Einen erfolgreichen Lösungsansatz zeigt das "Schlaganfall Telemedizin Netzwerk in Thüringen", kurz: SATELIT, das am Universitätsklinikum Jena (UKJ) koordiniert wird. Krankenhäuser, die über keine sogenannte Stroke Unit (Schlaganfallspezialstation) verfügen, können über Videokonferenz ohne Zeitverlust die Meinung von Experten einholen.

24/7 ansprechbar

Etwa 10.000 Thüringer erleiden jährlich einen Schlaganfall. Die Störung der Blutversorgung im Gehirn ist die dritthäufigste Todesursache und die häufigste Ursache für Behinderungen bei Erwachsenen.

"Über spezialisierte neurologische therapeutische Eingriffe können die Folgen für die Patienten vermindert werden. Über das Netzwerk sollen diese spezialisierten Behandlungsmöglichkeiten für viele Patienten in Thüringen zugänglich gemacht werden", sagt Dr. med. Albrecht Günther, Oberarzt der Hans-Berger-Klinik für Neurologie am UKJ und Koordinator von SATELIT.

"Entscheidend für den Erfolg der Behandlung sind eine schnelle Diagnose und der unverzügliche Beginn einer geeigneten Therapie." Deswegen ist im UKJ und im Klinikum Altenburger Land rund um die Uhr mindestens ein neurologischer Facharzt als Schlaganfallspezialist ansprechbar.

Für einzelne Kliniken ist eine 24-Stunden-sieben-Tage-die-Woche-Spezialistenbesetzung kaum möglich. Auch, wenn der Schlaganfallexperte und die entsprechende Ausstattung - zum Glück - nicht ständig gebraucht würden, müssten sie vorgehalten und finanziert werden, um im Ernstfall bereit zu sein.

Seit Beginn von SATELIT im Frühjahr 2012 wurden etwa 15.000 Patienten unter Einbeziehung des Netzwerks behandelt. Damit verfügen die Experten und die Kollegen der Kooperationskliniken über ständig wachsende Erfahrungen, was die Qualität ihrer Arbeit weiter verbessert.

Kliniken kooperieren

14 Thüringer Kliniken haben Kooperationsverträge mit dem telemedizinischen Netzwerk geschlossen, das in Jena seinen Knotenpunkt hat. Auch Kliniken in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sind mit dabei.

"Gemeinsam mit unseren Ärzten können wir eine fachärztlich fundierte Therapieentscheidung innerhalb kürzester Zeit treffen. Denn Zeit ist Gehirn. Wir können die Patienten gezielt versorgen und viele irreparable Schäden so verhindern", sagt Dr. Mathias Nitsch, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin/ Rheumatologie an den Waldkliniken Eisenberg. Er arbeitet mit dem Computer, der eine Ferndiagnose bei Patienten mit Schlaganfall ermöglicht.

Bevor die Videokonferenz zum Spezialisten von SATELIT hergestellt wird, erstellen die Mediziner des Waldkrankenhauses eine Erstdiagnose. CT- oder MRT-Aufnahmen des Gehirns werden ebenfalls an den Bereitschafts-Neurologen übermittelt.

Nachahmen erwünscht

Der Erfolg bestätigt das Netzwerk-Team immer wieder in seiner Arbeit - und ist Lohn für Anfangsherausforderungen.

"Natürlich gibt es bei manchen Kollegen Berührungsängste", sagt Prof. Dr. O. W. Witte, Direktor der Klinik für Neurologie des UKJ. "Der Gedanke, dass wir als Kliniken so eng kooperieren, ist auch historisch bedingt nicht für jeden gleich angenehm."

Patienten profitieren von der Spitzenmedizin. Gepaart mit pragmatischer Kooperation kann die hochwertige, flächendeckende medizinische Versorgung in Thüringen weiter gesichert werden.