Gegenwärtig existieren in Mecklenburg-Vorpommern nur zwei Herzzentren. Diese befinden sich in Rostock, welche mit Schwerin kooperieren, und Karlsburg. Die spezialisierte medizinische Expertise ist für die rund 27.000 Patienten mit fortgeschrittenen, chronischen Herzerkrankungen oft nur schwer zugänglich. 

Versorgungslage von Patienten mit Herzerkrankungen

Aufgrund der fehlenden intersektoralen Vernetzung können krankheitsrelevante Daten nicht lückenlos erfasst werden. Die Zusammenarbeit der beteiligten Behandler ist nicht optimal. Durch den fehlenden Austausch zwischen dem medizinischen Personal ergeben sich häufig Unklarheiten bei den Zuständigkeiten. Aufgrund großer Intervalle zwischen medizinischen Kontakten gibt es keine zufriedenstellende Verlaufsbeobachtung. Die Therapie kann gegenwärtig als insuffizient bezeichnet werden. Darüber hinaus gibt es bisher kaum Möglichkeiten für niedergelassene Ärzte, die Behandlungen zu intensivieren. Aufgrund dessen ist bei Auffälligkeiten keine umgehende Anpassung der Therapie möglich. Erschwerend hinzu kommt, dass den Patienten oft das Bewusstsein über die Ernsthaftigkeit der Krankheit und das Wissen über die Therapiemöglichkeiten fehlt. Auch eine psychosoziale Begleitung der Patienten während der Behandlung war bisher kaum vorhanden. 

Innovation der Versorgungsform bei HerzEffekt MV

Das Hauptziel ist der Aufbau eines Care-Centers "HerzEffekt". Mittelfristig sollen alle chronisch kranken Herzpatienten in Mecklenburg-Vorpommern, mit leichten bis schweren Symptomen, einen wohnortnahen Zugang zu spezialisierter kardiologischer Medizin erhalten. Dazu werden alle an der Patientenversorgung beteiligten, vom Hausarzt über den niedergelassenen Facharzt bis hin zu den regionalen Krankenhäusern, im Care-Center zusammengeführt. Die Universitätsmedizin Rostock agiert als Koordinator und Wissensgeber. Sie steuert die Zusammenarbeit aller Beteiligten während des gesamten Behandlungsprozesses. 

Chancen digitaler sektorenübergreifender Versorgungsstrukturen

Die telemedizinische Konsultation und Diagnostik bietet den Patienten und Behandlern gleichermaßen viele Vorteile. So können Krankheitsprogresses frühzeitig erkannt und Notfallsituationen unterbunden werden. Zeitgleich ermöglichen digitale Kommunikationswege eine verbesserte Dokumentation des Krankheitsverlaufes und der Medikation. Krankheitsrelevante Daten und Therapieentscheidungen sind stets aktuell und für alle Akteure verfügbar. Die Aufhebung der Sektorengrenzen verbessert die interdisziplinäre Zusammenarbeit und Therapieabstimmung. Die skalierbaren Behandlungspfade verbessern die Versorgungsqualität und -effizienz gleichermaßen.