TK: Frau Dr. Koehn, wie sieht das Geschäftsmodell von KRY aus?

Dr. Cristina Koehn: Wir ermöglichen Patienten, über eine Smartphone- oder Tablet-App einen Arzt oder Psychologen per Video zu sprechen – und das innerhalb von weniger als 30 Minuten Wartezeit.

TK: Warum wollen Sie Ihr Konzept nach Spanien und den skandinavischen Ländern gerade in Deutschland etablieren?

Dr. Koehn: Wir haben mit unserem Service in Skandinavien und Spanien bereits mehr als 300.000 Patienten weitergeholfen und sind damit das Gesundheitsunternehmen in Europa mit der meisten Erfahrung mit digitalen Arztbesuchen über Video. Länderübergreifend erhalten

wir eine äußerst positive Resonanz von den Patienten und sind überzeugt, dass es auch unter deutschen Patienten einen großen Bedarf an neuen medizinischen Versorgungsmöglichkeiten gibt und haben daher entschieden, KRY auch in Deutschland anzubieten.

Wir sehen in Deutschland einige ganz konkrete Situationen, wo der digitale Arztbesuch für Patienten eine wesentliche Erleichterung bringen kann: Es gibt Regionen in Deutschland, in denen kaum noch niedergelassene Ärzte sind und wo alternative Lösungen erforderlich sind. Gleichzeitig suchen immer mehr Patienten die Notaufnahmen der Krankenhäuser auf – insbesondere außerhalb der Sprechstunden niedergelassener Ärzte. Hier können einfach zugängliche digitale Angebote eine attraktive Alternative für die Patienten bieten.

Ganz praktisch bietet KRY auch Familien, in denen der Tagesablauf eng getaktet ist, eine Alternative zum Arztbesuch vor Ort: Wenn Kinder krank sind, muss die Betreuung umorganisiert werden und man verbringt häufig erst einmal Stunden im Wartezimmer des Kinderarztes. Diese Stress-Situation kann durch unseren Arztbesuch über Video in der App in vielen Fällen entspannt werden.

TK: Welche Ziele hat KRY, speziell im deutschen Gesundheitswesen?

Dr. Koehn: Allen Patienten soll einheitlich ein guter und schneller Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Versorgung ermöglicht werden. Dieses Ziel verfolgen wir, indem wir Patienten ermöglichen, über unsere Smartphone- oder Tablet-App innerhalb weniger Minuten einen Arzt oder Psychologen per Video zu sprechen. Dabei soll egal sein, in welcher Umgebung unsere Patienten leben oder sich gerade aufhalten.

Durch KRY treiben wir außerdem die Modernisierung der Versorgungsinfrastruktur voran. Gerade in ländlichen Räumen, wo Praxen zum Teil schwer erreichbar sind, aber auch in Ballungszentren, wo Sprechstunden oft überfüllt sind, können digitale Lösungen eine sinnvolle Ergänzung zur bestehenden Versorgung darstellen.

Deutschland hat hier im europäischen Vergleich noch Potential. In Skandinavien finden bereits heute vier bis fünf Prozent der Termine beim Allgemeinmediziner digital statt. Auch Frankreich möchte digitale Arztbesuche stärker fördern. So hat Präsident Macron dort eine landesweite Initiative zur Integration digitaler Arztbesuche ins Leben gerufen.

TK: Mit wie vielen Ärzten arbeiten Sie in Baden-Württemberg zusammen und wie werden diese rekrutiert?

Dr. Koehn:  Das Angebot von KRY soll Patienten einen einheitlich guten und schnellen Zugang zur Versorgung ermöglichen. Dafür stellen wir sicher, dass unsere Ärzte für Patienten an sieben Tagen die Woche innerhalb weniger Minuten erreichbar sind. Die Zahl der Ärzte, die dafür erforderlich ist, hängt davon ab, wie viele Patienten das Angebot in Anspruch nehmen. In den Ländern, in denen wir bereits aktiv sind, arbeiten heute mehr als 250 Ärzte für KRY.

TK: Wann startet Ihr Projekt in Baden-Württemberg?

Dr. Koehn: Wir haben uns sehr über die Genehmigung der baden-württembergischen Ärztekammer gefreut und sind nun dabei, die notwendigen Vorbereitungen für den Start des Pilotprojekts in Baden-Württemberg zu treffen. Der Start hier ist noch in diesem Jahre geplant. Wir sind zuversichtlich, dass die Gespräche mit möglichen Partnern gut verlaufen werden.

Zur Person

Dr. Cristina Koehn ist Director New Markets beim schwedischen Gesundheitsunternehmen KRY. Sie stammt aus Baden-Württemberg und ist vom Hintergrund Betriebswirtin und promovierte Gesundheitsökonomin. Vor KRY war Cristina Koehn Geschäftsführerin eines Gesundheits-Startups in Berlin.