Bisher haben nur einzelne Landesärztekammern die Berufsordnung der Ärztinnen und Ärzte entsprechend angepasst. Die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern vertagte die Entscheidung über eine entsprechende Änderung im vergangenen Herbst. Konkret heißt das: Mediziner in Mecklenburg-Vorpommern dürfen ihre Patienten nicht ohne persönlichen Erstkontakt telemedizinisch beraten oder behandeln.

Videosprechstunden können Versorgungsstrukturen entlasten

Für gewöhnliche und regelmäßig stattfindende Versorgungstatbestände, z. B. der Ausstellung eines Folgerezepts ist die Fernbehandlung eine patientenfreundliche Alternative zum Praxisbesuch. Bislang sind in Mecklenburg-Vorpommern Videosprechstunden nur möglich, wenn zuvor unmittelbar ein Arzt-Patienten-Kontakt stattfand. In der Realität können bisher nur wenige Patienten den unkomplizierten digitalen Weg zu ihrem Arzt nutzen.

Die Erfahrungen aus unserem Innovationsfondsprojekt TeleDermatologie verdeutlichen, dass die Ärzte und Patienten aller Altersklassen gleichermaßen bereit sind für Videosprechstunden.

In keinem anderen Bundesland ist die flächendeckende medizinische Versorgung so herausfordernd, wie in Mecklenburg-Vorpommern. Weite Anfahrtswege auf Seiten der Betroffenen, volle Wartezimmer und Terminschwierigkeiten sind Versorgungsrealität.

Gerade für ältere Menschen mit körperlichen Schwierigkeiten die in ländlichen Regionen leben, ist der Weg zum Arzt oft eine kleine Weltreise. Mit der Videosprechstunde kann der Arzt virtuell direkt beim Patienten sein. Das spezielle Arzt-Patienten Verhältnis, wird mittels Fernbehandlung nicht substituiert, sondern erweitert.

Formulierungsvorschlag:

§ 4 Abs. 4 der MBO-Ä M-V ist für eine patientenzentrierte Lösung des Fernbehandlungsverbots wie folgt zu ändern: "Ärzte beraten und behandeln Patientinnen und Patienten im persönlichen Kontakt. Sie dürfen dabei Kommunikationsmedien unterstützend einsetzen. Vorbehaltlich anderweitiger gesetzlicher Regelungen ist eine Beratung oder Behandlung ausschließlich über Kommunikationsmedien erlaubt, wenn diese ärztlich vertretbar und ein persönlicher Kontakt mit der Patientin oder dem Patienten nicht erforderlich ist."