbehandlung in Luft auflöst, wenn man dann zum Abholen eines Rezeptes trotzdem in die Arztpraxis gehen muss. Der Projektname für das e-Rezept in Baden-Württemberg lautet GERDA, das steht für "geschützter E-Rezept Dienst der Apotheken". Die TK hat GERDA von Anfang an unterstützt und wird vom ersten Tag an dabei sein.

TK: Ist GERDA dann eine Vorlage für ganz Deutschland?

Andreas Vogt: Da bin ich mir nicht ganz sicher. Gesetzlich sind derzeit bewusst unterschiedliche Konzepte zur Erprobung des e-Rezeptes in Modellprojekten möglich. GERDA ist eines davon und ist auch sicherlich besonders wichtig, da die Versicherten von vielen oder vielleicht sogar allen Kassen davon profitieren können. Aber welches Konzept sich am Ende durchsetzen wird, ist offen und kann auch erst geklärt werden, wenn die eingangs erwähnten Prozesse und Standards bundesweit einheitlich definiert sind. In Hamburg können schon jetzt TK-Versicherte das e-Rezept bei ausgewählten Ärzten und in einer Apotheke nutzen - dort sogar bei jeder Verschreibung, nicht nur im Rahmen der Fernbehandlung.