Seit ihrer Gründung im Jahr 1999 hat sich die Medgate AG zum führenden Anbieter telemedizinischer Dienstleistungen in der Schweiz und zum größten ärztlich betriebenen telemedizinischen Zentrum Europas entwickelt. Bei bis zu 5000 Patientenkontakten pro Tag wurden fast 7 Millionen Telekonsultationen seit 2000 durchgeführt.

Darüber hinaus betreibt Medgate sogenannte Medgate Health Centers etwa in Zürich Oerlikon und Solothurn. Dort arbeiten Allgemeinmediziner und Spezialisten unter einem Dach und garantieren so eine umfassende und qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung. Medgate hat auch in den Schweizer TopPharm Apotheken "Medgate Mini Clinics" eingerichtet. Dort werden verschiedene Untersuchungsmöglichkeiten (z. B. Körperfunktionswerte, Labortests) angeboten und bei Bedarf stellen dort eine medizinische Fachperson eine gesicherte Videoverbindung zu einem Allgemeinarzt oder Spezialisten her.

TK: Medgate hat mittlerweile 18 Jahre Erfahrung mit Telekonsultationen in der Schweiz. Für welche Patientengruppen ist ein solches Angebot geeignet und wo sind die Grenzen?

Dr. Timo Rimner

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Leitender Arzt der Medgate AG, Basel

Dr. Timo Rimner: Wir betreuen Patienten aller Altersgruppen vom Neugeborenen bis zum hochbetagten. Ich selber erinnere mich gut an eine 92-jährige Dame, die ich abschließend am Telefon behandeln konnte.

TK: Was geschieht mit Patienten, die nach einer telefonischen Konsultation eine weitere medizinische Betreuung benötigen? Hat Medgate da eigene Angebote und wann wird das in der Schweiz vorhandene System - wie etwa der Rettungsdienst - eingeschaltet?

Dr. Rimner: Wir entscheiden anhand der Symptome, welcher Arzt (Hausarzt, Facharzt, Krankenhaus, Notfallambulanz) sich mit welcher Dringlichkeit um den Patienten weiter kümmert. In Situationen, in denen wir dem Patienten eine Fahrt zum nächsten Arzt nicht zumuten können, schalten wir den Rettungsdienst ein, der den Patienten abholt.

Dies muss aber nur in seltenen Fällen getan werden. In den meisten Fällen kann sich ein Hausarzt um die Patienten kümmern. Wenn der Patient keinen hat, empfehlen wir einen, mit dem wir zusammenarbeiten.

Wir haben dafür über die Jahre ein Partnernetzwerk mit über 2000 Mitgliedern schweizweit aufgebaut. Bei den meisten können wir sogar online Termine buchen. Das Partnernetz besteht vor allem aus Spezialisten, so dass Patienten, die zum Facharzt müssen, innerhalb medizinisch sinnvoller Frist, auch aufgenommen werden. Ebenfalls verfügt Medgate über zwei eigene Ärztezentren, in denen Allgemeinmediziner und Spezialisten arbeiten.

TK: Wie beurteilen ihre Kunden das Angebot und welche Kritikpunkte gibt es?

Dr. Rimner: Wir führen jede Woche eine große Anzahl an automatisierten Kundenumfragen durch, die zeigen, dass die Kunden sehr zufrieden mit der Dienstleistung sind und sie auch gerne weiterempfehlen. Kritik wird höchstens daran geübt, wenn wir nicht schnell genug das Telefon abnehmen können oder die Patienten aufgrund ihrer Symptome weiterweisen müssen, obwohl sie sich erhofft hatten, abschließend am Telefon behandelt zu werden.

TK: Eine elektronische Akte mit den medizinischen Daten ihrer Patienten ist über die Jahre mehr oder weniger "mitgewachsen". Ist das in der Schweiz leichter und wie organisieren sie den Schutz der Daten?

Dr. Rimner: Wir nehmen natürlich den Datenschutz sehr ernst. Daher ist die Patientenakte eine rein interne, geschützte Akte, auf die niemand außerhalb von Medgate Zugriff hat. Wir schicken dem Patienten aber, sofern er das wünscht, seinen persönlichen Behandlungsplan - eine schriftliche Zusammenfassung des mit Medgate vereinbarten weiteren Vorgehens - per E-Mail zu oder machen diesen auf der geschützten Medgate App für ihn sichtbar.

Für die von Ärzten und Patienten einsehbare Akte gibt es auch in der Schweiz noch einige Hürden zu überwinden.

TK: Wie schätzen Sie die Situation in Deutschland ein? Was muss Ihrer Meinung nach geschehen, um die Akzeptanz einmal der Telekonsultationen und zum anderen der Speicherung der Patientendaten sicherzustellen?

Dr. Rimner: Diese Frage kann ich aus der Ferne nicht abschließend beantworten. Ich kann nur sagen, dass die Patienten in der Schweiz gleiche Bedürfnisse haben wie in Deutschland - eine von überall zugängliche kompetente Information und Behandlung rund um die Uhr und einen jederzeit erreichbaren Arzt.

Es braucht sicher klare Anforderungen an die Qualität, damit der Patient in einem neuen Umfeld auch langfristig Telekonsultationen in Anspruch nimmt. Es braucht Treiber in Deutschland, die bereit sind, aus den vorhandenen Strukturen auch auszubrechen. So hat Medgate angefangen und ist bis heute sehr erfolgreich und etabliert.

Zur Person

Dr. med. Timo Rimner studierte Humanmedizin in Freiburg, Deutschland, und schloss 1999 mit dem Staatsexamen ab. Noch im selben Jahr promovierte er zum Doktor der Medizin. Seine Weiterbildung zum Facharzt absolvierte er in diversen Spitälern in Lörrach, Basel und Freiburg - mit Schwerpunkt in den Bereichen Allgemeine Innere Medizin, Infektiologie und Hämatologie. Im Jahr 2006 erlangte Dr. Rimner den Facharzt für Innere Medizin.

Seit Anfang 2006 arbeitet er im Medgate Telemedicine Center. Er ist heute als Leiter des Dienstleistungsmanagements verantwortlich für die Koordination aller erbrachten Dienstleistungen am Telefon, per Video und über Internet. Außerdem verantwortet er die Steuerung des täglichen Betriebs im Telemedizinischen Zentrum.