Kiel, 25. Mai 2020. Grippaler Infekt, Magen-Darm-Virus oder Migräne - man schleppt sich zum Arzt, verbringt Zeit im überfüllten Wartezimmer und steckt dort vielleicht noch andere Patienten an - und das nur um eine Krankschreibung für seinen Arbeitgeber zu bekommen. 

Als erste Krankenkasse startete die Techniker Krankenkasse (TK) bereits im Oktober 2019 für ihre bundesweit rund 14.000 Beschäftigten ein digitales Pilotprojekt zur Fernbehandlung per Videotelefonie. Jetzt steht dieses Angebot auch den bei der TK versicherten Beschäftigten des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) zur Verfügung. Vom heimischen Krankenbett aus können sie sich über die App "TK-Doc" ärztlich behandeln und krankschreiben lassen. 

"Ein Arztbesuch muss nicht unbedingt physisch stattfinden. Mit der Onlinesprechstunde entfallen nicht nur die Anfahrt zum Arzt und die Wartezeit in der Praxis, sondern es sinkt auch das Risiko, sich, andere Patienten und das medizinische Personal in der Praxis anzustecken. Das gilt nicht nur in der aktuellen Corona-Krise", sagt Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein. "Darüber hinaus werden Ärzte in ihrem Praxisalltag entlastet und haben mehr Zeit für Patienten, für die eine Behandlung in der Arztpraxis notwendig ist."

Behandlung durch niedergelassene Ärzte mit Kassenzulassung 

Für das Projekt hat die TK einen Vertrag mit dem Telearztzentrum der IFE Gesundheits-GmbH im schleswig-holsteinischen Nehmten geschlossen. Die Behandlung erfolgt ausschließlich durch niedergelassene Ärzte. Sie können im Gespräch mit den Patienten anhand übertragener Bilder die Symptome überprüfen. Das Projekt ist zu Beginn auf sieben Krankheitsbilder begrenzt - darunter Magen-Darm-Infekte, grippale Infekte, Rückenschmerzen und Migräne.

Ist dem Arzt hingegen eine Diagnose aus der Ferne zu unsicher oder ist für eine weitere Abklärung eine persönliche Vorstellung bei einem Arzt notwendig, vermitteln die Ärzte der TK-Onlinesprechstunde auch Termine bei Vertragsärzten in der Nähe des Versicherten. 

Elektronische Krankschreibung auf Knopfdruck

Stellt der Arzt eine der sieben Diagnosen im Video-Chat fest, kann er per Knopfdruck eine elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) für den Patienten ausstellen. Der "gelbe Schein" wird online direkt an die TK als Krankenkasse und den Arbeitgeber übertragen. 
Mit dem Projekt der eAU, an dem das UKSH bereits seit 2018 teilnimmt, hat die Kasse bereits sehr gute Erfahrungen gesammelt. Aus Schleswig-Holstein sind seit Projektstart im Jahr 2017 fast 140.000 Krankmeldungen digital bei der TK eingegangen. "Gemeinsam mit der Fernbehandlung kommt die digitale Krankschreibung jetzt erst richtig zum Tragen, weil wir zwei Schritte im Behandlungsverlauf digital abbilden", so Schmidt-Bodenstein.

Nächster Schritt: das elektronische Rezept

Ziel ist neben der Fernbehandlung und der eAU auch die Ausstellung eines elektronischen Rezeptes zu ermöglichen, mit dem das verordnete Medikament nach Hause geliefert werden kann. "Damit wäre ein vollständiger Behandlungsprozess von der Diagnose über die Krankschreibung bis hin zur Medikamentenbestellung möglich", kündigt der Leiter der TK-Landesvertretung an. "Wir arbeiten derzeit mit Nachdruck daran, den Beschäftigten des UKSH und der TK im Norden die Nutzung des E-Rezeptes vor Ort zu ermöglichen." Dazu hat die Kasse bereits Kooperationsvereinbarungen mit den Dienstleistern NOVENTI, dem Norddeutschen Apotheken-Rechenzentrum e. V. (NARZ) und der Apotheken-Verrechnungsstelle Dr. Carl Carstens GmbH & Co. KG (AVN) geschlossen. Bundesweit können bis zu 10.000 Apotheken ein E-Rezept annehmen und direkt mit der TK abrechnen.

Vorteile für alle Beteiligten 

"Die medizinische Versorgung wird sich in den nächsten Jahren weiter verändern. Mit diesem Projekt sammeln wir Erfahrungen in der Fernbehandlung und wollen aufzeigen, welche Vorteile die zunehmende Digitalisierung im Gesundheitswesen für Patienten, Ärzte und Apotheker mit sich bringen kann", so TK-Landeschef Schmidt-Bodenstein.