Marburg, 15. März 2021. Die Herzinsuffizienz gehört zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Ist die medizinische Betreuung der Betroffenen jedoch engmaschig und gut koordiniert, sollte nicht nur die Zahl der Krankenhauseinweisungen sinken, sondern auch die Lebensqualität der Betroffenen steigen. Im jetzt gestarteten öffentlich geförderten Innovationsprojekt "sekTOR-HF" sollen bis zu 250 Patientinnen und Patienten aus der Region Marburg-Biedenkopf zwölf Monate kontinuierlich betreut werden. Parallel wird das Konzept in Bad Neustadt a. d. Saale (Nordbayern) erprobt.

Patientinnen und Patienten übernehmen selbst das Monitoring

Beteiligt sind u. a. die RHÖN-KLINIKUM AG, das Universitätsklinikum Marburg, das PriMa-Ärztenetz, in dem sich niedergelassene Ärztinnen und Ärzte zusammengeschlossen haben, sowie die Krankenkassen AOK Hessen, DAK-Gesundheit und Techniker Krankenkasse (TK). Deren Versicherte können sich ab sofort bei teilnehmenden Praxen in das Programm einschreiben lassen. Betreut werden sie dann von Fach- und Hausarztpraxen, aber auch durch das Universitätsklinikum. Die Besonderheit: Patientinnen und Patienten übernehmen selbst das Monitoring ihres Gesundheitszustandes und werden dabei von der neuen Netzwerkstelle unterstützt. So wird frühzeitig erkannt, ob eine Änderung der Therapie notwendig ist - dieser Ansatz verhindert, dass solche Erkenntnisse erst Wochen oder Monate später möglich sind.

Die hierfür erforderlichen Geräte werden den Teilnehmenden kostenfrei nach Bedarf zur Verfügung gestellt. Im Vorfeld gibt es eine ausführliche, laienverständliche Schulung. Ob EKG, Blutdruck, Körpergewicht und Angaben zum subjektiv empfundenen Gesundheitszustand: Die Daten werden über eine gesicherte App oder ein Web-Portal an eine eigens eingerichtete Netzwerkstelle übermittelt. Diese wiederum bindet alle Beteiligten ein, sofern sich zum Beispiel Werte verändern und medizinische Maßnahmen notwendig wären.

Bedienung auch für Seniorinnen und Senioren umsetzbar

Erklärtes Hauptziel der Beteiligten ist es, unnötige Krankenhausaufenthalte zu reduzieren und Wiederaufnahmen zu vermeiden. "Telemedizin kann die Lebensqualität von herzkranken Patientinnen und Patienten wesentlich verbessern, weil wir dadurch die Werte ständig im Blick haben und sie im Bedarfsfall nach einem Gespräch sehr zügig neu einstellen können. Die Bedienung der Geräte ist auch für Seniorinnen und Senioren umsetzbar", meint Dr. Lothar Born, Internist und Kardiologe, der das Projekt für die PriMa ärztlicherseits leitet. Eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen von "sekTOR-HF" ist, dass die Erkrankten gewissenhaft ihre Messwerte erheben, dadurch mit dem Krankheitsbild der Herzinsuffizienz richtig umgehen und ihren Körper besser einschätzen können. Bis zum November 2023 ist die Laufzeit des Projektes angesetzt. Sie beinhaltet auch eine wissenschaftliche Auswertung.