Häufige Krankenhausbesuche, lange Anfahrtswege und ein erhöhtes Risiko für Ansteckungen - diesen Belastungen sind Kinder in chemotherapeutischer Behandlung ausgesetzt. Um den betroffenen Familien ihren ohnehin schon belastenden Alltag ein wenig zu erleichtern, wurde das Behandlungsmodell KULT-SH (Kinderonkologische Untersuchung durch Leistungsfähige Telemedizin in Schleswig-Holstein) ins Leben gerufen. Dieses ersetzt einen Teil der zeitaufwendigen Vor-Ort-Visiten durch telemedizinische Betreuung.

Mit Telemedizin die Lebensqualität verbessern

Mit Hilfe technischer Sensoren werden wichtige Vitalwerte der Kinder, wie Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz und Körpertemperatur, zuhause erfasst. Über die KULT-SH-App werden die Daten direkt an die betreuende Klinik übermittelt. Die Gespräche mit dem ärztlichen Personal finden ebenfalls über Audio-Video-Konferenzen innerhalb der App statt. Bei Bedarf wird eine weiterführende Vor-Ort-Behandlung eingeleitet. So wird der Alltag der jungen Patienten und Patientinnen sowie ihren Familien durch das telemedizinische Angebot entlastet.

Schleswig-Holstein als Pilotregion

KULT-SH ist als Pilotprojekt am Kinderonkologischen Zentrum des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein - Campus Kiel (UKSH) gestartet. Das Projekt wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss mit zirka 3,4 Millionen Euro gefördert. Es handelt sich um ein einzigartiges Projekt in der Bundesrepublik Deutschland und soll den Weg einer flächendeckenden Einführung der Telemedizin in die Regelversorgung von Kindern und Jugendlichen mit Krebserkrankungen ebnen. 

Eine Krebserkrankung ist eine enorme Belastung für die jungen Betroffenen und ihre Familien. Mit KULT-SH erhalten sie eine exzellente Versorgung, die durch digitale Lösung auch den Alltag deutlich erleichtern kann. 
Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter TK-Landesvertretung

Hinweis für die Redaktion

Ab Mai 2021 können 60 junge Betroffene das Angebot KULT-SH in Anspruch nehmen. Geprüft wird in der angesetzten Testphase, ob die Erkrankten auf diese Weise genauso gut und sicher medizinisch betreut werden, wie es bisherige Präsenztermine in der Klinik ermöglichen. Auch wird die Zufriedenheit der Betroffenen mit der neuen Versorgungsform ermittelt und die Kosten der neuen Telemedizin mit dem finanziellen Aufwand der bislang gängigen Praxis verglichen. Positive Erfahrungen einer telemedizinischen Versorgung im Bereich der Kinderdiabetologie liegen bereits am UKSH, Campus Lübeck, vor - mit dem Innovationsfondsprojekt "ViDiKi - Virtuelle Diabetesambulanz für Kinder und Jugendliche".